Die Corona-Pandemie hat auch für die Kirchenmusik tiefgreifende Einschnitte bedeutet. Der Organist der Münnerstädter Stadtpfarrkirche, Regionalkantor Peter Rottmann, ist als festangestellter Kirchenmusiker der Diözese zwar finanziell abgesichert, doch auch ihm fehlen die Konzerte und vor allem seine Arbeit mit den Chören, den Menschen. Wie er die Zeit erlebt, darüber hat er in einem Interview berichtet.

Wir leben in Deutschland nun schon seit rund einem Jahr mit der Corona-Pandemie und mit den weiterhin geltenden Beschränkungen. Wie hat Corona die Kirchenmusik und damit Ihre Arbeit verändert? Ist sie eingeschränkt, sind sie ebenfalls, wie so viele in Kurzarbeit?

Peter Rottmann: Am Anfang der Pandemie waren wir alle geschockt, dass uns so viele Arbeitsfelder weggebrochen sind: Chöre, Konzerte, Schüler und auch noch Gottesdienste. Das war schon hart. Wir sind aber Gott sei Dank nicht in Kurzarbeit. Die Diözese hat Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter durch die Krise nicht finanziell eingeschränkt werden.

Im ersten Lockdown waren ja anders als zur Zeit gar keine Kirchenbesuche möglich. Wie haben Sie die rein digitalen Gottesdienste erlebt, die es ja auch in Münnerstadt gab?

Das Osterfest ohne Gottesdienste zu feiern war schon hart. Wir haben aber aus der Not eine Tugend gemacht. Der Chef der Abteilung Kirchenmusik, Gregor Frede, hatte die pfiffige Idee, Video- und Tonanlagen anzuschaffen mit semiprofessionellem Equipment und die den Regionalkantoren zur Verfügung zu stellen. In Münnerstadt haben wir diese Gottesdienste am Samstagmittag in der Klosterkirche aufgenommen und dann bearbeitet und auf einen Youtubekanal hochgeladen. Das war unsere Notbeschäftigung, um Gottesdienste sichtbar zu machen und zu zeigen, Hallo, wir sind noch da und sind vom Corona-Virus noch nicht untergegangen.

Was vermissen sie persönlich?

Zuerst den persönlichen Kontakt mit meinen Musikern und Mitstreitern. Das sind zunächst einmal die Chöre. Und ich vermisse ganz besonders auch die Konzerte. Wir hatten ja 2020 das komplette Jahr durchgeplant. Ich hatte schon einen Flyer gedruckt, den musste ich einstampfen. Im Moment vermisse ich den Gemeindegesang sehr. Das ist der musikalische Teil im Gottesdienst, der mir wiederum etwas zurückgibt. Zur Zeit ist ja überhaupt kein Gemeindegesang möglich. Ich muss sämtliche Lieder singen und die Gemeinde antwortet höchstens im Wort.

Wie fühlt es sich als Kantor an, wegen der Abstandsregeln vor einer sehr leeren Kirche zu spielen?

Für mich gilt: Wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Ich spiele auch für zwei Besucher mit vollem Engagement. Der Gottesdienst ist für mich das Wichtigste.

Die Kirchenchöre proben nun schon seit fast einem Jahr nicht mehr. Wie wird sich ihrer Meinung nach diese lange Pause auf die Chorarbeit auswirken?

In Münnerstadt bin ich der Meinung, dass die Chorsänger nach wie vor Interesse haben. Sie brennen darauf, wieder zu starten. Diözesanweit sehen wir durchaus Probleme. Die Chorlandschaft wird sich verändern und eine Aufbauarbeit nötig machen. Bis sich die Herdenimmunität durchgesetzt hat, wird noch geraume Zeit verstreichen. Ich gehe davon aus, dass Probenarbeit dann eineinhalb Jahre, vielleicht sogar zwei Jahre nicht möglich gewesen sein wird. In diesem Zeitraum kann sich viel verändern. Aber wir hauptamtlichen Kirchenmusiker sind ungebrochen. Wir möchten das Kirchenchorwesen weiterpflegen und wir möchten auch neue Sachen machen. Solche Neuerungen werden sich auch durch die neuen Pastoralen Räume ergeben.

In den letzten Wochen war ja auch die Orgelausbildung nicht möglich. Wird sich dieser Bruch dauerhaft auswirken, zum Beispiel im Bezug auf die Besetzung von freiwerdenden Organistenstellen?

Nein, von unseren Schülern hat sich kein einziger abgemeldet. Sie sitzen alle daheim und üben fleißig und warten darauf, dass sie eingesetzt werden. Es haben sich sogar einige neu angemeldet. Erfreulicherweise kommen auch Leute aus dem Mittelalter. Das ist genau unsere Zielgruppe, weil Schüler nach der Schule weg sind. Wir sind dankbar, wenn sich Leute ab 25 Jahren anmelden. Da ist unsere Ausbildung nachhaltig, weil sie uns länger erhalten bleiben.

Der Kontakt läuft trotz Pause weiter?

Ja sicher, auch wenn es pädagogisch nicht so wahnsinnig viel bringt. Aber es dient der Kontaktpflege nach dem Motto "Ihr seid nicht allein". Wir sitzen ja alle in einem Boot und warten darauf, dass dies endlich vorbei ist.

Konnten sie dieser Zeit auch etwas positives abgewinnen und für eigene Projekte nutzen?

Dadurch, dass so viele Arbeitsfelder weggebrochen sind, hatte ich viel Freiraum, um neue Sachen am Instrument zu üben. Ich konnte endlich ein Herzensprojekt angehen, das mir schon seit Jahren ein Herzensanliegen ist: Eine Anthologie (Anmerkung der Redaktion: Zusammenstellung) über die Orgeln der Region. Es wird eine CD-Produktion sein mit den zehn schönsten Orgeln in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld, wobei der Schwerpunkt die Rhön ist und natürlich Münnerstadt. Ich habe die Hälfte fertig. Dadurch, dass der Orgelsommer ausgefallen ist, konnte ich meine Zuschussgeber dazu bewegen, die Zuschüsse trotzdem zu geben und diese speziell für die CD-Produktion zu verwenden, so dass der Verkaufspreis nicht utopisch hoch sein wird. Jede Orgel hat eine CD. Es wird eine Sammelbox erscheinen.

Wann wird sie erscheinen?

Entweder zum nächsten Orgelsommer oder zu Weihnachten, aber wahrscheinlich zu Weihnachten.

Trauen sie sich in diesem Jahr an eine Konzertplanung?

Die ersten vorsichtigen Planungen für den Orgelsommer haben angefangen. Das Programm des Orgelsommers 2020 wird eins zu eins in dieses Jahr verlegt. Die Termine stehen. Wir müssen halt die aktuelle Entwicklung abwarten.