Der Verlauf des SuedLink-Korridors in Unterfranken steht fest. Die Bundesnetzagentur hat an diesem Freitag über den sogenannten Abschnitt D der Stromtrasse entschieden, der von Thüringen kommend in zwei Zweigen nach Arnstein und Bergrheinfeld führt. Demnach folge der Korridor "weitestgehend" dem Vorschlag der Netzbetreiber Tennet und TransnetBW, schreibt die Behörde in einer Mitteilung. Gegen diesen Korridor hatte es in der Region immer wieder Proteste gegeben. Spät eingereichte Alternativen zum Vorschlagskorridor sorgten für Verzögerungen. Nun hat sich die Bundesnetzagentur festgelegt.

Der Korridor für Abschnitt D der umstrittenen Stromtrasse beginnt bei Gerstungen in Thüringen und verläuft dann Richtung Süden, bis er nördlich von Mellrichstadt Bayern erreicht. In Unterfranken folgt der SuedLink zunächst der Autobahn 71 bis nördlich von Poppenhausen. Dort teilt sich die Trasse in zwei Zweige.

Abweichung bei Oerlenbach

Der westliche Zweig wird nach Angaben der Bundesnetzagentur südlich von Oerlenbach zunächst nicht dem Vorschlagskorridor der Netzbetreiber folgen, sondern über einen alternativ eingebrachten Weg nach Westen führen. Erst dann schwenkt SuedLink auf den Korridor der Netzbetreiber ein und folgt diesem in südwestlicher Richtung bis nach Arnstein. Diese Verlegung bei Oerlenbach ist laut Bundesnetzagentur nicht die einzige in der Region: Auch bei Schwemmelsbach und Büchold hätten Vorschläge aus der Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung "zwei kleinräumige Verschwenkungen" der Trasse bewirkt. Im östlichen Zweig folgt hingegen der Korridor bis nach Bergrheinfeld dem Vorschlag der Netzbetreiber.

Mit der Entscheidung über den Korridor ist die Bundesfachplanung für den Abschnitt D des SuedLink abgeschlossen. Wo genau später die Kabel in dem 1000 Meter breiten Streifen in der Erde verlegt werden, wird im folgenden Planfeststellungsverfahren bestimmt. Die Bundesnetzagentur rechnet damit, dass die Anträge "in Kürze" eingereicht werden. Ende 2026 soll SuedLink in Betrieb gehen. Bereits im Sommer wurden, parallel zu den Genehmigungsverfahren, Aufträge für die Erdkabel vergeben. Und auch den Korridor im nördlichsten und südlichsten Abschnitt der Trasse hat die Bundesnetzagentur mittlerweile bestimmt. Beide Male entspricht er weitgehend dem Vorschlag der Netzbetreiber.

700 Kilometer lang

Insgesamt soll SuedLink Strom über gut 700 Kilometer von der Nordsee in den Süden Deutschlands leiten. Für den Verlauf der Trasse hatten Tennet und TransnetBW im Februar 2019 ihren Korridor vorgeschlagen und bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Von Schleswig-Holstein zieht sich dieser westlich an Hannover vorbei über Nordhessen und Südthüringen nach Baden-Württemberg und eben Unterfranken.

In der Region gab und gibt es massive Proteste gegen das Milliardenprojekt. Zahlreiche Bürgerinitiativen kritisieren unter anderem, die Trasse diene nicht der Energiewende, sondern nütze allein dem europäischen Stromhandel. Vor allem im Landkreis Schweinfurt wehren sich Bürger wie Politiker zudem gegen die aus ihrer Sicht ungerechte Ballung von Stromleitungen. sp