Das Staatsbad Bad Kissingen nicht nur als Standort für Gesundheitstourismus zu bewerben, sondern parallel dazu die Große Kreisstadt zu einem Zentrum moderner Gesundheitswirtschaft auszubauen, ist das strategische Ziel von Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD). Jetzt stellte er gemeinsam mit ansässigen Unternehmen zwei kurze, im Auftrag der Stadt produzierte Imagefilme vor, die online auf der städtischen Website, auf Facebook und Youtube abrufbar sind.

"Wir sind nicht nur Bismarck, wir sind auch Innovation." Mit diesem Satz machte OB Vogel deutlich, wohin der Weg führen soll. Viele Unternehmen aus den Bereichen der Gesundheitswirtschaft, der medizinischen Forschung und der industriellen Medizintechnik hätten sich in den vergangenen Jahren in der Kurstadt angesiedelt, ohne dass deren Potenzial für das Stadtmarketing und die Wirtschaftsförderung umfassend genutzt worden sei. Vogel: "Wir müssen die Bereiche Wirtschaft, Wissenschaft und Industrie miteinander vernetzen und einen Mehrwert für die Stadt schaffen."

Der Oberbürgermeister verwies auf die Wanderungsbewegungen aus und nach Bad Kissingen: Senioren ziehen gern in die Kurstadt, junge Kissinger suchen sich allzu oft ihre Arbeitsplätze in umliegenden Großstädten. Doch auch Bad Kissingen bietet qualifizierte Arbeitsplätze in zukunftsorientierten Wirtschaftszweigen, betonte Vogel. "Aber wir stehen im Wettbewerb mit den Metropolen." Ansässige Unternehmen sollen deshalb unterstützt und zusätzliche qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden.

Entwicklungskonzept

Doch neue Unternehmen brauchen Platz. Deshalb will der Oberbürgermeister in Kürze dem Stadtrat ein Gewerbeflächen-Entwicklungskonzept vorlegen, das nicht nur die Erschließung der noch freien, etwa zehn Hektar großen Freifläche im Norden des früheren Kasernengeländes vorsieht, sondern die Schaffung neuer Gewerbeflächen im Nordwesten der städtischen Gemarkungsgrenze.

Zunächst soll aber das Kasernengelände gefüllt werden, wobei mit dem zentralen Dreiecksgrundstück gegenüber der Polizei begonnen werden soll. Hier wünscht sich das Stadtoberhaupt Unternehmen mit qualifizierten und gut bezahlten Arbeitsplätzen. "Meine Schwerpunkte in der Unternehmensansiedlung liegen auf Innovation und nicht auf einem weiteren Kaufmarkt." Die Generierung zusätzlicher Gewerbe- und Einkommenssteuer ist sein Ziel.

Konkret auf Corona bezogen, wirbt die Stadt in einem 2,5-Minuten-Spot mit dem international operierenden Laborbetrieb Laboklin, dem Unternehmen Geratherm Respiratory, einem Hersteller von Geräten zur Lungenfunktionsdiagnostik mit Kunden in über 80 Ländern, sowie dem Zentrum für Telemedizin. Diese drei Unternehmen sind Beispiele für die vor Ort ansässige Fachkompetenz im medizinischen und medizintechnischen Bereich und schon seit Wochen mit ihrer Dienstleistung als Labor für Corona-Tests, als Hersteller von Medizintechnik oder mit Einsatz von Videokommunikationssoftware zur Erleichterung des zu Corona-Zeiten erschwerten Dialogs zwischen Hausarzt und Patient mit der Pandemie konkret beschäftigt.

Doppelt so lang dauert der die Gesundheitswirtschaft umwerbende Imagefilm, in dem auch andere Firmen vorgestellt werden und zu Wort kommen. Dienstleistungen oder Produkte dieser Firmen gehen "von Bad Kissingen in die Welt", heißt es im Film. Bad Kissingen biete "Chancen für Wachstum und Innovation". Mit beiden Filmen will sich die Stadt im nationalen Wettbewerb behaupten. Regisseur Max Kupfer, der bereits 2013 beim Staatsbad-Imagefilm "Phantasieland" Regie führte, mahnte zum sofortigen und intensiven Einsatz der Filme: "Heute muss man schneller agieren als früher." Die kommende Generation werde noch stärker digital vernetzt sein und wieder andere Ansprüche stellen.

Die Chance, zusätzliche Unternehmen der Gesundheitswirtschaft am Gesundheitsstandort Bad Kissingen anzusiedeln, sei enorm, ergänzte Geschäftsführer Kunibert Schäfer (Geratherm Respiratory). Allein im medizinischen Bereich gibt es in Deutschland 24 000 Unternehmen, aber zu wenige in Bad Kissingen. Doch der gute Wille allein reicht nicht. "Wir bedienen international die Hightec-Medizin mit unserer Laborarbeit. Dazu brauchen wir einen guten Datentransfer", sprach Laboklin-Inhaberin Elisabeth Müller ein bekanntes Problem an: "Hier leben wir aber in einem Internet-Loch."