Die Suche nach einer ausreichend großen Gewerbefläche für die Betriebsverlagerung der Firma Seger Transporte geht weiter. Doch die Stadt steht unter Druck - nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell. Wie Firmeninhaberin Christine Seger in der Stadtratssitzung ausführte, hat sie mittlerweile mehrere Angebote von auswärts erhalten. An diesem Preis muss sich die Stadt orientieren. Außerdem sind dort bereits erschlossene Gebiete vorhanden. In Münnerstadt würde es nach einer erfolgreichen Suche mindestens noch einmal ein bis zwei Jahre dauern, bis gebaut werden könnte. Trotzdem hält Christine Seger derzeit noch am Standort Münnerstadt fest und hofft, dass sich eine Fläche auftut.
Seitdem ihre Suche öffentlich geworden ist, habe sie Angebote aus ganz Unterfranken erhalten, erklärte Christine Seger in der Stadtratssitzung. Ihr Ziel sei weiterhin in Münnerstadt zu bleiben. "Aber es muss bezahlbar sein", machte Seger deutlich. Der Markt Maßbach habe vorgelegt. In Poppenlauer habe Bürgermeister Matthias Klement Gewerbeflächen für 30 Euro den Quadratmeter angeboten. Wenn Münnerstadt dann das Doppelte für mögliche Flächen verlangen würde, könne sie das wirtschaftlich nicht darstellen.
Bei mindestens 70 Euro lag die Kalkulation für ein interkommunales Gewerbegebiet mit Burglauer, das mittlerweile gestorben ist. Vom Gemeinderat Burglauer wird eine Erschließung als nicht wirtschaftlich angesehen.


Niedrige Preise

Der Maßbacher Bürgermeister Matthias Klement bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung, dass Christine Seger auf ihn zugekommen sei und sich Informationen über das Gewerbegebiet in Poppenlauer eingeholt habe. Man könne sofort eine Fläche für 30 Euro pro Quadratmeter anbieten, betont Klement. Mit diesem Preis werbe der Markt auch im Internet um gewerbliche Ansiedlung. Bislang hat sich trotz des auch nach Meinung von Fachleuten äußerst günstigen Preises aber noch kein Interessent gefunden.
Die vom Markt Maßbach genannten 30 Euro sind Inklusiv-Kosten, also mit Erschließung. Diese Preisgarantie gibt der Markt, obgleich das Gelände noch gar nicht erschlossen ist. Man wolle sehr flexibel auf die Wünsche eines Interessenten reagieren können, erklärt Klement. Ein Bebauungsplan sei vorhanden, so dass nur eine Änderung des Planes nötig und eine Erschließungsreife ungefähr in einem halben Jahr erreichbar wäre.


Wenige Alternativen

Die Stadt Münnerstadt klopft derweil weitere Möglichkeiten ab. Geprüft werde , so die Information des Bürgermeisters in der Stadtratsitzung, die Erweiterung der Hörnau in Eigenregie. Für die Zufahrt mit Lastverkehr wäre ein Brückenau über die Lauer nötig, damit der Verkehr aus der Hörnau und über die Lache auf die Entlastungsstraße geleitet werden könnte. Die Kosten gab Blank in der Sitzung mit 1,4 bzw. 1,6 Millionen Euro an.
Wie Blank mitteilte, hätte zudem ein Grundstückseigentümer eine Fläche zwischen Münnerstadt und Althausen direkt der Staatsstraße angeboten und signalisiert, dass weitere Eigentümer Gespräche führen würden.
Man sollte sich auch die Flächen am Schindberg II nochmals ansehen, meinte Helmut Blank. In Verlängerung der bestehenden Straßenmeisterei hatte die Stadt vor Jahren Vorhalteflächen für ein Industriegebiet ausgewiesen, diese sind aber zugunsten der Erschließungspläne in der Unteren Au (Lauertal in Richtung Bad Neustadt) aufgegeben worden.


Gespräche mit Strahlungen

Auch ein weiteres Gebiet, das die Münnerstädter schon einmal erschließen wollten und wegen der Unteren Au zu den Akten gelegt hatten, wird jetzt wieder aus der Schublade geholt. Wie Blank in der Sitzung ausführte, gebe es Kontakte nach Strahlungen. Die Bürgermeisterin der Gemeinde, Karola Back, bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung, dass sie sich mit der Stadt Münnerstadt in Verbindung gesetzt hat. Die Strahlunger wünschen sich seit langem eine Zufahrt auf den Autobahnzubringer an der Zent. Ein solcher Auffahrtkreisel war im Zuge des Autobahnbaus auf Münnerstädter Seite angedacht worden, um an der Zent ein Gewerbegebiet auszuweisen. Die Stadt hatte auch die Zusage, dass dieser Kreisel für sie kostenneutral gebaut wird. Weil die Bauleitplanung nicht einfach war und die Untere Au interessanter erschien, wurde dieses Gebiet verworfen.


Vorteile für beide Seiten

Nun sieht Karola Back eine Chance, dass der in Strahlungen gewünschte Kreisel zur Autobahnauffahrt doch kommen könnte. Die Bürgermeisterin der Nachbargemeinde bietet auch landwirtschaftliche Tauschflächen an, damit der Landwirt, auf dessen Feld die Zufahrt gebaut werden müsste, keine Nachteile erleidet.
Das Gewerbegebiet brächte für beide Kommunen Vorteile, ist sich Karola Back sicher. Die Stadt hätte eine geeignete Fläche, um die Firma Seger zu halten und eventuell sogar noch weiteres Gewerbe anzusiedeln; die Strahlunger bekämen ihre schnelle Auffahrt.
Back ist überzeugt, dass auch die Münnerstädter Geschäftswelt profitieren könnte. Münnerstadt wäre als Einkaufsziel für Strahlungen deutlich schneller erreichbar, als das heute der Fall sei. Back betonte zudem, dass der Zentkreisel im Sinne des neuen Rindhof-Eigentümers (Golfplatz Maria Bildhausen) sei, da dadurch die Anlage besser an die Autobahn angebunden wäre.
Missstimmungen im Stadtrat gab es natürlich auch wieder zu diesem Thema. Bürgermeister Helmut Blank hatte bekannt gegeben, dass die Stadträte Leo Pfennig und Dieter Petsch der Firma Seger bei der Suche nach einer geeigneten Fläche als Berater zur Seite stehen. In diesem Zusammenhang stellte Blank den Vorwurf in den Raum, die Stadt hätte sich schon früher kümmern können, hätte Dieter Petsch die Stadt frühzeitig eingeschaltet. Petsch verwahrte sich heftig gegen den Vorwurf Informationen zurückgehalten zu haben.Sie treten das Ehrenamt mit Füßen", polterte Petsch. Er habe sich nur gekümmert. Auch Seger bestätigte, dass der Entschluss der Betriebsverlagerung erst im Juni gefasst worden sei.
In einer gesonderten Sitzung will sich der Stadtrat nochmals mit dem Thema befassen. Auf Bitte von Christine Seger wird dies in nichtöffentlicher Sitzung sein. Sie bat um Verständnis, dass diese Firmenangelegenheit nur im Gremium ausdiskutiert wird.