Bad Kissingen kann sich nicht beklagen. Natürlich leidet es wie alle anderen Kommunen im Lande schwer an den Folgen der Corona-Krise. Aber in den Monaten und Jahren davor hat sich die Stadt in günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gut behauptet. Das belegt der Blick zurück in eine Zeit, bevor ein Virus angefangen hat, auch die kleine Kissinger Welt in vielen Dingen zu verändern. Grundlage dieses Blicks zurück sind die jüngsten Daten des Landesamts für Statistik. Sie beziehen sich manchmal auf 2019. Wenn es nur ältere Zahlen gibt, auch auf Jahre davor.

Bevölkerungszuwachs

Nicht nur in Bayern wird dem flachen Land seit Jahren ein drastischer Bevölkerungsrückgang vorhergesagt, doch Bad Kissingen ist ein Gegenbeispiel. In der Kurstadt hat sich die Einwohnerzahl seit der Volkszählung von 1987 nach oben entwickelt. 20 455 Einwohner zählte die Stadt nach Angaben der Statistiker damals. Ende 2018 waren es 22 444. Das sind nahezu zehn Prozent mehr.

Die Kissinger sind übrigens auch ein bisschen jünger geworden. Das Durchschnittsalter lag Ende 2018 nach amtlichen Angaben bei 49,4 Jahren. von 2012 bis 2014 war der Durchschnittskissinger noch 50,2 Jahre alt gewesen. Corona dürfte daran kaum etwas verändert haben.

Zu verdanken hat die Kurstadt den Bevölkerungszuwachs seinen Wanderungsgewinnen. Die Zahl der Zuzüge liegt regelmäßig über dem Wert der Wegzüge. Ginge es nur nach der natürlichen Bevölkerungsbewegung, stünden unterm Strich sinkende Einwohnerzahlen zu Buche. 1960 gab es in Kissingen noch 15,6 Geburten je 1000 Einwohner und nur 12,2 Gestorbene je 1000 Einwohner. Inzwischen ist aber der Anteil der Geborenen auf 7,9 pro 1000 Einwohner gefallen und der der Gestorbenen auf 16,8 je 1000 Einwohner gestiegen.

Mehr Stellen, weniger Arbeitslose

Nach oben entwickelt hat sich auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer in der Stadt. Für 2013 berichtet das Statistische Landesamt von 10 362 Beschäftigten am Arbeitsort, das sind besetzte Stellen in der Stadt. Bis 2018 hatte sich dieser Wert auf 11 455 Beschäftigte erhöht. Die Zahl der Beschäftigten am Wohnort erhöhte sich im selben Zeitraum um rund 1000 von knapp 7000 auf etwas über 8000. Der Unterschied zwischen der Zahl der Beschäftigten am Arbeitsort und denen am Wohnort zeigt, dass Kissingen etliche Arbeitsplätze für Pendler von außerhalb bietet. Die Arbeitslosenzahl sank im beschriebenen Zeitraum von 650 auf 485.

Städtische Finanzen gebessert

Kissingen hatte nach den bis 2018 reichenden Daten des Statistischen Landesamts die günstige gesamtwirtschaftliche Lage der vergangenen Jahre genutzt, um ihre Finanzbasis zu verbessern. Die Finanzkraft sei von 2014 bis 2018 von 10,4 Millionen auf 14,5 Millionen Euro gestiegen. Mit staatlicher Unterstützung konnte das Rathaus auch Schulden verringern. Hilfreich waren zudem steigende Steuereinnahmen. So erhöhten sich laut Statistik die Nettoeinnahmen bei der Gewerbesteuer von knapp sechs Millionen Euro 2014 auf knapp acht Millionen Euro 2018. Der städtische Anteil an der Einkommensteuer stieg im selben Zeitraum von 8,6 Millionen auf 10,5 Millionen Euro. Die Zahlen für 2020, so viel ist jetzt schon klar, sehen durch Corona viel schlechter aus.

