Georg Joachim Joseph Hahn war im 18. Jahrhundert Kantor in der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena und Lateinlehrer und saß im Rat der Stadt. Doch Hahn war zu seiner Zeit auch ein namhafter Komponist. Seine Werke waren weit verbreitet und wurden in Wien ebenso gespielt wie in Regensburg. Man findet seine Musik als Standardwerk in den großen Kathedralen des Landes, sagt der Münnerstädter Musikwissenschaftler Martin Jira. Er erforscht seit einiger Zeit Leben und Werk des Komponisten und hat jetzt für den Cornetto-Verlag Stuttgart Hahns Missa I in D-Dur in einer Überarbeitung veröffentlicht.
"Hahn hat die katholische Kirchenmusik in seiner Zeit mitgeprägt", betont Martin Jira. Man kannte Hahn als Kirchenmusiker genauso wie Haydn oder Mozart, ist Jira überzeugt. Für den Münnerstädter Musikwissenschaftler war der Komponist ein musikalischer Trendsetter. Seine Kompositionen seien immer stilistisch auf der Höhe seiner Zeit gewesen. "Seine Musik ist erstaunlich gut", sagt Martin Jira voller Anerkennung.


Hohes Niveau

Anhand der noch zahlreichen historischen Abdrucke seiner Werke werde deutlich, dass er auf hohem Niveau komponiert hat, so Jira. Das bestätigt auch Regionalkantor Peter Rottmann, der Teile der Misse I in D-dur vor wenigen Wochen beim Weihnachtskonzert des Vokal Ensemble in der Stadtpfarrkirche in der Fassung des Cornetto-Verlages wieder uraufgeführt hat. Er spricht davon, dass die Messe Hahns von hohem Erfindungsreichtum und kompositorischer Raffinesse und Tiefe geprägt sei. Es sei wunderbar, dass ein Vorgänger im Amt des Kantors ein hochranginger Komponist gewesen sei; Stücke davon jetzt aufzuführen sei hochspannend gewesen, meint Rottmann.
An der Qualität liege es also nicht, betont Martin Jira, dass Georg Joachim Joseph Hahn ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit geriet. Martin Jira führt es auf eine Bewegung in der Kirchenmusik zurück - die Cäcilienreform, die Mitte des 19. Jahrhunderts orchestrale Kirchenmusik ablehnte und sich wieder verstärkt der A-cappella-Musik widmete. Damit sollte einer Verweltlichung geistlicher Musik entgegengewirkt werden. Nicht mehr im kirchenmusikalischen Repertoire geriet Hahn somit in Vergessenheit.


Keine Handschriften

Martin Jira stieß eher zufällig auf den Namen Hahn. Umso spannender ist für ihn nun die Forschungsarbeit über den barocken Meister. Historische Abdrucke seiner Werke seien noch weit verbreitet, hat Jira festgestellt. Für die Missa I D-dur hat Jira historische Quellen aus Beromünster in der Schweiz und aus Neuburg an der Donau überarbeitet. Nirgends jedoch sei eine Handschrift Hahns zu finden, erklärt Jira, "keine einzige handgeschriebene Note", was Martin Jira sehr bedauert.
Martin Jira weiß zwischenzeitlich viel über den Künstler, der 1712 in Münnerstadt geboren wurde und 1772 im Städtchen verstarb. In den Grundbüchern des Stadtarchivs taucht der Name Hahn immer wieder auf. Joseph Hahn muss ein wohlhabender Mann und Familienvater gewesen sein. Steuern hat der Komponist unter anderem für ein Haus "an der Eck der Salzgasse" im zweiten Viertel von Münnerstadt bezahlt. Es könnte ein Gebäude am Anger sein, in dem sich heute ein Buchantiquariat befindet. Das wäre aber noch zu belegen, so Jira.


Musik für Theaterstücke

Martin Jira hat herausgefunden, dass Joseph Hahn zeitweise Schreiber am Juliusspital gewesen sein muss, dass er Kantor der Stadtpfarrkirche und Lateinlehrer an der Pfarrschule und am Gymnasium war. Für das Gymnasium hat er die Musik für in Latein aufgeführte Theaterstücke geschrieben. Doch egal, ob Jira im Stadtarchiv, in der Bibliothek des Augustinerklosters, im Pfarrarchiv oder in überregionalen Archiven nachforschte, nirgendwo hat er Schriften gefunden, die der Künstler persönlich mit der Hand verfasst hat.
Martin Jira wüsste gerne noch viel mehr über den Komponisten Hahn. Manche Frage bleibt wohl offen. Es wäre interessant zu erfahren, weshalb ein Mann von Hahns Können Münnerstadt scheinbar nie verlassen hat und welche Netzwerke er nutzte, damit seine Musik damals bis in die großen kirchenmusikalischen Zentren gelangte.
Mit der Veröffentlichung der Missa I D-dur von Georg Joachim Joseph Hahn ist jetzt wieder ein Schritt getan, damit dieser alte Meister für die Kirchenmusik vielleicht wieder entdeckt wird. In Münnerstadt waren im Dezember erstmals wieder Teile des Werkes zu hören.
Die komplette Messe will Regionalkantor Peter Rottmann aufführen lassen, wenn die Stadtpfarrkirche saniert ist und dann aus diesem Anlass ein festlicher Gottesdienst gefeiert wird.