Das Thema Corona zog sich wie ein roter Faden durch die Abteilungsberichte bei der Jahreshauptversammlung des TSV Oerlenbach. Keine Mannschaft, keine Gruppe konnte ihr geplantes Programm bestreiten, Meisterrunden wurden gestartet, verschoben und wieder abgebrochen. Feste konnten seit dem Lockdown auch nicht stattfinden. So fehlen dem TSV Oerlenbach am Ende wichtige Einnahmequellen, der Kassenwart taxierte den Fehlbetrag auf rund zehntausend Euro.

Zwei durchweg positive Dinge lassen den Sportverein trotzdem optimistisch in die Zukunft schauen: Zum einen hat sich das Beachvolleyballfeld "rentiert", die Zahl der Volleyballer stieg, das zusätzliche Angebot auf dem Sportgelände wird von vielen in der Gemeinde gerne genutzt. Und zum anderen linderte Roland Christ die finanzielle Nöte seines TSV: Nach sehr guten Jahren in seiner Firma Roland Sicherheitstechnik spendete er noch auf der Versammlung tausend Euro für die Vereinskasse und versprach dem TSV eine Alarmanlage für das Vereinsgelände.

Eine vergnügliche Reise in die Vergangenheit war der Vortrag von Paul Bernhard Küthe. Er erinnerte an die schwierigen Schritte vor dem Bau des Sportheims, das vor ziemlich genau 50 Jahren, am 17. Juli 1971 eingeweiht wurde. Bereits 1968 gab es erste Pläne für einen Neubau, der zukunftsfähig die Sportler beherbergen konnte und dessen Gaststätte Gäste aus nah und Fern anlocken sollte.

260 Mitglieder hatte der TSV damals - heute sind es rund 770 - und das Vorhaben war teuer und aufwändig. 213.000 Mark sollte der Neubau kosten, rund 60.000 Mark waren als Eigenleistung der Mitglieder eingerechnet, das waren zum damaligen Tarif 80 Arbeitsstunden für jeden. Das Dorf Oerlenbach - die Gebietsreform kam später - bewilligte einen Zuschuss.

Noch während der Bauphase drohte das "jähe Aus", immer wieder kamen Zweifel auf, wurde in Versammlungen schon beinahe das frühe Ende der neuen Sportlerheimat eingeläutet. Am Ende wurde der gelungene Neubau doch noch fertig: Beinahe dreißig TSVler hatten ihre Arbeitsquote übererfüllt, auf mehr als 600 Arbeitsstunden kam Planer, "Oberaufseher" und Macher Alfred Kraus. Aus den Erzählungen von Paul Küthe war auch die Unterstützung aus der Gemeinde stets herauszuhören, der Grenzschutz half kräftig mit und Firmenboss Wilhelm Hegler stellte seine Mitarbeiter für den Neubau ab.

Seit der Eröffnung gab es zahlreiche Wirtsleute, Küthe listete die wichtigsten auf. Seit 16 Jahren - also rund ein Drittel des Bestehens - betreibt der TSV sein Vereinsheim ehrenamtlich. Andreas Schmitt zählt zu den guten Geistern, die die "Wirtschaft am Laufen halten". Er berichtete vom Ausbau, der immer wieder Neues brachte: Eine stromsparende Beleuchtung, einen Beamer, neue Türen und dazu den barrierefreien Zugang. Zuletzt waren Küche, Kühlanlagen und die Bierleitung erneuert worden. Seine Feuertaufe bestand das Sportheim 1972 bei der 60-Jahr-Feier des Vereins und - coronabedingte Umplanungen außen vor - wird es im nächsten Jahr auch Ort der Erinnerung an 110 Jahre TSV Oerlenbach werden.

Wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre kann der TSV Oerlenbach auch das große Loch verkraften, dass die Pandemie jetzt in die Kassen gerissen hat: Ein Minus von rund 10.000 Euro steht in den Büchern, die fehlerlos geführt wurden.

Zahlreiche Auszeichnungen gab es. Jochen Straub,der erste Vorsitzende des Vereins, und dessen Vorstandskollegen verliehen Nadeln und Urkunde an verdiente Mitglieder. Dieter Vierheilig und Gerhard Lutz gehören dem TSV seit 50 Jahren an; Herbert Kuhn - das war die außergewöhnlichste Ehrung - erhielt für 70 jährige Zugehörigkeit neben dem Ehrenteller auch ein Präsent des Vereins.