Bereits im vergangenen Jahr hat der Kulturausschuss beschlossen, den neuen Erweiterungsbau mit Kunst aus der israelischen Partnerregion Tamar zu verschönern. Eine Delegation aus dem Landkreis Bad Kissingen hatte bei einer Fahrt 2017 aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der Partnerschaft den dort lebenden Künstler Yosef "Jojo" Ohayon kennengelernt. "Wir sind in Kontakt mit dem Künstler, die Vorplanungen dafür laufen", fasst Cordula Kuhlmann vom Regionalmanagement des Landratsamtes den aktuellen Sachstand zusammen.

"Aufgrund der aktuellen Situation wird die Umsetzung jedoch noch einige Zeit benötigen", verweist Kuhlmann auf die Corona-Pandemie. Sobald die Verwaltung mit dem Künstler eine Vorschlagsliste erarbeitet habe, werde in einer der nächsten Sitzungen des neuen Kulturausschusses erneut über den Ankauf beraten.

"Kultureller Austausch ist ein wichtiger Faktor, um Partnerschaften zwischen Kommunen lebendig zu gestalten", warb Felix Gantner für den Kauf von Kunstwerken aus Israel. Gantner ist im Regionalmanagement für den Bereich Kultur zuständig. Er verwies in der Sitzung darauf, dass Deutschland mit Abstand die meisten kommunalen Partnerschaften aller europäischen Länder habe, aktuell geschätzt rund 6500. Den Kontakt zwischen den Landkreisen Bad Kissingen und Tamar hatte Joske Ereli ins Leben gerufen: Ereli wurde 1921 als Hans-Josef Ehrlich in Bad Kissingen geboren. 1993 besuchte er seine Geburtsstadt, seit 1995 gibt es einen Jugendaustausch mit Tamar, 1997 wurde die offizielle Partnerschaft besiegelt.

Neben den gegenseitigen Besuchen soll nun im Erweiterungsbau, dem neuen Gebäudeteil C, Kunstwerke "die Partnerschaft sichtbar machen": "Der öffentliche Raum in einem Verwaltungsgebäude bietet eine sehr gut geeignete Plattform, interkulturellen Austausch zu unterstützen und die breite Bevölkerung einzubeziehen", sagte Gantner im Kulturausschuss. Im Gebäudeteil C seien zudem die Koordinierungsstelle Asyl und die Ausländerbehörde untergebracht.

Der 1958 in Casablanca (Marokko) geborene Künstler Yosef "Jojo" Ohayon sei der aktuell bekannteste Künstler aus der Region Tamar. In seinem Atelier nahe des Toten Meeres fertige er unter anderem flache Metall-Skulpturen mit farbigen Beschichtungen, die er auch in seiner Galerie in Tel Aviv ausstellt.

Landrat Thomas Bold (CSU) berichtete vom Besuch in der Werkstatt des Künstlers. Die speziellen Legierungen und vor allem die Interaktion der dünnen Skulpturen mit dem Hintergrund könne er sich gut an den Beton-Wänden des Erweiterungsbaus vorstellen. Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung, Verhandlungen aufzunehmen und Kunstwerke bis zu einem Wert von 10 000 Euro auszuwählen. Wichtig war den Kreisräten, dass auf Info-Tafeln oder -Würfeln die Herkunft des Künstlers und der Bezug zum Landkreis erläutert wird.

Offen blieb, ob lieber mehrere Werke aus dem Bestand des Künstlers gekauft werden sollen oder der Landkreis Auftragsarbeiten bestellt. Der mittlerweile ausgeschiedene SPD-Kreisrat Wolfgang Görner sprach sich gegen Sonderanfertigungen aus und favorisierte lieber mehrere Kunstwerke über das Gebäude verteilt. Laut Gantner komme ein Kunstwerk "von der Stange" auf rund tausend Euro, es wären also bis zu zehn möglich. "Lieber eine Mona-Lisa" fasste dagegen CSU-Kreisrat Harald Hofmann seine Forderung nach einer individuellen und möglichst einmaligen Lösung zusammen. Auch andere Kreisräte erhofften sich einen besonderen Entwurf mit Bezug zur Partnerschaft der Landkreise. Nach der Grundsatz-Entscheidung des alten Kulturausschusses fällt in den kommenden Monaten der neu zusammengestellte Kulturausschuss die endgültige Entscheidung.