Mit der Umstellung auf die Sommerzeit werden einige Menschen krank werden. Das belegen Umfragen wie eine der DAK. Laut dieser kommen in den ersten drei Tagen nach der Zeitumstellung 25 Prozent mehr Patienten mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus als im Jahresdurchschnitt. Vermeiden lässt sich das nur schwer. Betriebswirt Michael Wieden kennt ein Mittel, um besser mit der Zeitumstellung zurechtzukommen. "Möglichst viel Licht", sagt er.
Seit 2003 beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Chronobiologie und der inneren Uhr.

Wichtig sei, sich unter Naturlicht zu begeben und sich in der Woche davor schon einen Schlafrhythmus anzugewöhnen, der in der Woche nach der Umstellung beibehalten werden kann. Doch nach der inneren Uhr zu leben ist nicht einfach. Schon der Wecker, der bei vielen Menschen morgens klingelt, bringt die innere Uhr aus dem Takt. Am Wochenende versucht der Körper dann wieder in seinen natürlichen Rhythmus zurückzugelangen.

Verschiedene Chrono-Typen

Am Institut für Medizinische Psychologie der Münchner Universität wird nach sieben Chronotypen unterschieden. Die meisten Menschen schlafen von 0.15 Uhr bis 8.15 Uhr, wenn sie keinen Verpflichtungen (zum Beispiel Arbeitsbeginn) nachkommen müssen. Diese Menschen werden als "Normaltyp" bezeichnet.

Die Arbeitswelt läuft also bei vielen Menschen komplett gegen die innere Uhr. Jeder, der durch den Wecker geweckt werden muss, bricht die benötigte Erholung ab. "Beim Schlaf erwartet die Gesellschaft, dass er nicht zu Ende geführt wird", sagt Wieden, "beim Friseur würde man das nicht akzeptieren, wenn er seine Arbeit nicht beendet." Seiner Meinung nach sollten sich Arbeitgeber in Zukunft auf die Schlafgewohnheiten der Menschen einstellen.

Besonders im Hinblick auf das Anwerben von Fachkräften, müsse dieser Punkt beachtet werden. "Bei immer mehr Menschen steht nicht das Geld, sondern die Arbeitsbedingungen im Fokus", begründet Wieden. Das Beachten der Schlafgewohnheit bedeute eine Erhöhung der Lebensqualität und sei ein großer Anreiz für Arbeitnehmer.

Das Projekt ChronoCity

Dieser Anreiz ist bei manchem Arbeitgeber in Bad Kissingen bereits gegeben. Nicht umsonst hat sich die Stadt im Zuge der Zusammenarbeit mit der LMU München und der Universität Groningen zur "ChronoCity" ernannt. Das Projekt stößt international auf Aufmerksamkeit.

Neben dem New Yorker Online-Magazin "The Atlantic" berichteten bereits englische und schweizer Medien. "Das ist kein Nischenthema", sagt Wieden, "das betrifft jeden Menschen auf dieser Welt, jede Sekunde." Es sei ein Thema, mit dem permanent Aufmerksamkeit erregt werden könne, ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.