Längst ist der Bau eines Ärztehauses im Georgi-Kurpark beschlossene Sache. Im Frühjahr schon soll der Spatenstich erfolgen. Doch der Entscheidungsprozesses wirkt noch nach. Nicht zuletzt hat das Scheitern eines Bürgerbegehrens - nicht gegen den Neubau an sich, sondern gegen den Standort im Park - das Thema wieder auf den Tisch gebracht. Vor zwei Wochen sprachen zwei Stadträte in diesem Zusammenhang von Druck des Investors, beziehungsweise politischem Druck.

Die meisten Mieter stehen mittlerweile fest. Im Oktober machte sie der Investor, die IWG Ideenwelt Gesundheitsmarkt GmbH aus Gießen, öffentlich: Sanitätshaus Spiegel aus Fulda, aus Bad Brückenau Brillen-Voigt, der Orthopäde Dr. Christian Knopp, die Hausärzte Dr. Rainer Nelkenstock, Dr. Joachim Hagitte und Gerlinde Abert sowie die Augenärzte Dr. Melanie Jäger und Dr. Ralf Ungerechts, die aktuell im Alten Schlachthofweg ihre Praxis haben. Auch die Zahnärztin Dr. Rena Müller, ebenfalls aus der Kurstadt, wird dorthin ziehen.

Ursprünglich sollte das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) der Prümmer-Klinik ebenfalls ins neue Ärztehaus ausweichen. Im MVZ werden Patienten ambulant behandelt. Doch die jetzigen Räumlichkeiten reichten nicht mehr aus, schilderte die damalige Verwaltungsdirektorin Sabine Hein dem Stadtrat im Februar 2019. Vehement setzte sie sich dafür ein, dass der Neubau kommt - und dass er auch an dieser Stelle kommt.

MVZ nicht im Ärztehaus

Hein ist nicht mehr in der Prümmer-Klinik beschäftigt. Im Mai wechselte sie zur Vinzenzgruppe in Fulda. Im Herbst wurde das Bad Brückenauer Krankenhaus, das zuvor zum internationalen Konzern Ramsay Santé gehört hatte, verkauft. Inzwischen ist klar, "dass die Klinik zum aktuellen Zeitpunkt keine Räumlichkeiten im geplanten Ärztehaus anmieten wird." Das teilt die kommissarische Verwaltungsdirektorin Ines Seitz im Auftrag des neuen Geschäftsführers Sigurd Gawinski auf Nachfrage der Redaktion mit.

"Da wir allerdings aufgrund der sich stetig ändernden Rahmenbedingung im Gesundheitswesen unsere strategische Planung fortwährend überdenken, werden wir in den nächsten Monaten weiterhin die Möglichkeit einer Anmietung von Räumlichkeiten im neuen Ärztehaus in unsere Entscheidungsfindung mit einbeziehen", heißt es weiter. Mit dem Rückzug des MVZs scheint ein zentrales Argument für den Standort in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus nun also hinfällig zu sein.

"Das muss man jetzt so annehmen", kommentiert Stadtrat Prof. Emanuel Fritschka (PWG) diese Entwicklung. Er ist Arzt und hat den Standort schon immer kritisch gesehen. "Nach wie vor gibt es viele Leute, die denken, dass das Ärztezentrum auf dem Bahnhofsgelände besser wäre", sagt er. Das Areal liegt direkt gegenüber der Klinik; man muss nur einmal über die Straße gehen. "Es wurde damals so argumentiert, dass der Investor nur auf diesem Platz im Kurpark bauen und sonst sein Interesse zurückziehen würde", spricht Fritschka erneut davon, dass bei der Entscheidung ein gewisser Druck aufgebaut worden sei.

Bürgermeisterin widerspricht

"Die Bürgermeisterin wollte das ja. Insofern gab es politischen Druck", bekräftigt Stadträtin Adelheid Zimmermann (FDP) ihre Aussage auf Nachfrage der Redaktion. Sie ist mit dem Bad Brückenauer Hausarzt Dr. Helge Zimmermann verheiratet, der eine Praxis in der Altstadt betreibt. Die Nachricht, dass das MVZ nicht mehr zu den Mietern des Ärztehauses zähle, mache sie nachdenklich. "Ich war nie dafür, weil ich auch die Gefährdung der Innenstadt sehe."

"Natürlich wurde kein politischer Druck ausgeübt", widerspricht Brigitte Meyerdierks (CSU). Im April schied sie aus dem Amt aus und hatte zuvor den Weg für das neue Ärztehaus bereitet. Es habe niemand vorhersehen können, dass sich das Krankenhaus nun in eine andere Richtung entwickelt. Das Ärztehaus sei aus ihrer Sicht nach wie vor "unendlich wichtig" für Bad Brückenau und die Umgebung. "Es ist Aufgabe der Politik und des Stadtrats gewesen abzuwägen: Die Bäume oder die ärztliche Versorgung der ganzen Region", sagt sie rückblickend.

Dieter Seban (CSU), damals wie heute 3. Bürgermeister, spricht sich ebenfalls deutlich für das Ärztehaus aus. Auch wenn das MVZ nun nicht mehr zu den Mietern zähle, gebe es auf anderen Gebieten Symbiosen mit dem Krankenhaus. Als Beispiel nennt er, dass Ärzte, die in der Klinik arbeiten, im benachbarten Ärztehaus Möglichkeiten einer eigenen Praxis geboten bekommen. "Es geht ja um die Sicherheit unseres Krankenhauses über 30 bis 50 Jahre", sagt er.

Investor meldet sich zu Wort

"Der Investor hat Entscheidungen gefordert, und das ist sein gutes Recht", sieht Seban ebenfalls keinen Druck, der im Stadtrat aufgebaut worden sei. "Ich hatte - wenn man so will - öffentlichen Druck aus der Bevölkerung." Bürger hätten bei ihm angerufen und sich für das Ärztezentrum ausgesprochen - trotz der zu fällenden Bäume. "Das sieht man ja auch am Ergebnis der Bürgerbefragung." Die Initiatoren hatten die Zahl der nötigen Unterschriften um mehr als 170 verfehlt.

"Im Frühjahr 2020 begann sich abzuzeichnen, dass das Klinik-MVZ voraussichtlich nicht ins Medzentrum einziehen wird", teilt Andrea Ulrich, Pressereferentin des Investors, mit. Der Standort sei aber nie abhängig von der Frage gewesen, ob das MVZ zu den Mietern gehört oder nicht. "Entscheidend ist die Nähe zur Klinik, die optimale Grundstücksgröße und die gute Parkplatzsituation.

Alternative Standorte wurden geprüft und in Abstimmung mit der Stadt verworfen."

Am Dienstag steht der Bauantrag für das Ärztehaus erneut auf der Tagesordnung des Stadtrats. Grundsätzliche Änderungen sind nicht zu erwarten. Die Stadt und der Investor haben bereits einen Erbpacht-Vertrag über 99 Jahre geschlossen. Die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr in der Georgi-Halle.