Die Sanierung der Stadtpfarrkirche wird seit Jahren geplant. Stadtpfarrer Pater Markus Reis hofft nun, dass 2017 endlich der offizielle Startschuss fällt. Wenn es nach dem Münnerstädter Statiker Peter Wolf geht, steht aus seiner Sicht dem Baubeginn im kommenden Jahr eigentlich nichts im Wege.
Wie Peter Wolf auf Anfrage betont, steht derzeit noch ein Gespräch mit einem Statiker des Landesdenkmalamtes aus. Dabei geht es darum, wie die Schäden am Nordflügel der Kirche behoben werden können. Diese Arbeiten sind nach Ansicht des Statikers erforderlich, ehe mit der eigentlichen Kirchen-Innenrenovierung begonnen werden kann.
Wenn dieses Abstimmungsgespräch zwischen Statiker und Landesdenkmalamt zu einem positiven Ergebnis gekommen ist, will Stadtpfarrer Pater Markus Reis sofort einen Termin mit dem Bischöflichen Bauamt vereinbaren, um dann die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Sein Wunsch wäre es auf jeden Fall, dass es im kommenden Jahr endlich losgeht.


Vorrangige Arbeiten

Bei der Abstimmung geht es um eine Frage, die immer wieder zu Diskussionen zwischen Statikern und Denkmalpflegern führe, erläutert Statiker Peter Wolf. Während Wolf moderne Hilfsmittel zur Sicherung des Nordflügels verwenden möchte, bevorzugt die Denkmalpflege die alten historischen Methoden mit Holzverbindungen.
Peter Wolf hat eine Verankerung über eine Art Stahlfachwerk vorgeschlagen. "Wir wissen, wo die Probleme liegen", betont er. Mit dieser Art der Verspannung würde sowohl der Druck auf die Außenmauer genommen als auch das Dach stabilisiert. Die Stabilisierung hält Peter Wolf für dringlich. Derzeit sei der Druck auf die Außenmauer des Nordflügels durch die Mängel am Dachstuhl bereits so groß, dass das Mauerwerk an einer Stelle um fast 30 Zentimeter nach außen gedrückt wird und einen mit bloßem Auge sichtbaren Bauch bildet.
Die Stahlverankerung sei langlebig und könne bei Bedarf nachjustiert werden, so Wolf. Beim anstehenden Gespräch wird dieser Vorschlag nochmals mit dem Landesamt für Denkmalpflege diskutiert. Wolf will die Vorteile seiner favorisierten Lösung darlegen.
Die Planungen zur Kirchenrenovierung nutzt die Denkmalpflege, Altersbestimmungen am Dach der Kirche durchzuführen. Mitte August wurden bereits Holz-Proben entnommen. Stadtpfarrer Pater Markus Reis leuchtet im Dachstuhl mit seinem Smartphone ein winziges Bohrloch in einem Dachbalken an, wo eine solche Probe entnommen wurde.


Erkenntnisse zur Baugeschichte

In den nächsten Tagen wird erneut ein Team der Denkmalpflege erwartet, um Proben zur Altersbestimmung des Dachstuhles zu ziehen. Die Denkmalpflege will die Daten zur Bau- und Veränderungsgeschichte der Stadtpfarrkirche absichern und zusätzliche Erkenntnisse gewinnen. Die erste Ermittlung vom August hat ergeben, dass die Sparren und liegende Stuhlsäule der Dach-Grundkonstruktion aus der Zeit nach 1607 stammen. Ein langer Längsüberzug über den Dachbalken wird ins Jahr 1578 datiert. Nachträglich eingebaute Hölzer sind unter anderem aus dem Jahr 1844. Das Landesdenkmalamt weist darauf hin, dass der Pfarrei dadurch keine Kosten entstehen werden.


2017 keine Firmung

Im Hinblick auf die bevorstehende Kirchenrenovierung hat Pater Rudolf Götz nach Rücksprache mit den Pfarrgemeinderäten beschlossen, die Firmung im Jahr 2017 ausfallen zu lassen und erst wieder im Sommer 2018 eine Firmung in Münnerstadt anzubieten. Denn es ist nicht sicher, ob die Stadtpfarrkirche im Sommer noch für Gottesdienste zur Verfügung steht. Während der Sanierungsarbeiten wird das Gotteshaus einige Zeit nicht genutzt werden können. Allerdings ist die Kirchenrenovierung nicht der einzige Grund für diesen Entschluss. Die Entscheidung sei auch gefallen, weil im kommenden Jahr zu wenig Jugendliche für einen Firmgottesdienst vorhanden sind, erläutert Pater Markus. Eine Gemeinde muss mindestens 30 Firmlinge haben, damit ein Bischof kommt.
Für Pater Rudolf hat die Lösung auch den Vorteil, dass ein Teil der Jugendlichen dann schon ein Jahr älter ist, also 14 Jahre. Der Trend gehe in vielen Gemeinden hin zu einem höheren Firmalter.