Die hohle Linde des Hindenburgparks wird in diesem Frühjahr zwar keine grünen Blätter mehr treiben, doch sie hat eine Zukunft. Der mächtige Stamm der mindestens 300 Jahre alten Linde wird ein Kunstobjekt. Der Langenleitener Bildhauer Herbert Holzheimer hat den Stamm am Mittwoch in sein Atelier bringen lassen. Er bezeichnet es als Glücksfall, dass er den Stamm der im Spätsommer letzten Jahres umgestürzten Linde bearbeiten kann.
"Ich kannte den Baum", betont Herbert Holzheimer am Mittwoch beim Abtransport. Er ist vertraut mit den Naturdenkmäler in der Region und ist fasziniert von deren Formen. Holzheimer arbeitet - passend zu seinem Namen - häufig mit Holz und besonders gerne mit Fundstücken. Verwitterte und abgestorbene Hölzer, Baumstämme oder Wurzeln und Brüchstücke haben es ihm nach eigenen Angaben angetan.

Dass die hohle Linde im Münnerstädter Hindenburgpark umgestürzt ist, hat der Langenleitener in der Zeitung gelesen. Anfangs war er davon ausgegangen, dass innerhalb der Stadt selbst eine Lösung für den Erhalt des Stammes gefunden werden soll. Erst als er einen Anruf aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Hindenburgparks bekam, ob er nicht etwas mit diesem Baum anfangen könnte, tat er sein Interesse auch öffentlich kund.

Keine Chance in der freien Natur

Diesen Stamm bearbeiten zu dürfen, ist für Herbert Holzheimer etwas ganz besonders. "So was kriegt man nie mehr", betont er. Zwei konkrete Ideen hat er schon für die Gestaltung. Aber erst in seinem Atelier wird er nach genauer Ansicht des Holzes entscheiden, was er mit dem Stamm machen wird. Er möchte ihn erhalten. Eine Vasen- oder Gefäßform sei die eine Variante. Die Linde könnte aber auch als begehbarer Meditationsbaum gestaltet werden - eine Variante, die Holzheimer aktuell favorisiert. Der Hohlraum bietet den Platz.

Obgleich der Stamm aus Stabilitätsgründen schon gekürzt werden musste, ist er noch immer mehr als vier Meter hoch. Deshalb war die hohle Linde ja auch in der Vergangenheit immer wieder ein beliebter Spielplatz oder ein Versteck für Kinder. Welche künstlerische Bearbeitung der Baumstamm genau erhält, das wird Herbert Holzheimer entscheiden, wenn er sich in seiner Werkstatt einen ganz detaillierten Überblick über die Beschaffenheit des Holzes machen kann.

Beim Aufladen auf den Transporter hat das teilweise morsche Holz trotz Gurten schwer geächzt. In freier Natur wäre das Relikt der hohlen Linde nur noch begrenzte Zeit haltbar gewesen, glaubt Holzheimer. Fünf Jahre, vielleicht zehn, meint er. Erste Idee in Münnerstadt war ja gewesen, die hohle Linde als umgestürztes Naturdenkmal im Hindenburgpark selbst zu erhalten.

Schön fände Herbert Holzheimer natürlich, wenn der von ihm gestaltete Stamm irgendwann wieder seinen Weg zurück nach Münnerstadt finden würde. Allerdings weiß Holzheimer, dass es schwierig sein wird, einen geeigneten Raum zu finden, in dem ein solches mächtiges Kunstobjekt integriert werden kann.