"Sing and pray" schallt es durch die Fußgängerzone als der Chorumzug mit den Gospel Kinderchor an der Spitze und Dorothea Greder mit Regionalbischöfin Gisela Bornowski am Schluss, sich einen Weg vorbei an Geschäften und voll besetzten Cafés zur Erlöserkirche bahnt. Dort wurde die Ordination der fertig ausgebildeten Pfarrerin gefeiert.

Nach einer langen Ausbildung und vielen Umzügen ist Dorothea Greder angekommen. Am 1. März hat sie ihre Arbeit mit Schwerpunkt Taufen, Kinder und Familie in der evangelischen Gemeinde in Bad Kissingen aufgenommen. "Jetzt mag ich erstmal nicht mehr umziehen", sagt die junge Pfarrerin. Geboren in Nürnberg und aufgewachsen in Bayreuth, ist sie nach dem Studium nach Ingolstadt gezogen, um dort ihr Vikariat - vergleichbar mit dem Referendariat bei Lehrern - zu absolvieren. Zwischendurch ist sie noch Mama von zwei Söhnen geworden, die jetzt zwei und vier Jahre alt sind. Beste Voraussetzungen also für die Schwerpunkte in ihrer neuen Arbeit: "Wenn mir Eltern im Taufgespräch erzählen, dass sie die ganze Nacht kein Auge zugetan haben, dann kann ich das absolut nachfühlen", sagt sie lachend.

Obwohl sie Tochter eines Pfarrer-Ehepaars ist, war nicht von vorn herein klar, wie ihre berufliche Zukunft aussehen wird: "Meine Eltern haben nie gesagt: Du musst in die Kirche gehen", erklärt Greder, "wir haben viel diskutiert und sie haben meine Meinungen akzeptiert und so stehen gelassen. Aber durch sie wusste ich natürlich, auf was ich mich einlasse." Als sie sich als Leiterin in der evangelischen Jugendarbeit engagierte, hat sie mit dem Gedanken gespielt, Sozialpädagogik zu studieren, "aber im Beruf der Pfarrerin ist es eher möglich, den eigenen Arbeitsschwerpunkt je nach Lebensphase zu ändern. Jetzt sind für mich Taufen, Kinder und Familie genau das Richtige und später kann es etwas anderes sein."

Alles, nur nicht langweilig

Ihre Arbeit ist vielfältig und alles andere als langweilig. Ein Großteil ihrer Zeit nehmen an die 50 Taufen im Jahr in Anspruch, da sie mit allen Eltern einzeln das Fest bespricht. Hinzu kommen Kindergottesdienste, Kinderbibeltage, Bestattungen, normale Sonntagsgottesdienste, Religionsunterricht und auch mal Sonderaktionen, wie zum Beispiel eine ökumenische Tiersegnung. "Da reicht eine 48-Stunden-Woche oft nicht aus, denn wir haben ein großes Gemeindegebiet mit mehreren Predigtstellen in denen regelmäßig Gottesdienste stattfinden", so Greder.

Kein Nine-to-five-job

Und wie schafft eine junge Pfarrerin den Spagat zwischen Arbeit und Familie? "Das ist kein Nine-to-five-job. Nicht ganz so feste Arbeitszeiten zu haben ist einerseits toll, andererseits auch ein Fluch", erklärt Greder. "Zu Mittag kann die ganze Familie am Tisch sitzen und nachmittags ist auch mal ein Schwimmbadbesuch drin, aber dafür gibt es Abendtermine oder ich arbeite, wie viele junge Eltern, nachts, wenn die Kinder schlafen." In gut einem Jahr, wenn ihr Ehemann mit seinem Vikariat fertig ist, wird es entspannter, dann teilen sich die Eheleute ihre Stelle.

Mit Dorothea Greder ist das neue Team der Kirchengemeinde Bad Kissingen komplett. Der Kirchenvorstand hatte die außergewöhnliche Situation der letzten zwei Jahre genutzt, um die Arbeit der verschiedenen Pfarrstellen nach inhaltlichen Schwerpunkten neu zu strukturieren. Pfarrerin Greder will erstmal ihre Gemeinde kennenlernen und schauen was möglich ist, bevor sie ihre Ideen einbringt. Mit dem Bau eines neuen Gemeindehauses steht jedenfalls schon mal ein spannendes Projekt an.