Mit viel Prominenz aus Politik und Kirche wurde am 11. Oktober 2015 ein neues Kreuz an der einstigen deutsch-deutschen Grenze bei Gleismuthausen in Thüringen vorgestellt. Es erinnert an die Männerwallfahrt von Bad Königshofen nach Vierzehnheiligen, die 1990 an dieser Stelle erstmals über DDR-Gebiet auf dem alten Wallfahrtsweg nach Vierzehnheiligen führte.

Die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär und Mark Hauptmann vom CSU-Kreisverband Coburg waren
damals die Festredner, es gab eine ökumenische Andacht. Der Platz am Kreuz sollte schön gestaltet werden, schließlich sei es ein besonderer Ort.

Von alledem ist heute nur wenig zu sehen. Wer zum Kreuz will, muss sich durch Disteln und Gestrüpp kämpfen, das fast mannshoch dort wächst. Von einer Gedenkstätte kann keine Rede sein.


Tor aufgebrochen

1990 durften die Wallfahrer zum ersten Mal den historischen Wallfahrtsweg über damaliges DDR-Gebiet gehen. Kam man bei Zimmerau/Rieth ungehindert nach Thüringen, so war das Tor zwischen Poppenhausen und Gleismuthausen verschlossen. "Wir haben es mit unseren Spazierstöcken herausgeklopft, die Eisenbolzen herausgeschoben, und dann konnten wir durch den Spalt weiter", erzählen Wallfahrer von damals.

Nun steht dort, wo einst über 40 Jahre der Todeszaun die Menschen aus West und Ost trennte, ein großes Eisenkreuz. Wallfahrtsführer Engelbert Brüger nannte damals die Segnung einen besonderen Augenblick und sagte auch, dass es gar nicht so einfach war, dieses Kreuz zu errichten, weil erst zahlreiche Genehmigungen eingeholt werden mussten. Heinz Deuerling, einem Wallfahrtskollegen aus Bad Königshofen, der die Idee zu diesem Kreuz hatte und der sich für die Umsetzung engagierte, dankte er besonders. "Firmen aus Bad Königshofen und aus Thüringen sowie die Feuerwehr Wasmuthausen haben die neue Gedenkanlage errichtet, die", so die Aussagen damals, "noch entsprechend begrünt wird."

Der Rhöner Bildhauer Klaus Metz (Langenleiten) führte aus, dass das von ihm gestaltete Kreuz aus Cortenstahl gefertigt ist. "Es ist eine Adaption aus dem Hochaltar der Dreifaltigkeitsgruppe von Vierzehnheiligen und symbolisiert Christus." Das Kreuz sprengt die Mauern. Etwas, das der Rhöner Künstler symbolisch dargestellt hat, indem er das Kreuz zwischen die Mauerreste stellte.

Die muss man heute allerdings zwischen dem Gestrüpp suchen. Der auf der Sockelplatte liegende Keil, der quasi dadurch herausgebrochen wurde, symbolisiert die Kraft des Glaubens, mit dessen Hilfe vor 25 Jahren ein Tor als Hindernis überwunden wurde. Die Aussage von Pfarrer Josef Treutlein, Christus habe noch ganz andere Schranken überwunden, sei sozusagen der Schlüssel zu diesem Kunstwerk.


Zeichen für die Zukunft

Bewusst hatte Klaus Metz auf Materialen wie Eisen und Beton zurückgegriffen, weil diese damals die Grenze hermetisch abriegelten. Fundament und Sockel des Kreuzes bringen rund elf Tonnen auf die Waage, Kreuz und Mauer wiegen nochmals rund 300 Kilogramm. Der Wunsch des Künstlers: "Das Kreuz soll nicht nur rückwirkend, sondern auch für die Zukunft seine Gültigkeit behalten." Bürgermeister Christopher Other aus Hellingen sagte vor einem Jahr: "Jetzt liegt es an uns, der Gemeinde, aber auch an den Kirchen, dieses Kreuz einzubinden." Zu sehen ist davon allerdings nichts. Es wirkt eher so, als habe man das Kreuz seither vergessen.

Fährt man von Gleismuthausen in Richtung Zimmerau zum ehemaligen Grenzübergang bei Rieth, kommt man an ein weiteres Wallfahrerkreuz. Auch das wurde von Wallfahrern finanziert und damals von dem Groß-eibstädter Künstler Hubert Knobling geschnitzt. Der große Platz ist gepflastert, das Kreuz selbst ein Blickfang, geschmückt links und rechts mit frischem Grün. Ein Beispiel dafür, wie es eigentlich auch in Gleismuthausen aussehen könnte, wenn dort die angedachte Grünfläche eines Tages vielleicht doch noch fertiggestellt ist.