Akkordarbeit bei den Räumdiensten, Glätteunfälle, Ausfälle und Verspätungen bei Bus und Bahn: Der starke Schneefall hat die Menschen im Landkreis zum Wochenstart ganz schön beschäftigt. In nördlicheren Teilen Deutschlands hatte die Kaltfront bereits am Sonntag zu chaotischen Verhältnissen geführt. Bad Kissingen und das Umland blieben von dem ganz großen Chaos verschont, auch wenn einiges an Schnee gefallen ist: Die Wetterstation des Bayerischen Hochwassernachrichtendienstes gibt 13 Zentimeter Schneehöhe für die Große Kreisstadt an, in der Rhön (Messstelle Fladungen) waren es mehr als 20 Zentimeter.

Die Lage auf den Autobahnen

Die Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck verzeichnete in der Nacht auf Montag und am Montagmorgen sechs Glätteunfälle auf der A7, der A71 und der A70. Personen wurden keine verletzt, der Blechschaden ist mit einer Höhe von 103 000 Euro allerdings erheblich. Wie Thomas Hohmann von der VPI berichtet, ereigneten sich drei der Unfälle im Landkreis Bad Kissingen. Am späten Sonntagabend rutschte ein Auto aufgrund der Schneeglätte auf der A7 bei Elfershausen erst in die Mittel- und dann in die Außenschutzplanke. Etwas weiter nördlich bei Oberthulba kam am Montagmorgen ein Sattelzug von der Fahrbahn, wobei der Anhänger umkippte. "Das war mit 65 000 Euro Sachschaden der größte Unfall", berichtet Hohmann. Eine Fahrbahn war in dem Bereich in Richtung Süden vorübergehend gesperrt.

Kurze Zeit später erwischte es einen Wagen, der bei Schondra von der Rastanlage Rhön wieder auf die A7 zurückfuhr. Laut Hohmann beschleunigte das Fahrzeug zu schnell, so dass es ausbrach und in die Mittelschutzplanke krachte. "Dadurch, dass wegen des Lockdowns im Moment nachts auf der Autobahn so gut wie kein Verkehr unterwegs ist, ging das Ganze aber gut über die Bühne", sagt der Verkehrspolizist.

Unfälle auf Landstraßen und Innerorts

Auch die Polizeidienststellen in Hammelburg und Bad Kissingen wurden zu Glätteunfällen alarmiert. Ein 19 Jahre alter Fahrer kam laut Polizeibericht zwischen Obererthal und Thulba von der Fahrbahn ab. Als Grund gibt die Polizei nicht angepasste Geschwindigkeit an. Der Wagen kippte im Graben auf die Seite und musste abgeschleppt werden.

In der Münnerstädter Straße in Bad Kissingen rutschte nach Angaben der Polizei am Sonntagabend ein 21-jähriger Fahrer mit seinem Wagen von der Straße. Er rammte dabei den geparkten Pkw eines Autohauses. Zu einem weiteren Unfall kam es in Großwenkheim. Eine 22-Jährige war mit ihren Eltern unterwegs. Ihr Auto geriet ins Rutschen, woraufhin es gegen eine Straßenlaterne prallte. Alle drei Insassen verletzten sich leicht. Der Rettungsdienst brachte sie in ein Krankenhaus. Der Laternenmast wurde durch den Zusammenstoß abgerissen, der Wagen musste abgeschleppt werden.

Die Bilanz der drei Unfälle: 21 000 Euro Blechschaden. Der 19-jährige sowie der 21-jährige Fahrer blieben unverletzt. "Das befürchtete Chaos ist ausgeblieben. Insgesamt können wir feststellen, dass sich die Verkehrsteilnehmer auf den Winter eingestellt haben", sagt der Kissinger Polizeichef Stefan Haschke. Auch der Lockdown habe dazu beigetragen, dass es auf den Straßen vergleichsweise ruhig zuging.

