Die übliche Beschaulichkeit auf dem Hammelburger Marktplatz wurde am Donnerstag gut eine halbe Stunde unterbrochen. Spontan rückte für Stadtbummler und Straßencafé-Gäste das Thema Weltfrieden in den Fokus.

Von der Weihertorstraße her radelten knapp 25 Aktivisten der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) auf den Platz. Vier Tagesetappen hatten sie bei ihrer rollenden Demonstration unter dem Motto "Für ein Friedliches Franken" bereits in den Beinen.

Die Route führte von Hersbruck über Nürnberg, Fürth, Erlangen, Forchheim. Bamberg und Schweinfurt bis ins Saaletal. Unübersehbar kündeten an den Fahrrädern Regenbogen-Fahnen mit "Peace"-Aufdrucken und Slogans wie "Bundeswehr abschaffen" von der Absicht der Tour: Werben für eine Welt ohne Waffen. Auch vor der Kaserne hatte die bunte Truppe zuvor eine Kundgebung abgehalten.

Am liebsten sofort will die Deutsche Friedensgesellschaft im eigenen Land mit der Entwaffnung beginnen. Ihr spezielles Markenzeichen führt das plastisch vor Augen: Zwei Arme, die ein Gewehr zerbrechen. Als Monument zum Aufblasen hatte die Radler-Truppe dieses Leitmotiv in einem Begleitfahrzeug dabei.

Routiniert wickelten die Aktivistinnen und Aktivisten den Aufbau ab. Kurz warfen sie ein Notstromaggregat an, das den Strom für die Luftpumpe erzeugt, und schon reckten sich die beiden Arme symbolisch in den Himmel.

Alles andere als Routine war für die Demonstranten dagegen das, was die Garnisonsstadt daraufhin zu bieten hatte: Einen Brigadegeneral, der die Gäste zusammen mit Zweiter Bürgermeisterin Elisabeth Assmann begrüßte. Ganz aus der Nähe, völlig ohne militärische Begleitung. Am Rande verfolgte ein kleines Polizeiaufgebot das Geschehen.

Eine dreiviertel Stunde Verspätung

Schnell kam man überein, dass die Positionen himmelweit auseinander lägen. Aber es wichtig sei, miteinander zu reden. Und auch eine kleine Stichelei gleich zu Anfang konnte die freundliche Grundstimmung nicht trüben. Man sei wegen technischen Problemen eine dreiviertel Stunde zu spät auf dem Marktplatz eingetroffen, bedauerte Bernhard Kusche (Munningen). Ähnlich wie 2009, als ein Bundeswehr-Oberst in Afghanistan Zivilisten an einem Treibstoff-Laster bombardieren ließ, so der Demonstrant. Dort habe die Bundeswehr gerade einen Krieg verloren, fuhr Kusche fort. Deren Unterstützung von Hilfsorganisationen für den Bau von Brunnen und Schulen sei von Anfang an ein Märchen gewesen. Gleichzeitig räumte Kusche ein, dass es unter den Radlern unterschiedliche Positionen zum Afghanistan-Einsatz gebe.

In ihren Begrüßungsworten schlug Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Assmann versöhnliche Worte an. "Wir alle wollen Frieden, sehen aber einen unterschiedlichen Weg dahin". Ausdrücklich lobte sie die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Stadt und Bundeswehr sowie die wirtschaftliche Bedeutung der Truppe für die Region.

Über 70 Jahre Frieden

Außerdem müsse man für über 70 Jahre Frieden in Europa dankbar sein. Als Ausdruck des Friedenswunsches sei die Stadt 2006 einem Zusammenschluss von Städten gegen Atomwaffen beigetreten. Außerdem setze sich die Stadt für fairen Handel ein. Dies sei ein Beitrag gegen Kriege um Wasser und Rohstoffe sowie gegen Fluchtursachen.

"Die Bundeswehr muss zurückstecken", forderte dagegen Willi Rester (Maxhütte). Das Geld für die Erhöhung des Verteidigungshaushaltes werde woanders gebraucht. Rüstungsexporte müssten aufhören, dortige Arbeitsplätze umgewandelt und einzelne Truppenübungsplätze in Bayern könnten mit einer Unterschrift in Nationalparks verändert werden.

Für den Frieden in Europa sei die Bundeswehr unverzichtbar, machte Brigadegeneral Michael Matz geltend. Dabei ging er auf die aktuellen Ängste im Baltikum vor einer russischen Intervention ein. Putin verhalte sich nur so, weil er sich von der Nato eingekreist fühlte, hielten die Friedensaktivisten dagegen. Zum Afghanistan-Einsatz verwies Matz auf das Primat der Politik, dem die Bundeswehr folge. Er berichtete über Erfolge der Bundeswehr auch bei seiner über einjährigen Arbeitszeit in Afghanistan zum Schutz ziviler Hilfsorganisationen. Als Staatsbürger sei er der privaten Meinung, dass der Abzug nun zu schnell erfolgt sei.

Mädchenschulen etabliert

So sei es unter militärischem Schutz gelungen, im Norden von Afghanistan Mädchenschulen zu etablieren. Sie seien noch in Betrieb. Nicht sehr optimistisch sei er, was die Zukunft des Landes angehe. Es sei wohl auch eine Fehleinschätzung von Politikern gewesen, am Hindukusch eine Demokratie nach westlichem Vorbild zu etablieren.

Gleichzeitig interessierten sich die Friedensaktivisten dafür, ob Hammelburg ein Szenario dafür hätte, falls die Bundeswehr sich hier zurück ziehe. Nein, sagte die Zweite Bürgermeisterin Assmann. Denkbare Folgen habe man vor zehn Jahren bitter zu spüren bekommen, als dort im Rahmen der Umstrukturierungen knapp die Hälfte der Dienstposten abgebaut worden sei. Auch zum Abschied versuchte die Bürgermeisterin einen Brückenschlag. Am wichtigsten sei der Einsatz für den Frieden im Kleinen, nämlich in der Nachbarschaft. Dazu habe letztlich auch dieses Treffen auf dem Marktplatz beigetragen. "Ich habe noch nie mit einem General gesprochen", räumte Bernhard Kusche anerkennend ein.

Brigadegeneral Matz zeigte sich aufgeschlossen dafür, auf einer Veranstaltung der DFG weiter zu diskutieren. Schließlich lebe unsere Gesellschaft von Menschen, die sich engagieren, sagte er. Auch, wenn man bei den Meinungen wohl nie zusammenkommen werde.

Brenzlige Situationen auf der Strecke

Die Radler fuhren zur Übernachtung nach Karlstadt, um am Freitag zum Abschluss der Tour zum Hiroshima-Gedenktag in Würzburg eine weitere Kundgebung zu starten. In einer am Freitag versendeten Stellungnahme beschwert sich Willi Rester über die Verkehrsmoral von Autofahrern. Obwohl die Demonstranten nur in Fünfer-Gruppen gefahren seien, hätten etliche versucht, die ganze Kolonne trotz unübersichtlicher Kurven zu überholen.

83 überholende Autos hat der Friedensradler nach eigenen Worten gezählt, von denen 26 zu gefährlichen Verkehrssituationen führten, von Beinahe-Zusammenstößen mit dem Gegenverkehr bis zu Vollbremsungen von Radfahrern.

"Es kann doch nicht sein, dass Radfahrer für Autofahrer mitdenken müssen, um Kollisionen zu vermeiden", findet Rester. Wolfgang Dünnebier