Private Finanzen der Bürger

Gebessert hatte sich in den vergangenen Jahren in Bad Kissingen nicht nur die Finanzlage der Stadt, sondern auch die ihrer Bürger. Für das Jahr 2007 berichten die Statistiker noch von einem Gesamtbetrag der Einkünfte der lohn- und einkommensteuerpflichtigen Bürger in der Größenordnung von 313 Millionen Euro. 2015 - das ist die jüngste zur Verfügung stehende Zahl - war der Gesamtbetrag der Einkünfte auf 392 Millionen Euro gestiegen.

Das drückte sich auch in einer höheren Steuerlast aus. 2007 hatten die betreffenden Bürger der Stadt noch 50 Millionen Lohn- und Einkommensteuer gezahlt. 2015 waren es dann 66 Millionen.

Dass auch Handel und Gewerbe vor Ort prosperierten, wird an der Umsatzsteuerstatistik deutlich. Die Umsatzsteuer für Waren und Dienstleistungen stieg von 570 Millionen Euro 2008 auf 684 Millionen Euro 2017. Auch hier reißt Corona schmerzhafte Lücken.

Kaum verändert hat sich in den vergangenen Jahren in Kissingen der Bestand an Wohngebäuden. Für 2015 geben die Statistiker die Gesamtzahl mit 4997 Gebäuden an. 2018 lag der Wert mit 5051 Gebäuden nur knapp darüber. Auch die Zahl der Wohnungen stieg (von 12 232 auf 12 427) nicht unbedingt üppig. Da verwundert es nicht weiter, dass die Werte bei den Baugenehmigungen für neue Wohngebäude und bei den Baufertigstellungen von 2011 bis 2018 rückläufig waren.

Weniger Landwirte

Wie in anderen Regionen auch, hat sich in Bad Kissingen die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe über die vergangenen Jahre hinweg erheblich reduziert. 2003 registrierte die Statistik 56 Betriebe, 2018 waren es noch 31. Vor allem ganz kleine Einheiten mit weniger als fünf Hektar Fläche sind praktisch verschwunden. Dafür erhöhte sich die Zahl der Betriebe, die 50 Hektar und mehr bewirtschaften ein wenig. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Stadtgebiet änderte sich von 2003 bis 2016 kaum. Genau genommen stieg sie sogar um ein paar Hektar auf insgesamt 1530 Hektar an.

Gut behauptet hat sich in den vergangenen Jahren in Bad Kissingen das Bauhauptgewerbe. Die Zahl der Betriebe in diesem Bereich war im Jahr 2018 ebenso hoch wie fünf Jahre davor. Der baugewerbliche Umsatz stieg im selben Zeitraum aber von 69 Millionen auf 88 Millionen Euro.

Mehr Autos und mehr Unfälle

Das Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden, ist in Kissingen laut Statistik zuletzt größer geworden. 103 Verkehrsunfällen im Stadtgebiet 2013 standen 2018 dann 129 Unfälle gegenüber. Vermutlich hat das auch mit einer größeren Verkehrsdichte zu tun. Der Bestand an Fahrzeugen erhöhte sich von 14 600 im Jahr 2014 auf 16 160 im Jahr 2019.

Wichtig ist die Große Kreisstadt für ihre Einwohner und für die Region auch als Schulstandort. In Bezug auf den Bereich der Grund- und Mittelschulen, der Förderschulen, Realschulen und Gymnasien berichtet das Statistische Landesamt für das Schuljahr 2018/19 von 3029 Schülern und 253 Lehrkräften. Dazu kamen bei den beruflichen Schulen 1700 Schüler und 68 Lehrkräfte.

Übernachtungszahlen stabil

Im Kur- und Touristikstandort Bad Kissingen ist die Entwicklung der Übernachtungszahlen ein wichtiger Indikator wirtschaftlicher Prosperität. Seit 2013 verbuchte die Staatsbad GmbH regelmäßig zwischen 1,5 und 1,6 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Auch das ist mit der Corona-Krise erst einmal vorbei. Siegfried Farkas