LKR Bad Kissingen
Kita

Landkreis Bad Kissingen: "Es fehlt an Wertschätzung"

Laut einer Bertelsmann-Studie fehlen in naher Zukunft 230.000 Erzieherinnen und Erzieher. Doch bereits jetzt ist die Situation angespannt. Woran das liegt und was passieren muss, damit die Schulkindbetreuung ab 2026 nicht scheitert.
Kinder brauchen eine gute Betreuung in der Kita. Doch dazu braucht es auch ausreichend Personal. Foro: Uwe Anspach/dpa
Kinder brauchen eine gute Betreuung in der Kita. Doch dazu braucht es auch ausreichend Personal. Foro: Uwe Anspach/dpa

Das "Fachkräfte-Radar für Kita und Grundschule" der Bertelsmannstiftung legt nahe: Bis 2030 wird es schwierig, eine kindgerechte Betreuung zu gewährleisten. Noch ist der Betreuungsanspruch für Grundschulkinder nicht in Kraft - er greift ab 2026 - und dennoch ist bereits jetzt ein Mangel zu spüren. Aus dem Landratsamt, das die Aufsicht über Kindertageseinrichtungen hat, heißt es: "Selbstverständlich ist der Fachkräftemangel in den Kitas auch im Landkreis Bad Kissingen spürbar." Dies mache sich an vielen Anrufen der Kitaleitungen bemerkbar. Sie schildern ihre Situation, wie sie sich um Fach- und Ergänzungskräfte bemühen, und ad hoc keine Lösung für dieses Problem finden.

Lage in der Ausbildung

Die Gründe für den Fachkräftemangel sind vielfältig: Für Georg Gißler vom Berufsbildungszentrum (BBZ) Münnerstadt, das Erzieherinnen und Erzieher, sowie Kinderpflegerinnen und -pfleger ausbildet, steht fest: "Es hat derzeit damit zu tun, dass sich die Struktur in der Betreuung geändert hat." Seit dem 1. August 2013 gibt es für Kinder ab einem Jahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.

Der Umzug in das neue BBZ vor zwei Jahren habe einen glücklichen Umstand: "Es ist für 800 Schülerinnen und Schüler konzipiert. Im alten Gebäude haben wir 600. Das hat sich als eine weise Entscheidung herauskristallisiert." So gibt es die Möglichkeit, vier statt drei Klassen zu unterrichten. Und auch die Lehrkräfte sind in Münnerstadt kein begrenzender Faktor. "Wir können dieses Jahr 100 Prozent des Pflichtunterrichts abdecken. Es gibt ein großes Interesse, in dem Bereich zu unterrichten", freut sich der Schulleiter.

Ausbildung um ein Jahr verkürzt

Das ist auch deswegen wichtig, da es im kommenden Schuljahr einen Doppeljahrgang geben wird. Um die Erzieherausbildung attraktiver zu gestalten, hatte die Regierung die Ausbildung um ein Jahr verkürzt - von fünf auf vier Jahre. Einen kleinen Schub habe das schon gegeben, meint Gißler, aber: "Ich glaube nicht, dass sich das hält. Ich denke, wir werden danach wieder drei Klassen haben."

Im Landratsamt sieht man als Gründe für einen Mangel an Erzieherinnen und Erziehern zum einen gestiegene Anforderungen an das Kitapersonal. "Zudem könnte in den nächsten Wochen auch die Inflation dazu beitragen, dass Elternteile früher als geplant wieder in die Erwerbstätigkeit zurückkehren - und damit die Zahl der Kinder in den Kitas weiter steigt." Die Situation führe in einen Teufelskreis: Die dadurch stressigere Arbeit könne sich abschreckend auf junge Menschen auswirken, die erwägen, diesen Beruf zu ergreifen.

Die Caritas Unterfranken hat zur Aufgabe, die Kitas in ihrer Trägerschaft zu unterstützen - sei es durch Fachberatungen, arbeitsrechtliches Beratung oder Gehaltsabrechnungen. Sebastian Schoknecht von der Pressestelle sagt: "Wir betreiben eine Jobbörse, die auf soziale Berufe spezialisiert ist. Da sehen wir natürlich, dass viele Kitas händeringend nach Erzieher- und Pflegepersonal suchen."

