Die Dürre in Unterfranken hält an. Und sie nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Wie bewerten Experten in Unterfranken die Situation jetzt Mitte August? Ein aktueller Stand in fünf Fakten.

1. Niederschlag: So wenig geregnet hat es in Nordbayern in 62 Jahren nicht.

"Der August bleibt viel zu trocken", schreibt ein Sprecher des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) auf Anfrage. So fielen bislang in diesem Monat in Nordbayern im Mittel vier Millimeter Niederschlag.

Das sind gerade einmal 16 Prozent vom Mittel des gleichen Zeitraums in den Jahren 1971 bis 2000. Der vom LfU erstellte Niederschlags- und Dürreindex der vergangenen 90 Tage zeigt für weite Teile Unterfrankens aktuell weiter "extrem" trockene Bedingungen an. Es ist die höchste Stufe nach "mäßig" und "sehr" trocken.

Vom 1. Mai bis 11. August hat es in Nordbayern im Mittel 125 Millimeter geregnet. Das ist weniger als die Hälfte des langjährigen Mittelwerts im Zeitraum 1971 bis 2000. Und: "Es ist der niedrigste Wert in einer 62-jährigen Beobachtungsreihe, deutlich unterhalb der 148 Millimeter im Jahr 1964", so der LfU-Sprecher.

Selbst wenn man die feuchten Wintermonate dazuzählt, hat es laut Landesamt in Nordbayern heuer viel zu wenig geregnet: Vom 1. November 2021 bis 11. August 2022 summiert sich der Niederschlag in Nordbayern auf 475 Millimeter - das sind gerade einmal 76 Prozent des Durchschnittswerts.

2. Trockenheit: Der August 2022 gehört zu den trockensten seit 1881 in Unterfranken.

"Bislang gehört der August 2022 zusammen mit dem August 2003 zu den trockensten August-Monaten seit Vorliegen flächendeckender Aufzeichnungen im Jahr 1881", resümiert Lothar Bock vom Regionalen Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München mit Blick auf die Lage in Unterfranken.

Bezogen auf die gesamte Region, haben die Wetterbeobachter im Mittel bisher nicht einmal einen Liter pro Quadratmeter gemessen. "An etlichen Stationen war der Niederschlagsmesser bisher staubtrocken", schreibt der DWD-Sprecher. Der "meiste" Regen in Unterfranken fiel im August an den DWD-Klimastationen in Königsberg-Holzhausen im Lkr. Haßberge mit 3,7 Liter pro Quadratmeter und in Mellrichstadt-Mühlfeld im Landkreis Rhön-Grabfeld mit 3,4 Liter pro Quadratmeter.

Flächendeckende, gleichmäßige Landregenfälle und damit eine nachhaltige Entspannung sind laut Deutschem Wetterdienst weiter nicht in Sicht. Für die kommenden Tage sieht es aber zumindest etwas besser aus als zuletzt. Schauer und Gewitterniederschläge könnten ab Donnerstag zumindest regional die Trockenheit ein wenig abmildern.

3. Grundwasserpegel: 40 Prozent aller Messstellen haben sehr niedrige Wasserstände.

Die Grundwasserpegel in Unterfranken sinken weiter. Hatten vor drei Wochen 30 Prozent aller Messstellen in Unterfranken sehr niedrige Wasserstände, so wurden in der vergangenen Woche bereits bei 40 Prozent aller Messstellen Stände im sehr niedrigen Bereich registriert.

Nach Angaben der Regierung von Unterfranken sind aktuell, Mitte August, insgesamt 63 Prozent aller Grundwassermessstellen in den Regionen Würzburg und Bayerischer Untermain sowie 48 Prozent aller Messstellen der oberen Grundwasserstockwerke in der Region Main-Rhön im niedrigen oder sehr niedrigen Bereich.

Am 9. August wurde an einer Grundwasser-Messstelle in Volkach (Landkreis Kitzingen) ein neuer Niedrigstwert erreicht: Noch nie war an dieser Messstelle der Pegel auf solch niedrigem Niveau. Bleibt es jetzt so trocken, erwarten die Wasser-Fachleute bis Ende August weitere historische Niedrigstwerte in den Landkreisen Aschaffenburg, Miltenberg und Kitzingen.

4. Trinkwasser: Erste Engpässe bei der Versorgung gibt es in Bad Königshofen und Nüdlingen.

Erste Engpässe bei der öffentlichen Trinkwasserversorgung gibt es in Bad Königshofen (Landkreis Rhön-Grabfeld). Dort haben die Wasserzweckverbände Mitte und Nord Anordnungen zum Wassersparen erlassen. Den Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt Bad Königshofen und der umliegenden Gemeinden ist es verboten, private Schwimmbecken oder Zisternen mit Wasser aus der Leitung zu befüllen. Verboten ist auch, Spiel- und Sportplätze oder Rasenflächen zu bewässern.

Ähnliches wird gerade in der Gemeinde Nüdlingen diskutiert. Weil das Wasser aus den eigenen Brunnen knapp wird, ruft die Gemeinde ihre Bürgerinnen und Bürger zum Wassersparen auf. So wird in dem Zusammenhang empfohlen, zu duschen anstatt zu baden und im eigenen Garten nur noch die Nutzpflanzen zu bewässern.

5. Gewässer: Immer mehr Bäche trocknen aus, der Pegelstand des Mains sinkt.

Überall in Unterfranken sinken die Wasserstände und Pegel der Bäche, Flüsse und Seen. 87 Prozent aller Gewässer-Pegel in den Regionen Würzburg und Bayerischer Untermain weisen jetzt niedrige bis sehr niedrige Abflüsse auf. In der Region Main-Rhön sind die Gewässer-Pegel fast flächendeckend im sehr niedrigen Bereich, schreibt ein Sprecher der Regierung von Unterfranken.

An der Sinn im Landkreis Main-Spessart ist aktuell der fünftniedrigste Abfluss seit Beginn der Aufzeichnungen seit 1951 erreicht. Zählten die Wasserwirtschaftsämter Ende Juli noch zehn ausgetrocknete Bach-Abschnitte in Unterfranken, waren es in der zweiten Augustwoche bereits 36! Betroffen sind mittlerweile Gewässer in allen Städten und Landkreisen Unterfrankens.

Auch der Main leidet unter der Hitze und Trockenheit. Derzeit werden elf Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem Brombachsee und dem Rothsee ins Maingebiet herübergepumpt. Der Main besteht zu etwa einem Viertel aus bevorratetem Wasser aus Mittelfranken, das eigentlich in die Donau geflossen wäre. Und die Wassertemperatur im Main ist immer noch zu hoch: Zwischen Kahl am Main (Landkreis Aschaffenburg) und Würzburg liegt sie für viele Stunden am Tag über 25 Grad.