Hammelburg: Verkehrsregelung mit Konfliktpotenzial

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Die Rote-Kreuz-Straße leidet mit anderen Wohnstraßen unter der Verlehrsbelastung. Archiv/Arkadius Guzy
Die Rote-Kreuz-Straße leidet mit anderen Wohnstraßen unter der Verlehrsbelastung. Archiv/Arkadius Guzy
Die Gebietsverkehrswacht empfiehlt einen Ringverkehr zur Eindämmung des Durchgangsverkehrs durch Hammelburger Wohngebiete. Skizze Gebietsverkehrswacht
Die Gebietsverkehrswacht empfiehlt einen Ringverkehr zur Eindämmung des Durchgangsverkehrs durch Hammelburger Wohngebiete.  Skizze Gebietsverkehrswacht
 

Anwohner und Gebietsverkehrswacht haben unterschiedliche Lösungsansätze gegen den Durchgangsverkehr in mehreren Wohnstraßen. Vor dem Herbst steht eine Entscheidung an.

Noch steht der Beschluss des Stadtrates aus, wie die Anwohner entlang der inoffiziellen Umgehung um die Hammelburger Altstadt vom Durchgangsverkehr befreit werden sollen. Zur Vorbereitung der Entscheidung erhielten Betroffene vom Stadtrat die Gelegenheit, ihre Lösungsansätze zu präsentieren. Anschließend zeigte die Gebietsverkehrswacht ihren Entwurf.

Eine Diskussion war noch nicht vorgesehen. Die soll aber bald folgen, kündigte Bürgermeister Armin Warmuth an. Möglichst im Herbst soll ein neues Konzept schon greifen. Weil ab dann die Bahnhofstraße für Umbauarbeiten gesperrt ist, wird mit zusätzlichem Verkehr in den Nebenstraßen gerechnet. Hauptleidtragend ist die Rote-Kreuz-Straße mit rund 3750 Autos am Tag.

"Uns verbindet eines", sagte Josef Ruppert im Namen vieler Anwohner von Weber - Pfaff-, Kobel-, Rote-Kreuz-, Bonifatius-und Oberfelder Straße: "Wir liegen auf der heimlichen Nordumfahrung von Hammelburg". Inzwischen hätten sich über 100 Betroffene zu einer Initiative organisiert, die eine rasche Lösung wollen. "Wir haben festgestellt, dass es 'Die Lösung' nicht gibt", räumte Ruppert ein. Aber vieles spreche dafür, das Konzept von Verkehrsgutachter Christoph Link umzusetzen. Es sieht die vollständige Sperrung der Rote-Kreuz-Straße nahe der Bahnunterführung vor, um allen Durchgangsverkehr aus den genannten Bereich auf die Umgehungsstraße zu zwingen. Lange seien Belastungen in Zubringerstraßen zu kurz gekommen, pflichtete Arno Geisel aus der Pfaffstraße bei. Dort seien in einer Aprilwoche 2019 mit einem vorübergehend installierten Messgerät der Gebietsverkehrswacht 13 000 durchfahrende Autos gezählt worden. Davon seien 83 Prozent zu schnell gewesen.

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Damit von der Sperrung betroffene Autofahrer nicht über die Kissinger Straße und den Marktplatz ausweichen, hatte Verkehrsgutachter Link vorgeschlagen, gleichzeitig die Einfahrt in die Kissinger Straße vom Amtsgerichtskreisel aus ebenfalls zu sperren. "Die Anwohner dort sollen selbst entscheiden, ob sie das wollen", sagte Josef Ruppert.

Gegen die komplette Sperrung der Rote-Kreuz-Straße argumentierte Karlheinz Franz für die Gebietsverkehrswacht. Sie hatte die Stadt nach dem 50 000 Euro teuren Link-Gutachten ebenfalls zu Rate gezogen. Auch Franz findet die Verkehrssituation in der schmalen Rote-Kreuz-Straße mit gegenläufigem Verkehr gefährlich. "Wir halten es aber nicht für praktikabel, ein ganzes Wohngebiet vom übrigen Stadtgebiet abzugrenzen und für innerstädtische Besorgungen auf die Südumgehung zu zwingen", wandte Franz ein. Dass der Weg von dort zum Medizinischen Versorgungszentrum von 1000 auf 4000 Meter zunehme, sei nicht vermittelbar.

Deswegen schlägt die Gebietsverkehrswacht die mindenstens sechsmonatige Erprobung eines Ringverkehrs mit Einbahnstraßen in der Rote-Kreuz- und Bonifatiusstraße vor. Die Rote Kreuz-Straße ist demnach als echte Einbahnstraße vorgesehen, auf der nur in Richtung Amtsgerichtskreisel gefahren werden darf. Zusätzlich soll dort ein Radfahrstreifen für beide Fahrtrichtungen angelegt werden. Dazu sollten Pflanzinseln entfernt werden. In der Bonifatiusstraße würde die Einfahrt von der Bahnbrücke aus verboten. Innerhalb der Straße dürfte aber in beide Richtungen gefahren werden. Um das Durchfahren der heimlichen Umgehung unattraktiv zu machen, soll die Höchstgeschwindigkeit auch in Weber-,Pfaff- und Kobelstraße auf 20 Stundenkilometer beschränkt werden. Vorgesehen ist eine konsequente Überwachung.

Befürwortet werde dieser Vorschlag von der Feuerwehr, den Rettungsdiensten und Landwirten. Möglicherweise trage diese angedachte Lösung zu mehr Verkehr in der Oberfelder Straße und Johannes-Martin-Siedlung bei. Dort müssten dann eventuell begleitende Maßnahmen getroffen werden. Verbessert werden muss laut Franz auch die Wegweisung in die Gewerbegebiete von Untererthal aus.

Viele Anwohner stehen der Einbahnregelung skeptisch gegenüber. Sie verweisen darauf, dass ein Testbetrieb damit vor gut 20 Jahren schon einmal gescheitert war.Wolfgang Dünnebier