Bessere Rahmenbedinungen nötig

Ganz neu sei das nicht, aber: "Wir befürchten, dass sich das verschärfen könnte, wenn wir es gesellschaftlich nicht schaffen, die Rahmenbedingungen zu verbessern." Um Lohn und Gehalt gehe es dabei weniger, Caritas und Diakonie zahlten einen relativ guten Tariflohn. "Es geht um das Drumherum, beispielsweise die Förderung von Resilienz. Es ist ein stressiger Beruf." Erzieherinnen und Erzieher würden berichten, dass die Kinder immer verhaltensauffälliger würden.

Ein akuter Mangel habe mit dem Betreuungsanspruch von Kindern ab eins statt ab drei begonnen. Um mehr Kinder zu betreuen und wegen des engeren Betreuungsschlüssels für die Kleinen, war mehr Personal benötigt, das nicht da war. Die nächste Herausforderung komme 2026 mit dem Betreuungsanspruch für Schulkinder.

Was der Gesetzgeber tun müsste

Was müsste nun also vom Bund kommen? Schoknecht meint: "Er müsste sich mehr engagieren, um das gesamte Arbeitsfeld aufzuwerten. Es mangelt in diesem Land nach wie vor an Wertschätzung von sozialen Berufen." Dass die Kita ein Bildungsbetrieb ist - kognitiv aber auch Herzensbildung - das ist bei vielen nicht angekommen. "Viele denken, das Personal spielt den ganzen Tag einfach nur mit den Kindern. Dass das eine hochkomplexe Aufgabe ist, wissen wenige." Zudem würde das Personal sich eine Entbürokratisierung wünschen.

Aufgaben neu verteilen

Ebenfalls wichtig sei es, Aufgaben neu zu verteilen: "Wo brauche ich eine Erzieherin, wo eine Kinderpflegerin, was kann eine weniger qualifizierte Kraft machen? Muss eine Erzieherin den Tisch eindecken?" Die mangelnde Wertschätzung seitens des Bundes sieht Schoknecht auch in der Tatsache, dass die Lücke mit Quereinsteigerinnen und -einsteigern gefüllt werden soll. "Der Förster, der gerade nichts zu tun hat, soll sich um die Kinder kümmern? Aus Sicht der Caritas ist das keine Wertschätzung."

Kommentar von Ellen Mützel

Kinder brauchen eine gute Betreuung!

Die Bundesregierung schafft Rechtsansprüche, der Rest geht von allein?

Wenn es um die Pflege der Jüngsten und Schwächsten in unserem Land geht, schaut es leider immer sehr mau aus: Pflegekräfte in Altenheimen und Krankenhäusern fehlen, ebenso wie Erzieherinnen und Erzieher in Kitas.

Bei letzteren war es sogar ein Scheitern mit Ansage: Erst hat die Bundesregierung für 2013 einen Anspruch für die Betreuung von Kindern ab dem ersten vollendeten Lebensjahr beschlossen, nun die Nachmittagsbetreuung der Grundschulkinder ab 2026. Verstehen Sie mich nicht falsch - das ist natürlich gut, richtig und wichtig.

Aber wer so etwas beschließt, muss danach auch dafür sorgen, dass mehr Personal nachkommt. Wer sich die Schilderungen der Vertreter des Landratsamtes Bad Kissingen, des Berufsbildungszentrums und der Caritas Unterfranken durchliest, hat nicht das Gefühl, dass sich seitdem viel getan hat. Für die Zukunft schaut es nicht besser aus: Eine Studie von Bertelsmann sieht in den kommenden Jahren einen großen Mangel. Die Lücke von 230.000 fehlenden Fachkräften sei nicht dadurch zu füllen, mehr davon auszubilden, weil dafür Berufsschullehrkräfte fehlten. Auch mit Quereinsteigerinnen und -einsteigern würde es eng, da diese noch qualifiziert werden müssten.

Auf die Menschen, die derzeit bereits in Kitas arbeiten, werden spätestens ab 2026 harte Zeiten zukommen. Mehr Kinder bei gleichbleibendem Personal zu erziehen, ist schwierig. In diesem Alter sollten die Kleinsten die besten Möglichkeiten haben, sich zu entwickeln. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich für die Problematik schnell eine Lösung findet.