Im Alter von nur acht Jahren zieht man gewöhnlich nicht in ein Seniorenheim. Doch bei Otto hat Pflegedirektorin Julia Plinganser ganz bewusst eine Ausnahme gemacht. Es war sogar ihre Idee, den Europäischen Kurzhaar-Kater aus dem Tierheim Wannigsmühle zu holen und ihn ab Anfang Dezember bei freier Kost und Unterkunft als "therapeutische Hilfskraft" im Seniorenheim am Saaleufer aufzunehmen. Seitdem spendet er nicht nur den 36 Bewohnerinnen und Bewohnern Trost und Freude, sondern lässt sich auch selbst gern von ihnen verwöhnen.

Alle kümmern sich

Bevor Otto ins Seniorenheim einziehen durfte, waren einige wesentliche Fragen zu klären, verrät Luisa Wehner, Pflegedienstleiterin des Seniorenheims. Zunächst war die Genehmigung des Gesundheitsamtes einzuholen und die Unterhaltskosten für Verpflegung sowie tierärztliche Versorgung mussten budgetiert werden. Dann war im Team abzustimmen, welche der vier Kolleginnen sich wann um den neuen Mitbewohner kümmert, ihm zu fressen gibt und das Katzenklo säubert. Wehner: "Wir haben ein richtiges Katzenkonzept erarbeitet."

Alle im Team sind gleichermaßen für Otto verantwortlich. Jede Art der Versorgung oder Fütterung wird in einen Zeitplan eingetragen, "damit er mittags nicht dreimal zu fressen bekommt." Erst nachdem diese Fragen abgehakt waren, durfte Otto ins Seniorenheim am Saaleufer einziehen. In den ersten zwei Wochen hält sich der Kater nur in einem der drei Wohnbereiche auf. Wehner: "Er soll sich erst einmal eingewöhnen und die Räumlichkeiten kennenlernen." Dann wechselt Otto in den nächsten Wohnbereich, bis er später überall frei herumlaufen darf. "Katzen sind sehr selbstbestimmt", sieht Pflegedienstleiterin Wehner als Vorteil. Ein Hund, mit dem die Pflegekräfte mehrmals am Tag hätten Gassi gehen müssen, kam wegen der Arbeitsbeanspruchung des Teams als Haustier nicht infrage.

Ruhig und zutraulich

Gerade wegen seiner so ruhigen, zutraulichen und geselligen Art ist Otto bei allen Heimbewohnern überaus beliebt, zumal Otto nicht gern allein ist. "Manche Bewohner nehmen ihn sogar in ihr Zimmer mit", hat Wehner schon beobachtet. Der Kater lässt sich von jedem auf den Schoß nehmen und streicheln, spendet Wärme und ermöglicht so den wegen der aktuellen Besuchseinschränkungen stark vermissten Körperkontakt. Wenn ein Bewohner mal traurig ist und Otto auf den Schoß nimmt, ist die Traurigkeit schnell verflogen. "Wir Pfleger lieben Otto genau so wie unsere Bewohner und tragen ihn oft mit uns herum", gibt Luisa Wehner lachend zu.

"Therapeutische Hilfskraft"

Vor allem aber freuen sich die vier Kolleginnen darüber, wie gut ihre Idee, den kurzhaarigen Otto als Mitbewohner und "therapeutische Hilfskraft" im Seniorenheim am Saaleufer aufzunehmen, bei den Seniorinnen und Senioren ankommt. Inzwischen hat sich der kleine Kater am Saale-Ufer schon bestens eingelebt: Er hört sogar auf seinen Namen und kommt immer angelaufen, wenn man ihn ruft. "Otto gibt uns allen viel Freude." Gerade in dieser so schwierigen Zeit der Corona-Pandemie ist dies für die Heimbewohner und deren Betreuerinnen von höchstem Wert und besonderer Bedeutung.