Wien, die Metropole an der Donau, ist für viele Menschen aus der ganzen Welt zum Lebensmittelpunkt geworden. Wie auch für Tobias Bronsert aus Münnerstadt. Seit zwei Jahren wohnt er mit seiner Familie dort. Vermutlich islamistische Terroristen haben am Montagabend in Wien gemordet, haben die Menschen dort in Angst und Panik versetzt. Er schildert, wie er die Nacht der Anschläge erlebt hat.

Tatorte in der Nähe

Am Tag danach sitzt Tobias Bronsert im Home-Office, er ist Manager für Siemens. Doch von Alltag kann keine Rede sein. Zu verstörend war das, was die Wiener erlebt haben. "Wir wohnen auch nahe am ersten Bezirk, die Tatorte können wir fußläufig erreichen. Es wäre nur ein kleiner Fußmarsch, wie von der Zent in Münnerstadt zum Oberen Tor. Erst am Sonntag waren wir mit der gesamten Familie dort spazieren."

Als die ersten Schüsse fielen, war die Familie - Bronserts Frau Kerstin, Sohn Nils (11) und Tochter Clara (4) zuhause in Sicherheit. Via Fernsehen erfuhren sie, was um die Ecke passierte. "Und da wir in einer Einfallstraße zu einem großen Krankenhaus, dem Rathaus und dem 1.Bezirk wohnen, hörten wir dann auch die ersten Sirenen. Krankenwagen um Krankenwagen fuhren hinaus und wieder rein, gefolgt von schweren schwarzen Limousinen."

Handy stand nicht still

Und dann stand das Handy nicht mehr still. Die ganze Welt schaute auf Wien und aus der ganzen Welt erkundigten sich jetzt Familie, Freunde, Arbeitskollegen, ob die Bronserts in Sicherheit sind - und was da um Gottes Willen überhaupt gerade in Wien passiere. "Ich habe Whatsapps aus der ganzen Welt empfangen, über China und die USA." Die konnte er schnell beruhigen. Doch zeitgleich erfuhr er auch, dass Freunde stundenlang in Cafés festsaßen, "konfrontiert mit schwer bewaffneten Polizisten, in voller Angst, was nun passieren wird - das war sehr bedrückend." Die Vorstellung und auch die Bilder im TV oder via Internet "braucht kein Mensch - und man vergisst die auch nicht. So etwas brauchen wir in unserer freiheitlichen Welt nicht."

Gespräche mit elfjährigem Sohn

Andere, die den letzten lauen Abend vor dem Lockdown genießen wollten, saßen in der Oper fest, Fernsehbilder zeigten, wie die Besucher von Polizisten nach draußen geleitet wurden. " Man sieht dann die Bilder aus der Stadt und erkennt die Orte, an denen man sich als Familie bewegt, die auf dem Schulweg liegen oder man seine Freizeit verbringt. Und dann denkst du als Vater natürlich: Was, wäre gewesen, wenn wir uns heute dort aufgehalten hätten? Wie hätte es uns dann getroffen?" Mit Nils hat die Familie darüber gesprochen, was passiert ist, "das hätten wir gar nicht anders regeln können: Er ist im Gymnasium, er hat ein Handy, wir konnten ihn nicht vor diesen Nachrichten schützen". Bei Clara sei das anders, "die ist erst vier, der haben wir gar nichts gesagt". Kindergärten und Schulen seien zwar geöffnet, jedoch hat das Innenministerium die Eltern gebeten, die Kinder zuhause zu lassen. "Was für ein Glück: Clara ist am Tag danach mit Schnupfen aufgewacht - wegen Corona hätten wir sie dann eh nicht in den Kindergarten gelassen, so mussten wir ihr wirklich nichts sagen."

Vertrauen in Behörden

Er vertraue den österreichischen Behörden, dass sie eventuell weitere Täter finden werde. Als Einwohner von Wien hat er das Gefühl, dass die Einsatzkräfte gestern Abend sehr schnell und konstruktiv gearbeitet haben.

Gedanken an die Angehörigen

"Wien ist unsere Stadt geworden, wir leben sehr, sehr gerne hier. Es ist so schade, dass zu unserem Lebensgefühl hier jetzt auch die Eindrücke der letzten Nacht für immer dazugehören werden. Aber was sage ich: Andere trauern jetzt um Tote oder sorgen sich um verletzte Angehörige oder Freunde."