Genau ein Jahr vor der Wahl war sich Franz Kuhn noch sicher: "Ich trete wieder an", sagte er im März auf Nachfrage zum Thema Kommunalwahl 2020. Gut zwei Monate vor Ende der Nominierungsfrist kam nun am Dienstagabend im nicht-öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung der Paukenschlag: "Ich habe bekannt gegeben, dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidiere", berichtet der Oerlenbacher Bürgermeister. Damit sind die Karten in der Gemeinde mit rund 5000 Einwohnern neu gemischt: "Wenn er weitergemacht hätte, hätte es vermutlich keinen Gegenkandidaten gegeben", ist sich Klemens Wolf vom Bürgerblock Oerlenbach sicher.

Kuhn war 2014 für den Bürgerblock angetreten, wurde allerdings auch von den Wählergemeinschaften aus Rottershausen, Ebenhausen und Eltingshausen unterstützt. Lediglich die Liste "Die Überörtlichen" nominierte einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten: Steffen Beutert, der jedoch nur 18,6 Prozent der Stimmen bekam. "Wenn er weiter gemacht hätte, wäre ich nicht angetreten", sagte Beutert am Mittwoch auf Nachfrage, und: "Da wäre ich chancenlos gewesen." Trotz der Gegen-Kandidatur habe er ein gutes Verhältnis zum amtierenden Bürgermeister und bedauere die Entwicklung. "Es hat uns alle kalt erwischt", fasst er die Stimmung im Gemeinderat zusammen. Nun überlege er sich neu, ob er doch antritt: "Aber es ist noch nichts entschieden", stellt der 45-Jährige klar. Aktuell leitet Beutert das Amt für Soziales in Schweinfurt, er habe also einen ähnlichen Hintergrund wie der amtierende Bürgermeister.