Einatmen, Ausatmen: Ommm. Einatmen, Ausatmen, Schlüssel drehen: Wromm! Meditieren und Mustang fahren haben auf den ersten Blick nichts gemeinsam. Aber beim zweiten Blick kommt die Erleuchtung - ruhig, ganz ruhig und entspannt genießen Fahrer und Beifahrer das Hier und Jetzt des Cruisens.
Der Kurs "Rhön-Mustang-Meditation" fördert unbedingt Achtsamkeit, Konzentration und beinhaltet zudem einen herrlichen Spaßfaktor in einer traumhaften Landschaft.
Bei der
"Rhön-Mustang-Meditation" geht es darum - im wahrsten Sinn des Wortes - den Augenblick zu erfahren. Das Phänomen beginnt schon vor dem Moment in dem der Schlüssel sich im Zündschloss dreht, es beginnt bereits mit dem ersten Blick auf den Wagen.


Zurück ins Jahr 1966

Gut, bei jeder anderen Meditation schließen die Kursteilnehmer am Anfang der Übung die Augen, bei diesem Kurs verhält es sich anders. Neugierig blickt man sie an, diese Version aus dem Jahr 1966. Sie glänzt in saharabeige mit farblich harmonierender Innenausstattung, ohne Kopfstützen, ohne Schnickschnack, dafür mit Bauchgurt und dem Geruch der Rock'n'Roll Jahre im Leder. Es riecht ein bisschen nach Benzin und Öl und eben genau so, wie Autos damals gerochen haben.
Achtsamkeit bedeutet, bewusst wahrnehmen - also, noch einmal schnuppern, setzen, Türen schließen.
Dann ist Zeit sich auf die Reise zu begeben, Zeit, zu meditieren. Der Weg ist das Ziel und so kommt es, dass Fahrer und Beifahrer im Mustang nicht einfach eines der modernen und mobilen Navigationsgeräte einschalten um Wasserkuppe oder Bischofsheim einzugeben. Bei der Rhön-Mustang-Variation nimmt man sich die Muße, eine ganz konventionelle Straßenkarte zu Rate zu ziehen.
Es geht nicht darum, schnell zu sein, es geht darum, das Herz zu öffnen für die Reise, die Landschaft, die Tiere, die Menschen - kurz, das Universum aufzunehmen, dem man von Bad Kissingen aus begegnet.
Bereits beim Start gelingt es mühelos das Universum auf Maschinen zu erweitern: Jedem Pony-Car-Fan jagt das Geräusch des anspringenden acht Zylinder Motors einen wohligen Schauer über den Rücken - er kündigt an, dass die Fahrt beginnt.
Über Waldfenster führt die Straße der Sehnsucht nach Wildflecken, vorbei an Wiesen, Wäldern und Feldern auf denen fleißig Landwirte in der Hitze des Sommers in ihren Traktoren Staub aufwirbeln. Ja, man spürt sie deutlich die Empfindung und nennt sie beim Namen: Hitze.


Die Töne von damals

Das Auto, in dem die Fußmatten von einem galoppierenden Pony, dem Logo des Mustang, geziert werden, hat natürlich keine Klimaanlage. Wozu auch? Per Hand lassen sich die Scheiben herunterkurbeln, der warme Wind weht in den Wagen, aus dem Radio rocken die Rolling Stones "I can (t)get (no) Satisfaction" und George Harrison von den Beatles trällert "Here comes the Sun" - was für ein schöner Zufall. Auch Musik ist Meditation.
Nebenbei fallen andere Töne auf, denn der Blinker klingt - wenn man ganz genau hineinhorcht - wie ein galoppierendes Pferdchen: Tribtrab, Tribtrab, Tribtrab.
Erster Stopp ist an der Wasserkuppe im hessischen Landkreis Fulda. Auf bayerischer Seite ist der Kreuzberg zu finden, . Auf der Wasserkuppe kreisen Paraglider und Flieger rund um das Areal des Radom, das einst militärischen Zwecken diente. Auf dem Kreuzberg locken das Kloster mit Biergarten und das Erklimmen der vielen Stufen bis hin zu den drei Golgata-Kreuzen. Eine wunderbare Verbindung von Sitz- und Gehmeditation!


Wilde Zeiten mit den Amis

In Gedanken vertieft laufen Fahrer und Beifahrer zum Auto und werden dort von Wanderern begrüßt. "Ein schöner Wagen" kommentiert einer und "Das waren noch wilde Zeiten, als die Amis hier waren", erinnert sich ein anderer.
Herzensgüte nennt sich diese Meditation, Güte, Wohlwollen sich selbst und anderen gegenüber werden augenblicklich spürbar.
Mit einem Lächeln lassen sich Fahrer und Beifahrer in das Leder gleiten, nehmen auch ohne Lotus-Sitz eine entspannte Haltung ein und kurven weiter.
Merkmale der erfolgreichen Meditation sind deutlich erkennbar: Man fühlt sich innerhalb kürzester Zeit wacher, negative Gedanken weichen, der Stress lässt nach. Meditation soll helfen, Ängste abzubauen. Welche Ängste? Es gibt keine.
In Fladungen warten ein Rundgang durch das Freilandmuseum und ein Essen unter schattigen Kastanien. Entspannt führt der Weg, der das Ziel ist, nach Bischofsheim, von hier aus geht es durch das Schmalwassertal, Bad Neustadt, Hohn und Schloss Aschach zurück nach Bad Kissingen.
Speziell im kurvenreichen Schmalwassertal kommt der Meditierende noch einmal heftig ins Schleudern, aber das ist ja auch Sinn der Sache, sich auch mal dem Zweifel hingeben zu dürfen. Wichtig ist ja nur, wieder zurück zu finden zur Meditation, sich achtsam auf den Weg zu konzentrieren im Hier und Jetzt.