Die Idee wurde 2006 geboren. Damals saß der Präsident des Bundes der Selbstständigen, Ingolf F. Brauner, mit Kollegen zusammen, sie sprachen über die Möglichkeiten, Azubis fortzubilden. Erstes Fazit: Die Großen können das, wir kleinen Mittelständler bleiben auf der Strecke. Doch damit wollte sich der BDS nicht zufriedengeben und rief die Azubi-Akademie ins Leben.
In vielen Regionen Bayerns arbeiten diese Azubi-Akademien bereits.
32 sind es inzwischen, darunter in Würzburg und im Landkreis Main-Spessart. Nun soll in Bad Kissingen eine weitere Akademie hinzukommen.
"Ziel ist es, die Auszubildenden kleinerer, mittelständischer Betriebe über die Berufsschule hinaus weiterzubilden, ohne dass das die Unternehmen etwas kostet", sagt Frank Bernard vom BDS. Deshalb sollen die Fortbildungen möglichst in den Betrieben, aber auch mit Partnern wie der Berufsschule und dem Landratsamt stattfinden. "Jedes Unternehmen, das einen Azubi auf die Akademie schickt, sollte eine Gegenleistung erbringen", sagt Bernard. Nicht finanziell, sondern in Form von Referaten und über die Bereitstellung von Räumen. Frank Bernard spricht von einem "Geben und Nehmen".
Laut BDS soll es in diesen Seminaren um Dinge gehen, die in der Berufsschule nicht stattfinden. Auf dem Lehrplan stehen zum Beispiel Themen wie Azubi-Knigge, Beschwerdemanagement, Problemlösungstechniken, Gesundheit am Arbeitsplatz und Computerkurse.
Der BDS ist sich darüber klar, dass nicht jeder Unternehmer auch ein Coach sein kann. Deshalb setzt der Bund der Selbstständigen auch eigene Referenten ein.
"Im Raum Bad Kissingen sind neben dem Einzelhandel besonders die Bereiche Hotellerie und Gastronomie interessant", sagt Bernard. Wobei natürlich auch alle anderen Branchen - von der Bauwirtschaft bis hin zum öffentlichen Arbeitgeber - angesprochen sind.

Das Bestmögliche mitgeben

Als erste Kommune hat der Markt Burkardroth sein Interesse bekundet. Zwar hat die Gemeinde gerade keinen Auszubildenden, erst im Herbst wird wieder eingestellt. "Diesen jungen Leuten wollen wir das Bestmögliche mitgeben", betont der geschäftsführende Beamte des Marktes, Gerhard Zeller.
"Das ist eine tolle Idee", sagt auch Nikola Renner von der Unternehmensgruppe Otto Heil. Eine Azubi-Akademie könne mithelfen, Kräfte zu bündeln und Synergieeffekte zu nutzen. Sie kann sich vorstellen, dass sich die Firma Heil auch mit Referenten beteiligt.
Das Landratsamt denkt ebenfalls über eine Beteiligung nach. "Wir nehmen am Info-Abend teil und werden hausintern beraten, inwieweit wir mitmachen", so der Wirtschaftsförderer des Landkreises Frank Bernhard. Zunächst einmal stellt das Landratsamt den großen Sitzungssaal für die Auftaktveranstaltung am 16. März um 18.30 Uhr zur Verfügung

Blick über den Tellerrand

Ein Seminar wird laut Frank Bernard um die vier Stunden dauern und alle drei bis vier Wochen stattfinden. Das Prinzip der Akademie sei es, dass bis maximal 25 Auszubildende branchenübergreifend geschult werden. Auszubildende würden so mit Firmen, Fachgebieten und Aufgaben konfrontiert, die nicht im Lehrplan stehen und sehr praxisorientiert aufgebaut sind. "Miteinander arbeiten und voneinander lernen ist eine Maxime der Akademie", sagt Bernard. Der BDS ist sich sicher: Besucher der Azubi-Akademie blicken über den Tellerrand hinaus und schneiden besser ab, als ihre Kollegen.