Es war schon ein beeindruckendes Bild: In den gerade gründlich sanierten, vor wenigen Tagen wiedereröffneten Mehrzweckhalle tagten gleichzeitig 14 Stadt- und Gemeinderäte von den Mitgliedsgemeinden der NES-Allianz, um einen Beschluss zum Thema "Waldkindergarten" zu fassen. Außerdem informierten der Münnerstädter Klimaschutzmanager Stefan Richter und Professor Markus Brautsch (Institutsleitung für Energietechnik IfE GmbH an der ostbayerischen technischen Hochschule Amberg-Weiden) über Klimaschutz und die Möglichkeiten eines kommunalen Klimaschutz-Netzwerks.

Erlebnisse bleiben

Lukas Seuffert, auf dessen Initiative hin der Waldkindergarten eingerichtet werden soll, informierte zusammen mit dem Vorsitzenden, Bürgermeister Georg Straub und Allianzmanagerin Hannah Braungart über das Projekt. "Waldkindergärten sind vermehrt ins Interesse der Eltern gerückt, da sie dem Tatendrang der Kinder in der Natur gerecht werden", hieß es und "sie sind die innovativste Form der Vorschulerziehung". Sie würden eine Attraktivitätssteigerung für das Bildungsangebot bringen.

Lukas Seuffert stellte sich als ausgebildeter Erzieher, Landwirt und Waldpädagoge vor und betonte "Spielzeug zerbricht, Erlebnisse bleiben".

Als Standort ist ein Gelände am Wald-Boden-Info-Park in Hohenroth geplant. "Im Stadtgebiet von Neustadt hat sich nichts angeboten, da haben wir die Hand gehoben", so Georg Straub. Seine Gemeinde soll auch der Träger dieses Kindergartens sein, der allerdings über Umlagen von allen Gemeinden finanziert wird, deren Kinder den Kindergarten besuchen.

Nur einer dagegen

Insgesamt 25 Plätze soll der Kindergarten haben. Sie sollen folgendermaßen unter die Mitgliedsgemeinden der Allianz aufgeteilt werden: je fünf Plätze für Bad Neustadt an der Saale und Hohenroth, vier Plätze für Münnerstadt und je ein Platz für die anderen Gemeinden. In der Diskussion sprach sich nur ein einziges Gemeinderatsmitglied gegen dieses Projekt aus: "Ich bin dagegen, das ist eine Konkurrenz zum eigenen Kindergarten im Dorf. Damit fördern wir den Fahrtentourismus". Er warnte davor, dass so ein Kindergarten etwas für privilegierte Kinder sei. Nach kurzen Beratungen mit ihren Gemeinderäten gaben die Bürgermeister die Ergebnisse bekannt: alle waren einstimmig oder fast einstimmig dafür, soweit die Gremien beschlussfähig waren. Schönau an der Brend muss in einer Gemeinderatssitzung noch darüber beschließen, da nicht genügend Gemeinderäte anwesend waren. Auch Bad Neustadt an der Saale war nicht beschlussfähig, der Stadtrat hatte aber schon Zustimmung signalisiert. Eröffnet werden soll der Waldkindergarten im September nächsten Jahres.

Energetische Sanierung

Klimaschutzmanager Stefan Richter erinnerte daran, dass das Bundesverfassungsgericht das Klimaschutzgesetz nachgebessert hat und damit der Generationenvertrag auch für die jüngeren gelte. "Ich bin überzeugt, dass wir das bis 2045 hinbekommen", betonte er. Dazu könnten sich die Gemeinden mit anderen zusammentun. In diesem Zusammenhang seien Genossenschaften wieder in Mode gekommen. Seit seinem Amtsantritt am 1. Juni hat er ("ich bin der Klimaschutz-Hansel") schon einige kleinere Projekte umgesetzt, erzählte er: es gebe ein Grünflächenkonzept, die Beleuchtung werde auf Leuchtdioden umgerüstet, am Bahnhof wird eine Bike&Ride-Hütte eingerichtet. Als Beispiel soll ein denkmalgeschütztes Haus zusammen mit dem Denkmalschutz energetisch saniert werden.

Netzwerk für Fördergelder

Richter will ein Netzwerk einrichten, damit man immer weiß, wo es gerade Fördergelder gibt. Er will auch mit dem BBZ (Berufsbildungszentrum) Projekte umsetzen und sogar eine Universität für die Klimaforschung vor Ort nach Münnerstadt holen. Professor Markus Prautsch erinnerte daran, dass Bayern die Klimaschutz-Ziele schon 2040 erreichen will. Das betreffe alle Entscheidungen in den Gemeinden, in Schulen ....

Immerhin käme fast 50 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen, bei Wärme aber zu wenig, bei der Mobilität fast gar nichts. Um die Klimaschutz-Ziele zu erreichen, könnten Netzwerke eingerichtet werden. Sie sind, so heißt es im Internet, eine Plattform für Städte und Gemeinden sowie privatwirtschaftliche Unternehmen, die gemeinsam in ihrer Region Projekte im Klimaschutz planen und umsetzen wollen. Dazu sind mindestens sechs Gemeinden notwendig. Sie bekommen eine Förderung von 60 Prozent, wenn der Antrag noch dieses Jahr gestellt wird, sogar 70.

Viel Arbeit haben die Gemeinden damit offenbar nicht. "Wir stellen für Sie den Antrag, wir organisieren die Netzwerktreffen viermal im Jahr, wir bekommen das Geld", betonte der Professor. Auch die fachliche Beratung zu allen Themen, die mit Klimaschutz zu tun haben sei möglich und das Unternehmen könne die Fördermittelanträge stellen. "Wir würden gerne mitmachen", betonte Münnerstadts Bürgermeister Michael Kastl, "wir brauchen Kommunen, die auch mit dabei sind" und sein Kollege Georg Straub (Hohenroth) ergänzte "ich könnte mir vorstellen, dass wir auch mitmachen möchten".