Bereits Anfang September wechselte Diplom-Verwaltungswirt (FH) Marco Beier (46), seit 2009 Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit in Bad Kissingen (AfA), als Führungsberater an die Geschäftsstelle Schweinfurt. Nachfolgerin in Bad Kissingen wird seine bisherige Stellvertreterin, Diplom-Verwaltungswirtin (FH) Sabine Schloder (41). Im Beisein von Landrat Thomas Bold (CSU) gab Thomas Stelzer als Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Schweinfurt diesen Wechsel in einem Pressegespräch jetzt öffentlich bekannt.

Werdelgang

Nach ihrem Abitur am Hammelburger Frobenius-Gymnasium begann die in Hetzlos lebende Sabine Schloder 2001 ihre Ausbildung als Verwaltungsinspektoranwärterin bei der Arbeitsagentur in Schweinfurt und studierte zugleich an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Mannheim im Fachbereich Arbeitsverwaltung. Nach ihrem Abschluss als Diplom-Verwaltungswirtin (FH) war sie von September bis November 2004 als Vermittlungsfachkraft in der AfA-Dienststelle Bad Neustadt (Saale) tätig, bis sie in gleicher Position nach Bad Kissingen wechselte. Ab 2010 war sie zudem stellvertretende Leiterin, seit 2015 Expertin für die Belange von Flüchtlingen und Migranten und in den Jahren 2015 bis 2017 Beraterin für den beruflichen Wiedereinstieg.

Zurück nach Schweinfurt

Der Wechsel in Bad Kissingen war notwendig geworden, da Marco Beier, der 2009 die AfA-Leitung in Bad Kissingen übernommen hatte, aus privaten Gründen als Führungsberater an die heimatliche Arbeitsagentur nach Schweinfurt zurückkehren wollte. Seine Verabschiedung nahm nun Geschäftsführer Thomas Stelzer zum Anlass, auf die Entwicklung der Arbeitsmarktsituation in den vergangenen zehn Jahren im Landkreis Bad Kissingen hinzuweisen.

Generell ist die Zahl der Arbeitslosen kontinuierlich gesunken und liegt aktuell bei 1704 gemeldeten Arbeitsuchenden. Ohne die Zahl der Ukraine-Flüchtlinge läge dieser Wert sogar nur bei 1500. Damit sank die Arbeitslosenquote von fünf auf nur noch 3,2 Prozent und ist seit fünf Jahren annähernd identisch mit dem bayerischen Landeswert, während die Quote zuvor immer über dem Landeswert lag. Während in den beiden Corona-Jahren die Zahl gemeldeter offener Stellen aus nachvollziehbarem Grund von 1254 auf 1008 zurückging, stieg sie anschließend wieder an und liegt heute bei fast 1500. Die reale Zahl dürfte höher sein, vermutet Stelzer, da die Meldungen freiwillig sind. Ursache für den trotz aktueller Krisen und wirtschaftlicher Unwägbarkeiten stetigen Anstieg ist, so Stelzer weiter, der seit Jahren wachsende Fachkräftemangel in allen Branchen. "Es gibt nichts, was man nicht sucht."

Auch die Zahl aller im Landkreis sozialversicherungspflichtig Beschäftigten war auf über 35.500 gewachsen, hatte nur während der beiden Pandemie-Jahre einen minimalen Rückgang und liegt momentan bei fast 35.400, während der Anteil ausländischer Arbeitnehmer unverändert anstieg und aktuell mit 2811 seinen Höchstwert erreicht hat. Stelzer: "Die Hälfte des Zuwachses bei den Beschäftigten sind Ausländer. Wenn wir die nicht hätten, wäre die Zahl offener Stellen also noch höher."

Besonders liegt der Arbeitsagentur die Vermittlung von Auszubildenden am Herzen. "Früher haben wir die Betriebe angebettelt, einen Schulabgänger als Azubi aufzunehmen", erinnert sich Marco Beier. "Heute betteln uns die Betriebe um Azubis an." Grund ist die Erkenntnis vieler Firmen, die im eigenen Unternehmen dringend benötigten Fachkräfte selbst ausbilden zu müssen. "Wir haben einen extrem schwierigen Ausbildungsmarkt", ergänzt Stelzer. "Auf 100 Bewerber kommen 200 Ausbildungsangebote." Bei ihrer Suche können Bewerber also nach beruflichen Rahmenbedingungen und Lohnhöhe entscheiden.

Egal ob Auszubildende, Arbeitsuchende oder berufliche Wiedereinsteiger: "Der einzelne Mensch mit seinen individuellen Anliegen steht für mich stets im Mittelpunkt", versichert Sabine Schloder als neue Leiterin der Bad Kissinger AfA-Geschäftsstelle. "Gerade in Krisenzeiten ist es wichtiger denn je, unseren Unternehmen sowie unseren Arbeit-, Ausbildung- und Ratsuchenden bestmögliche Unterstützung anzubieten, Perspektiven aufzuzeigen und durch den gezielten Einsatz von Förderleistungen den Herausforderungen zu begegnen."

Landrat Thomas Bold dankte dem bisherigen Leiter Marco Beier "für viele Jahre ausgezeichneter Zusammenarbeit". Sabine Schloder wünschte er in ihrer neuen Funktion einen guten Start. "Sie übernehmen die Leitung der Geschäftsstelle in keiner einfachen Zeit."