In der Gemeinschaft Musik zu spielen. Das war schon bei der Gründung der Stadtkapelle im Jahr 1892 ein wichtiges Ziel der musikalischen Arbeit. Das ist bis heute so geblieben. "Wir sind eine Stadtkapellen-Familie", sagt Vorsitzende Erika Pascher. In der langen Geschichte der Stadtkapelle gab es Höhen und Tiefen, doch die Verbundenheit zur Blasmusik ist immer geblieben. Und dieses Jubiläum wird im gesamten Jahr 2017 den Terminkalender des Blasorchesters bestimmen.

Von einer "Münnerstädter Stadtmusik" ist erstmals 1855 die Rede. 1891 finden sich Unterlagen, dass örtliche Kirchenmusiker beantragten, es möge ein städtischer Musikmeister zur Förderung und Erhaltung der Blasmusik eingestellt werden. Dies wurde genehmigt. Wenige Monate später folgte 1892 die Geburtsstunde der Münnerstädter Stadtkapelle.

Der 1. und der 2. Weltkrieg führten dazu, dass die Blasmusik in Münnerstadt zum Erliegen kam und man nach den Kriegswirren mit einem Neubaufbau beginnen musste. Nach beiden Weltkriegen war es Bernhard Enderle, der mit Blasmusikern den Neuanfang wagte. Immer war es auch die Jugend, die mit Begeisterung dafür sorgte, dass die Tradition weiterging.


Gründung der Jugendblaskapelle

Auch 1964 sorgten junge, engagierte Mitglieder der Kapelle für eine Neuerung. So wurde auf Initiative von Günter Köth und Lindhorst Saar die Jugendblaskapelle gegründet. Damals gab es noch keine städtische Musikschule, also übernahm die Stadtkapelle in den Anfangsjahren die Ausbildung. Anlass sei der Besuch des Bundespräsidenten Heinrich Lübke in Münnerstadt gewesen, erinnert sich Saar zurück. Damals sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Kapelle dringend Nachwuchs braucht. "Es war ein großer Umbruch", so Saar. "Wir haben hart gearbeitet." Köth war Vorsitzender, Saar Dirigent.

Lindhorst Saar erinnert sich an die arbeitsreiche Zeit. Musikunterricht fand an den Nachmittagen statt, abends war regelmäßig Probe der Stadtkapelle. Danach sei es zum Göcker-Essen ins Gasthaus Hellmig gegangen.


Musizierend nach Hause

Im Sommer habe die Kapelle immer auf Festen gespielt. Wenn man abends von auswärtigen Auftritten zurückkam, sei man oft am Oberen Tor ausgestiegen, habe die Instrumente genommen und sei musizierend die Stadt hinab marschiert, erzählt Saar. Die Leute hätten die Fenster geöffnet und den Musikern zugewinkt. "Es war eine schöne Zeit", meint Lindhorst Saar.


Zahlreiche Reisen

In den 1970er und 1980er Jahren machte sich die Stadtkapelle immer wieder auf Reisen. Unvergessen sind bis heute Touren zu Auftritten beispielsweise in Berlin, in München, in Olpe, zum Patenverein in Weilheim oder zum Eidgenössischen Hornusserfest in die Schweiz. Mit dabei war oft auch Kuno Holzheimer, der heute Leiter der Hammelburger Musikakademie ist. Holzheimer ist in Münnerstadt aufgewachsen und war zwischen 1982 und 1994 Dirigent der Stadtkapelle.


Die Kapelle auf Reisen

"Es war interessant, weil wir viel herumgekommen sind", sagt er. Abwechslungsreich und manchmal anstrengend sei es gewesen, so Kuno Holzheimer, wenn die Stadtkapelle oder einer ihrer Ableger für Tanz- und Unterhaltungsmusik - "Sound 70" oder "Musik Joker" - am Samstag bis in die Nacht hinein spielten und die Musiker am Sonntagfrüh schon wieder zum Gottesdienst in der Talkirche antreten mussten. 1981, als er sein Abitur geschafft hatte, habe er kaum Zeit zum Feiern gehabt, weil gerade das Pfingstvolksfest lief und er dort mit der Musik ständig im Einsatz war, so Holzheimer. Wichtig sei ihm aber immer auch das Wertungsspiel gewesen, betont er. Er denkt gerne an die Zeit zurück und will deshalb auch beim Jubiläumsabend Ende Januar dabei sein.
Auch heute sind die Auftritte der Stadtkapelle für die Musiker das Salz in der Suppe. Erika Pascher erzählt, dass die Münnerstädter Kapelle beispielsweise viel Applaus bei den Kurkonzerten in Bad Bocklet, Bad Neustadt oder Bad Kissingen bekommt. Und das nicht nur mit klassischer Blasmusik, sondern mit einem Repertoire, das von klassisch bis modern reicht.


Für jeden etwas dabei

Ihre Vielseitigkeit will die Stadtkapelle auch in ihrem Jubiläumsjahr beweisen. Bewusst verzichtet das Orchester auf ein großes Fest, sondern stellt im gesamten Jahresverlauf Konzerte und Musikabende unter ein bestimmtes Motto. "Uns ist wichtig, dass wir für jeden Geschmack etwas bieten", sagt Erika Pascher. Es wartet ein arbeitsreiches Jahr auf die Stadtkapelle; die Musiker freuen sich darauf.