Arno Wielgoss ist jetzt ein Bad Kissinger. Der gebürtige Nüdlinger Tropen-Agrar-Ökologe und Mitbegründer der Firma Perú Puro (Sitz Frankfurt) zog vor Weihnachten mit seiner Familie von Würzburg in die Kurstadt um. "Es war sehr stressig", sagt er und meint damit auch, dass er in jüngster Zeit mehrfach in Fernsehsendungen eingeladen worden war und sein faires Kakao-Geschäft in der Folge boomte.

Seit 2017 exportiert Wielgoss nämlich, zusammen mit seiner Kollegin Frauke Fischer (Würzburg), Edel-Kakao aus dem peruanischen Urubamba-Tal nach Deutschland. In der Schweiz wird daraus Schokolade gemacht. So verschaffen die beiden den Kakao-Bauern in Cusco die Möglichkeit, die Landwirtschaft in einer Kooperative unter ökologischen Gesichtspunkten zu betreiben und für ihre Fairtrade-Produkte sehr gute Preise zu erzielen.

Das von Wielgoss und Fischer gegründete Start-up-Unternehmen Perú Puro räumte inzwischen mit seinen Chuncho-Gold-Schokoladen bei den International Chocolate Awards sogar drei Medaillen ab (zweimal Silber und einmal Bronze).

Zündende Idee im Lockdown

Aber als die Corona-Krise kam, war auch für Wielgoss guter Rat teuer. Denn die Weltläden, die Chuncho Gold in ihr Angebot aufgenommen hatten, blieben zu. "Keiner hat mehr nachbestellt", sagt Wielgoss im Gespräch mit dieser Redaktion. "Wir mussten uns was einfallen lassen, weil die Schokolade am 15. Juni 2020 ablief."

Dann kam ihm und seiner Kollegin Fischer die Idee, online eine große Kampagne ins Leben zu rufen. Der Erfolg war sensationell: "Alles war nach Ostern schnell ausverkauft."

Auch im jetzigen Lockdown sind die Weltläden wieder zu. Dass zu Weihnachten 2020 das Schokoladen-Geschäft dennoch blühte, hängt damit zusammen, dass Wielgoss dreimal im Fernsehen war.

"Aber wir haben uns bei den Sendern nicht ins Gespräch gebracht, die kamen selbst auf uns zu", ist es Wielgoss wichtig zu sagen. Am 9. Dezember 2020 saß der Kakao-Experte zum Beispiel in "Wir in Bayern" (Bayerischer Rundfunk) bei Dominik Pöll auf der Studio-Couch und machte dem Moderator und den Zuschauern klar, was genau "direkter" Fairtrade-Handel bedeutet.

Nämlich nichts anderes, als dass man die gut 150 Kakaobauern seiner Kooperative im peruanischen Cusco direkt vor Ort unterstützt - und zwar nicht nur mit Geld, sondern vor allem mit Know-how. "Zudem bezahlen wir die Landwirte in Peru nicht erst, wenn der Kakao in Deutschland verkauft ist, sondern sofort vor Ort, bevor der Kakao auf die Reise geht."

Schon drei Tage später, am 12. Dezember 2020, war der "Schokoladenmacher" Wielgoss in der Sendung "Gut zu wissen" (Bayerischer Rundfunk) präsent. Im Film zu sehen ist der "Schoko-Nerd" (Zitat) in seinem Lager in Würzburg. Dorthin werden die Kakaobohnen nämlich säckeweise gebracht, nachdem sie die Schiffsreise von Peru nach Hamburg heil überstanden haben.

Erklärt wird in dieser Sendung auch, wie die Chuncho-Kakaobohnen (übrigens die älteste Kakao-Sorte der Welt) in Peru angebaut werden, nämlich zusammen mit anderen Pflanzen, um die Artenvielfalt zu erhalten.

Manch einer traute seinem Auge kaum, als er Wielgoss dann ein paar Wochen später, am 18. Januar 2021, in der Rate-Show "Sag die Wahrheit" (Südwestrundfunk) sitzen sah, zusammen mit zwei anderen angeblich fairen Kakao-Importeuren.

Dazu muss man wissen, dass in der Sendung ein Prominenten-Team erraten muss, wer von den drei Personen, die gegenübersitzen und, wie in diesem Fall, behaupten, mit peruanischem Kakao zu handeln, denn nun wirklich diesen Beruf hat. Oder andersherum: Zwei lügen, dass sich die Balken biegen, und einer ist der echte Kakao-Spezialist. Konstantin Zalla, Ursula Cantieri, Pierre M. Krause und Kim Fischer fühlten Hermann Donnik (Koch), Jens Hübner (Designer) und Arno Wielgoss auf den Zahn.

Und nach der Arbeit kam für die Promis dann auch das Vergnügen: Sie durften Wielgoss' Schokoladen testen. Besonders Kim Fischer machte verzückte Augen. Möglicherweise hatte bei ihr das, laut Wielgoss, im peruanischen Kakao enthaltene Theopromin, der "Botenstoff des Glücks", besonders angeschlagen.

Homepage brach zunächst zusammen

"Nach den Sendungen im Dezember haben wir das Weihnachtsgeschäft unseres Lebens gemacht", freut sich Wielgoss. "Nach der ersten Sendung ist unsere Homepage erst mal komplett zusammengebrochen, weil sich so viele Menschen dort informieren wollten", erinnert er sich und lacht. Und dann stand am 19. Dezember auch noch der Umzug nach Bad Kissingen an.

"Puh! Da haben wir geschuftet." Die ganze Familie habe - im Corona-Abstand - beim Verpacken von Hunderten von Schokoladen-Paketen mitgeholfen. "Wir hoffen natürlich, dass all diese Interessenten jetzt Stammkunden bei uns werden." Die Schokoladen kommen übrigens seit kurzem in edlem Design daher. Sie sind in ein wertvolles Büttenpapier-Etui verpackt, das von einer Firma aus Gmund/Tegernsee stammt. Die Firma Gmund Papier stehe nämlich für hervorragende Qualität, erzählt Wielgoss und weiß, dass sogar die für die US-amerikanische Oscar-Verleihung vorbereiteten festlichen Briefe, aus denen die Moderatoren dann die Sieger verkünden, aus Gmund stammen.

Die Verpackungen sind nun auch bunter. Denn Wielgoss lernte im peruanischen Cusco den Künstler Willian Mamani Loayzaeinen kennen, der Tiere aus dem Regenwald illustriert. "Wir haben uns den Jaguar, den Ara und den Schmetterling als schmucke Motive für unsere drei Schokoladensorten ausgesucht."

Ach ja, statt bislang zwei Chuncho-Gold-Sorten hat Wielgoss nun drei im Angebot: Neben der 70-prozentigen dunklen und der Milchschokolade mit 52-prozentigem Kakao-Gehalt gibt es jetzt auch eine weitere dunkle Chuncho Gold mit 85 Prozent Kakao und noch weniger Zucker im Angebot.

Isolde Krapf