Wenn Roman Riedel, Posaunist im Bad Kissinger Kurorchester, über den musikalischen Weltrekord in Frankfurt spricht, ist ihm die Begeisterung noch immer anzuhören. "Das war eine mächtige Klangwolke für uns, als die Ode an die Freude gespielt wurde. Ich hatte überall Gänsehaut." Riedel ist überzeugt, dass es nicht ausschließlich um den Rekord ging. "Es war auch ein Tag, an dem die Musik gefeiert wurde."

Das Kurorchester ist erfahren, was das Aufstellen von Rekorden betrifft. Mit den meisten Auftritten jährlich, immerhin mehr als 727 Stück, steht es im Guinness-Buch der Rekorde. Dennoch war es etwas Besonderes, mit so vielen Musikern aufzutreten. Im Stadion war die Sitzordnung zumeist nach Instrumenten sortiert. Das Kurorchester durfte ziemlich weit vorn Platz nehmen.

Dirigent Wolf Kerschek war auf der Leinwand zu sehen, zählte mit den Fingern den Start eines Stückes an, und die Musiker setzten ein. Vier Werke standen im Programm: Auszüge aus Dvoráks 9. Sinfonie und aus Beethovens 9. Sinfonie, 4. Satz, sowie Starlight Express aus dem gleichnamigen Musical und "Music was my first love" von John Miles.

Dass ein solcher Auftritt nicht einfach ist, erklärte der dritte Vorsitzende der Eschenbacher Musikanten, René Beckmann: "Im Stadion hallt es ganz schön, und man muss als Musikant auch noch die Zeitverzögerung zwischen Großbildleinwand und realem Dirigat berücksichtigen." Bei der Aktion "Wir füllen das Stadion" - unter diesem Motto stand der Rekordversuch - waren 21 Mitglieder der Eschenbacher Musikanten und fünf befreundete Musikanten aus Pfaffenhausen dabei.


"Mit eigenem Fanclub"

Das Bad Kissinger Kurorchester hatte sich nach Frankfurt Verstärkung mitgenommen: 26 Mitglieder des Fördervereins Kurorchester. Diese sahen sich das Spektakel von der Ostkurve des Stadions aus an. "Wir sind mit eigenem Fanclub angereist. Wer hat das schon?", sagt Roman Riedel und lacht. "Wir sind stolz und glücklich, dass wir den Förderverein haben."

Fördervereinsvorsitzender Kurt Rieder schwärmt ebenfalls von dem Event: "So etwas erleben wir doch nie wieder." Zu Beginn war er skeptisch, ob alle Mitfahrenden den langen 18- Stunden-Tag gut packen würden. Derlei Sorgen waren unbegründet, auch wenn die älteste Teilnehmerin 87 Jahre alt war.


Publikum half mit

"Beim Weltrekordversuch durfte das Publikum unterstützen", ergänzt Kurt Rieder. Es wurden Handtrommeln, Shaker und Triangeln verteilt. Die Organisatoren wollten absichern, dass wirklich ausreichend Musiker bei den Stücken mitwirken.

Die Vereinsmitglieder erkundeten zusätzlich die Stadt und die Musikmeile, die neben dem Stadion aufgebaut war. "Es war schön zu sehen, dass rund um das Stadion ältere und jüngere Menschen gemeinsam unterwegs waren", erzählt Kurt Rieder. Auf der Musikmeile durfte das Kurorchester ebenfalls spielen, dank der Kontakte von Roman Riedel zum Initiator des Weltrekordversuchs, Jens Illemann. Ein solcher Auftritt "ist ja auch Werbung für Bad Kissingen", erklärt Roman Riedel.

Am Abend war noch einmal Geduld gefragt: Während die Jury auszählte, feierten alle bei Auftritten von Johannes Oerding, Angelo Kelly und anderen Künstlern. Erst gegen 21.30 Uhr stand es offiziell fest: Der Weltrekord ist geschafft.

Die Lust an den Rekorden hat Roman Riedel damit aber noch lange nicht verloren. Er kann sich gut vorstellen, dass es da noch weitere Möglichkeiten gibt. "Wer weiß, vielleicht sind wir ja schon jetzt das Kurorchester mit den meisten Weltrekorden", sagt er mit einem Augenzwinkern.

7548 Musiker aus Deutschland waren beim Rekord in Frankfurt dabei. Beim bisherigen Rekordhalter, einem 2013 in Australien aufgetretenen Orchester, hatten 7224 Musiker gespielt.