Christoph Kuch hat Tränen in den Augen. Das Publikum in der wiederum ausverkauften Alten Aula in Münnerstadt feiert den Mentalmagier mit seiner ganzen Herzlichkeit. "Das Klischee sagt, der Applaus ist das Brot des Künstlers, das ist heute aber nicht so!" Nach sechs auftrittslosen Monaten steht der Weltmeister der Mentalmagie in der Zauberei erstmals wieder auf einer Bühne und die war beim spätsommerlichen Kleinkunstwochenende an der Lauer wie eine Erlösung.

In gut zwei Stunden wurde Fantastisches gezeigt, eigentlich Unmögliches vollbracht und Wunder neu definiert. Ganz entscheidende Antworten auf Fragen, die an diesem Abend ihm hätten auch gestellt werden können, gibt Christoph Kuch gleich zu Anfang. So, als ob er schnell zu seinen eigentlichen Experimenten kommen wolle.

Lottozahlen voraussagen?

Da jeder vom Glück träumen würde, nannte er aus den mehrjährigen Forschungsergebnissen des britischen Psychologen Richard Wiseman die Erkenntnis, dass "Glück zu haben" in erster Linie eine sehr subjektive Einschätzung ist und der Mensch bei der Selbstwahrnehmung auch eher eine Selbstüberschätzung vornimmt. Also Lottozahlen voraussagen könne er nicht und wann man einen Autounfall erleide auch nicht.

Der Rest des Programms zeigt dann doch die Möglichkeiten nach jahrelangem Training und einem besonderen Talent ein charismatischer "Besserwisser" zu sein.

Da schreibt ein Gast die Zahl 89 unsichtbar für Christoph Kuch und der macht ausgerechnet beim ersten Gag einen vermeintlichen Fehler, denn die Antwort auf seiner Tafel mit viermal vier Zahlen ist nicht sichtbar. Zählt man doch die Zahlen waagrecht und senkrecht, sowie diagonal zusammen kommt immer 89 heraus. Natürlich gehört Suggestion und Manipulation bei dieser Show zum Handwerk des Entertainers, die Zuschauer lassen sich bewusst auf eine Verführung ein - sie zahlen ja dafür - und versuchen oft genug die gezeigten Fakten in ihrem eigenen Spielgeist zu hinterfragen.

Zauberwürfel in zwei Minuten

Das Spiel mit Zuschauern gehört in der Magieschau zur selbstverständlichen Aktion. Nur wenige Gags werden vom Künstler solo erledigt. Millionen Zauberwürfel haben in den achtziger Jahren die Welt überschwemmt. Nicht Wenige haben das Farbenspiel nach einiger Zeit überlistet. Christoph Kuch zeigt die Fingerfertigkeit mit verbundenen Augen in zwei Minuten.

Seien es Hilfen zum Halten von Gegenständen oder der Totaleinsatz als Malerin oder Kartenspieler, mit den Einlassungen des Magiers verlieren auch die Gäste aus der letzten Reihe, die sich plötzlich auf der Bühne wiederfinden, das Lampenfieber.

Kuch führt die Assistenz behutsam an sein Vorhaben heran, auch wenn plötzlich Blutverlust drohen kann. Ein senkrecht stehender, großer Nagel wird von Johanna im Verborgenen unter einem von vier Pappbechern versteckt. Weder die Zuschauer noch der Künstler haben gesehen, unter welchem Trinkobjekt das spitze Ding zu finden ist. Nach und nach schlägt die Zauberhand auf die Becher. Es macht angst und gleichzeitig sprachlos, als er den "gefährlichen" Becher lupft.

Bürgermeister vor Ort sind auch für Mentalkünstler eine willkommene Gelegenheit, Spielchen zu treiben. Andreas Trägner, der Zweite im Bürgermeisteramt, hatte eingangs begrüßt und auf die Hygieneregeln hingewiesen. Mit einem großen Danke an das "Kreativ-Team" aus dem Deutschordensschloss und an Susanne Will, die den Kontakt zu den Künstlern herstellte, verband er den Wunsch nach weiteren Auftritten vor Ort.

Mit Gefühl

Nun stand er wieder auf der Bühne und wurde zum Fühlen aufgefordert. Christoph Kuch weiß wohl, dass die Einfühlsamkeit von Bürgermeistern zu den Kerneigenschaften gehören sollten. Andreas Trägner tat sein Bestes, es war aber nicht gut genug für die Suggestionskünste des Zauberers. Was sich im Verborgenen anfühlte wie ein Schwamm war ein Steinbrocken und ein vermeintlicher Teelöffel stellte sich als Schöpfkelle heraus. Schadenfreude? Keine! Zum Glück war "ich" nicht da oben, dachte wohl jeder.

So zwischendurch konnte Christoph Kuch mit Verhörhämmern aufwarten, er trank im Rotwein eingelegte Stecknadeln und holte sie wieder heraus und sortierte auf imaginäre Weise Spielkarten. Rainer, Silvia und Veronika spielten Karten, aber so, wie es der Künstler voraussagte. Dabei ist doch alles so gut im Publikum gemischt worden.

Gemischt sind auch die Umschläge, von denen einer ein Gewinnspiel enthalten soll. Und wer freut sich denn nicht über das Glück eines Gewinns. Sie ahnen es schon, wer den Preis gewonnen hat? Er blieb sozusagen auf der Bühne. Das Entscheidende ist aber das Wie! Die Nieten waren farbig und am Ende saßen die Mitspielerinnen und der Mitspieler auf den farbgleichen Stühlen.

Die Mentalshow lief vollkommen Corona gerecht ab. Distanz auf der Bühne, Maske bei der Bewegung im Publikum. Christoph Kuch sprach davon, Programmpunkte auf die besondere Situation ausgerichtet zu haben. Es funktioniert also.