Die Debatte um das Bad Brückenauer Ärztehaus geht nun schon eine ganze Weile. Es soll gegenüber des Krankenhauses gebaut werden. Der Knackpunkt: Die Planer setzen den Neubau in den Georgi-Park, obwohl noch nicht einmal einen Steinwurf entfernt der alte Bahnhof liegt. Das Gebäude steht leer. Das gesamte Areal soll in den nächsten Jahren ein völlig neues Erscheinungsbild bekommen. Etliche Bürger verstehen nicht, warum der Neubau unbedingt in den Park muss. Sie hätten es sich sehr gut auf dem Bahnhofsgelände vorstellen können.

Zuletzt war sogar von politischem Druck die Rede, der auf die Stadträte ausgeübt worden sein soll, damit sie dieser Lösung zustimmen. Diesen Druck hat es gegeben. Doch die Aufregung darüber ist nur zum Teil begründet. Es liegt in der Natur der Sache, dass Kommunalpolitiker abwägen müssen und in ihren Entscheidungen verschiedenen Zwängen unterworfen sind. Im Fall des Ärztehauses wollte der Investor an dieser Stelle bauen - und an keiner anderen.

Druck liegt in der Natur der Sache

Ab dem Zeitpunkt, an dem das Ärztehaus mit der Zukunft des Bad Brückenauer Krankenhauses verknüpft wurde, hing mehr als das Schicksal einiger Bäume an der Entscheidung. Ein Hauptargument für den Neubau lautete nämlich, dass das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) der Klinik mehr Platz brauchen und als Mieter in das neue Ärztehaus einziehen würde. Welcher Stadtrat hätte da guten Gewissens die Zustimmung verweigern können - um vielleicht wenige Jahre später für die Schließung des Krankenhauses (mit) in die Verantwortung gezogen zu werden?

Inzwischen ist klar, dass das MVZ nicht im Ärztehaus zu finden sein wird. Das kann eine miese Masche sein, mit der der Investor seinen Willen durchsetzen wollte. Wahrscheinlicher ist aber, dass sich mit dem Eigentümerwechsel Prioritäten verschoben haben. Das - vielleicht - Prestigeprojekt einer inzwischen beruflich andernorts aktiven Verwaltungsdirektorin ist schlicht unter den Tisch gefallen. Das ist eine unschöne Entwicklung. Ein Skandal aber ist es nicht.

Schade ist, dass der Stadtrat und die damalige Bürgermeisterin nicht genug Argumente in der Hand hatten, den Investor von einem anderen Standort zu überzeugen. In der Tat entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ein Ort der Erholung einer Immobilie geopfert wird - während über die Straße viel Platz zur Verfügung steht, der bereits bebaut ist.

Fußgängerzone braucht ein eigenes Konzept

Ein anderer Aspekt fällt dabei fast völlig unter den Tisch: Es gibt gute Gründe dafür, dass ein Ärztehaus entsteht. Offensichtlich gibt es Bedarf, denn ein Großteil der Räume ist schon vermietet. Ohne Frage wird der Neubau die Innenstadt schwächen. Ein Sanitätshaus siedelt sich dort an, was für das bestehende in der Altstadt eine Konkurrenz darstellt. Mehrere örtliche Praxen ziehen ins neue Ärztehaus um - das hinterlässt an anderer Stelle womöglich langfristigen Leerstand.

Auch ein Café oder Bäcker ist als Mieter im Gespräch. Je nach Konzept dürfte auch dies das Sterben der Fußgängerzone befeuern. Der Zustand vieler Immobilien in der Innenstadt ist Teil des Problems, nicht Teil der Lösung. Die Fußgängerzone braucht ein eigenes Konzept. Sie lässt sich nicht retten, in dem man an anderer Stelle Neues verhindert.