Die Festtage der 1250 Jahrfeier des Münnerstädter Stadtjubiläums begannen im Januar mit der Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder in der Alten Aula und endeten Mitte März mit der Ausrufung des Katastrophenfalles durch denselben für Bayern.

Münnerstadt hat sich auf das Festjahr 2020 gefreut. Das Festivalprogramm versprach und verspricht noch immer ein inhaltsstarkes Konsum- und Mitmachfest für die Bürgerinnen und Bürger, wie auch für die ganze Region. Das Herausragende dabei ist die Nutzung der Altstadtflächen im Freien, seien es der Stenayer Platz, der Marktplatz, der Anger oder der Hof des Deutschordensschlosses. Überall ist eine besondere Atmosphäre zu spüren, ein Gefühl der Geborgenheit, ohne sich dem Zeitgeist zu entsagen.

Natürlich haben Veranstaltungen unter freiem Himmel schon immer eine Bedeutung gehabt. Auch in Münnerstadt. Biergartenseligkeit und Heimatspielfrömmigkeit, Turnerkönnen und Fußballspiele, alles hatte und hat seine ganz speziellen Orte. Eher jüngeren Datums, nämlich seit 50 Jahren, ist die kulturelle Nutzung des Innenhofs des Deutschordensschlosses. Nicht nur das Stadtmuseum im 1.Stock der ehrwürdigen Kommende (Ordensgebäude) des Deutschen Ordens, sondern auch der geräumige und zugleich heimelige Hof hatte es den damaligen Münnerstädter Stadtoberen angetan. Dabei fanden sie bei den Verantwortlichen der Liedertafel, dem sehr traditionsbewussten Männergesangsverein, engagierte Mitstreiter. Mit Rudolf Wiesner gab es einen Chorleiter, der unter anderem gute Verbindungen zu Sängerinnen und Sängern hatte. Der erste Konzertabend im Deutschordensschloss war also ein klassischer, eine Premiere, die zwei örtliche Zugpferde hatte, einmal die Liedertafel und ihre eingeladenen Solisten und zum Zweiten das Orchester des Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasiums, erweitert durch Gastspieler unter der Leitung von Eduard Reichherzer. Die Proben des Orchesters waren deshalb eine Besonderheit, weil sich - wohl unersetzliche - Geiger weigerten, im Gymnasium zu üben, waren sie doch wenige Jahre vorher mehr oder weniger der Schule verwiesen worden.

Die gute Akustik in der stimmigen Atmosphäre eines voll besetzten Schlosshofs trug bestimmt dazu bei, diesen Veranstaltungsort beizubehalten. Der Festwoche 1970 folgten über dreißig Jahre lang die Kulturwochen, beziehungsweise die Kulturtage der Stadt Münnerstadt.

Musiklehrer Rudolf Wiesner (Chorleiter 1949 - 1982) war bis zu seinem Tod der musikalische Motor für die festlichen Konzerte der Liedertafel, die oft im Schlosshof, selten aus Witterungsgründen in einem Saal stattfanden. Auch später, eigentlich bis heute, versucht der rührige Gesangsverein, der inzwischen auch einen Frauenchor und einen Kinderchor integriert hat, immer mal in der Kulisse des Schlosses Auftritte zu realisieren.

Mit Bruno Eckert (1947-2019), der 1974 den Vorsitz in der Heimatspielgemeinde übernommen hatte, begann auch zügig die Nutzung des Schlosshofes durch den Verein. Weniger zu den Kulturtagen, jedoch als weitere Ausgestaltung des Spielbetriebs rund um das Heimatspiel "die Schutzfrau von Münnerstadt" gab es ein gemütliches Beisammensein mit Musikbeiträgen und den schon bald legendären Hans Sachs Stücken. Auch mit anderen Theaterbeiträgen wie zum Beispiel "Mozart auf der Reise nach Prag" fanden die Freizeitschauspieler neue Freunde für sich und für ihre Heimatstadt. Geblieben ist bis heute im Schlosshof das "historische Gelage".

Mit der Gründung der "Museumsfreunde Münnerstadt e.V." 1976, geriet der Schlosshof in anderer Weise in das Blick- und Erlebnisfeld von kulturinteressierten Bürgerinnen und Bürgern der Region. Jazz, Rock und Pop ergänzten über Jahre das musikalische Angebot des Städtchens. Den Auftakt machten im Sommer 1976 Musiker aus der der bedeutenden Blues- und Rockszene Nürnbergs. Es folgten über die Jahre Bands aus München oder Frankfurt am Main. Es wurde der "Mürschter Frühling" geboren und Kleinkünstler gaben sich die Ehre. Zum zehnjährigen Bestehen des Museums im Deutschordensschloss wurde eigens ein Zelt in den Hof gestellt, da wegen der Kosten ein Ausweichen bei Regen nicht möglich war.

Filmnächte oder Kunstaktionen, der Hof durfte einiges aushalten, die Nachbarn waren sehr tolerant. Ohne regionales Interesse wären viele Angebote nicht machbar gewesen. Brechend volle Zuschauerplätze und eine überschaubare Besucherfrequenz lösen sich bis heute immer wieder ab.

Der schönste, dachlose Konzertsaal in Unterfranken hat über die Jahrzehnte seine Reize meist sehr vorteilhaft ausspielen lassen.

Seit Anfang des Jahrtausends spüren das der Altstadtverein mit "Weihnachten im Schloss" oder im Sommer seit langer Zeit die Anglerfreunde, wenn sie zum Fischerfest einladen. Denen ist es frühzeitig gelungen, auf einfache Weise den Hof für Speis und Trank wetterfest zu machen.

Bis zur Sanierung des Deutschordensschlosses 2005 war es für alle Nutzer eine Tortur die Logistik für die Veranstaltungen zu stemmen. Wer sich engagierte wusste, dass zum Teil Schwerarbeit auf ihn zukam. Der Begeisterung tat das in den ersten 30 Jahren keinen Abbruch.

Ein Kulturzentrum lebt von der Teilnahme seiner Bürgerinnen und Bürger. Da inzwischen auch die Organisation und Koordination von Kultur und Tourismus im Schloss angesiedelt ist, scheint das Ziel erreicht. Münnerstadt hat ein Bürgerhaus mit Schlosscharakter, mit voll gepackter Geschichte und Kunst im Hennebergmuseum, herzeigbaren Multifunktionsräumen - und frischer Luft bei lauen Sommerabenden.