Matthias Ficker hat offenbar bei seinen Kollegen einen Nerv getroffen. Seine Mail an die Staatsbad GmbH, in der er sich unzufrieden mit der jüngsten Ankündigung zeigte, in welchen Schritten die Kurverwaltung ihre Einrichtungen öffnen will, hat unter Kurhaltern und Vermietern von Ferienwohnungen in Bad Kissingen einige erreicht. Es heißt, viele teilten seine Kritik, dass die angekündigten Öffnungen "enttäuschend bis peinlich" seien. Und dass man dafür schon gar nicht Kurtaxe verlangen könne.

Als Vermieter von Ferienwohnungen und Appartements am Kurgarten ist Ficker wie die anderen Bad Kissinger Kurhalter und Vermieter vor ein paar Tagen von der Staatsbad GmbH informiert worden, dass ab 1. Juni die bis 31. Mai ausgesetzte Kurtaxe wieder anfällt. Zur Begründung verweist die für das Kurtaxwesen zuständige Stelle der Staatsbad GmbH unter anderem auf die staatlicherseits gelockerten Ausgangsbeschränkungen.

Tägliche Kurkonzert

Angeführt wird in der Mail darüber hinaus die Möglichkeit von Beherbergungsbetrieben, für touristische Reisende wieder zu öffnen. Auch der Hinweis auf die schrittweise Öffnung der Staatsbadeinrichtungen fehlt nicht.

Die seien aber nicht ausreichend, findet Matthias Ficker. Er werde sie, zumindest in dieser Form, nicht an seine Gäste weiterreichen. Vor allem stört den Vermieter, dass "zu einer der wichtigsten Einrichtungen, dem Kurkonzert", in der Nachricht nichts zu finden war. Dabei sei der Informationsbedarf da besonderes groß, schreibt er.

Kritik der Gastgeber

"Das täglich stattfindende Kurkonzert" sei nach seiner Erfahrung ein Publikumsmagnet. Oftmals wirke es als "wesentliches Entscheidungskriterium, Bad Kissingen zu besuchen". Mit den geöffneten Toiletten könne man jedenfalls "nicht wirklich argumentieren".

Dabei böten die große Wandelhalle innen und die "zusätzliche Möglichkeit, bei schönem Wetter das Kurkonzert im Freien stattfinden zu lassen", doch alle Voraussetzungen, "die erforderlichen Mindestabstände" zu realisieren, schreibt er.

"Als völlig unverhältnismäßig, nicht angebracht, weder vertretbar noch vermittelbar" empfinde er aber, dass die Staatsbad GmbH angesichts des "spärlichen" Angebots für die Gäste auch noch Kurtaxe erhebe. Deshalb laute seine Bitte: Das Angebot an die Gäste "so schnell wie möglich wieder anzupassen und zumindest bis dahin auf die Erhebung der Kurtaxe zu verzichten". Angesichts der besonderen Situation, habe die Staatsbad GmbH, beziehungsweise der Freistaat bestimmt "die Möglichkeit und Berechtigung, diese notwendige Maßnahme kurzfristig zu realisieren".

Die Staatsbad GmbH erklärte dazu am Mittwoch auf Anfrage, die Kurtax-Ordnung sei "grundsätzlich zu vollziehen". Die Kurtaxe sei lediglich "in Verbindung mit den Ausgangsbeschränkungen für die Monate April und Mai vollständig ausgesetzt" worden.

Darüber hinaus beschreibt die Staatsbad GmbH Bad Kissingen in ihrer Antwort noch einmal, welche Schritte zu der schrittweisen Wiedereröffnung gehörten. Seit 25. Mai seien verschiedene Bereiche des Luitpoldbads wieder zugänglich. Ab Samstag, 30. Mai, öffneten außerdem schrittweise die Tourist-Information im Arkadenbau, der Heilwasserausschank, der Gradierbau sowie die Kneippbecken. Dafür habe die Staatsbad GmbH ein Präventions-, Schutz- und Hygienekonzept erarbeitet.

Kurkonzerte ab Mitte Juni?

Was die Konzerte der Staatsbad Philharmonie angeht, bezieht sich die Staatsbad GmbH auf die Staatsregierung, die beschlossen habe, dass Veranstaltungen ab 15. Juni wieder "unter bestimmten Voraussetzungen stattfinden" dürften. "Die Wiederaufnahme des kulturellen Veranstaltungsbetriebes", teilt die Staatsbad GmbH mit, "erfolgt unter Berücksichtigung der Richtlinien der zuständigen Ministerien".

"Dementsprechend", heißt es in der Antwort weiter, "wollen wir auch sobald und soweit dies möglich ist, die Konzerte der Staatsbad Philharmonie" nach dem gewohnten Spielplan "von Mittwoch bis Sonntag wieder aufnehmen". Grundsätzlich stünden allerdings "alle Öffnungsmaßnahmen unter dem Vorbehalt der Entwicklungen des Infektionsgeschehens". Siegfried Farkas