Winterdienste im Dauereinsatz

Ähnlich berichtet es auch Klaus Wörner von der Integrierten Leitstelle (ILS) Schweinfurt. Die Lage blieb überschaubar. Die ILS registrierte drei Personen in ihrem Zuständigkeitsbereich (Schweinfurt, Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Haßberge), die sich bei Stürzen verletzten. Wörner berichtet zudem noch von einem Laster, der bei Rottershausen in den Graben gerutscht ist.

Die Räumdienste von Stadt und Landkreis Bad Kissingen waren bereits im Einsatz, bevor es zu schneien anfing. "Die Mitarbeiter unserer Straßenmeisterei waren am Sonntag ab 17 Uhr im Einsatz - zunächst bis 24 Uhr und dann heute morgen wieder ab drei Uhr", berichtet Nathalie Bachmann von der Pressestelle des Landratsamtes. Neun Mitarbeiter in neun Fahrzeugen sorgten dafür, dass die kreiseigenen Straßen befahrbar sind.

Jürgen Kober, Leiter des städtischen Servicebetriebs, hat die Räumteams am Sonntag ab 16 Uhr zum Streuen geschickt. "Durch den Dauerregen zuletzt war kein Salz mehr auf den Fahrbahnen. Hätte es da jetzt darauf geregnet, hätten wir sofort Blitzeis gehabt. Also haben wir präventiv Salz gestreut", erklärt er. Von dem befürchteten Blitzeis ist die Stadt zwar verschont geblieben, jedoch sorgte der Schnee für schwierige Straßenverhältnisse. Um vier Uhr morgens rückte diesem der städtische Winterdienst zu Leibe. Zunächst wurden die Straßen für den ÖPNV sowie die Gefahrenstellen geräumt, ab einer Schneehöhe von mehr als zehn Zentimetern räumt die Stadt auch die Nebenstraßen. Der Winterdienst war in zwei Schichten bis abends gegen 19 Uhr im Einsatz. Kober: "Die Kälte bleibt. Daher versuchen wir jetzt, den Schnee möglichst von den Fahrbahnen zu bekommen." Man wolle verhindern, dass festgefahrener Schnee sich in den nächsten Tagen in eine spiegelglatte Eisfläche verwandelt.

ÖPNV mit Startschwierigkeiten

Bus und Bahn hatten in den Morgenstunden erhebliche Probleme. "Wir hatten den Verkehr zwischen vier und sieben Uhr komplett eingestellt", berichtet Hella Tänzer von der Erfurter Bahn. Ab sieben Uhr konnten die Züge auf den Schienen des Kissinger Sterns zwischen Meinigen, Schweinfurt, Bad Kissingen und Gemünden wieder fahren, wenn gleich es zu Verspätungen kam.

Bei den Kissinger Stadtbussen fing der Tag ebenfalls mit Problemen an. "Bis 6.45 Uhr konnten wir gar nichts bedienen, auf allen Linien. Die Straßen waren zu glatt", sagt Betreiber Philipp Weltz. Danach konnten die ersten Busse fahren, wenngleich es nicht möglich war, alle Haltestellen anzufahren. Besonders betroffen waren die Linien nach Hausen, Reiterswiesen und Winkels. Am Vormittag lief der Stadtbusverkehr stabil, wenn auch mit Verspätungen.

Ähnlich zeigte sich die Lage beim Kreisomnibusbetrieb (KOB). Vor sieben Uhr hatten vereinzelte Busse Schwierigkeiten durchzukommen (etwa bei Roßbach und Völkersleier), danach lief der Verkehr stabil."Wir sind insgesamt gut weggekommen", sagt KOB-Geschäftsführer Claus Schubert.

Präsenzunterricht fiel am Montag aus

Weil am Sonntagnachmittag nicht abzusehen war, wie sich die Wetterlage auswirken würde, hatten sich der KOB, das Landratsamt und das Schulamt dahingehend verständigt, den Präsenzunterricht für die Abschlussklassen an Gymnasien und Berufsschule ausfallen zu lassen. Das Landratsamt ging am Montag davon aus, dass der Präsenzunterricht heute wieder stattfindet.