Die Kohlmeise ist im Jahr 2022 die häufigste Wintervogelart in den Gärten des Landkreises. Dies ist das Ergebnis der Mitmachaktion "Stunde der Wintervögel" des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund. Die Kohlmeise verwies damit den Sieger des Vorjahres, den Haussperling, auf Rang zwei. Interessant ist, dass im Landkreis Bad Kissingen deutlich mehr Vögel pro Garten gezählt wurden als im unterfränkischen Schnitt. Laut einer Pressemitteilung des LBV zählten die Naturfreunde und -freundinnen pro Garten in Unterfranken durchschnittlich 34 Federtiere. Im Landkreis waren es 40,15 Vögel. Das war auch mehr als im vorigen Jahr, als ein Wert von 35 Vögeln ermittelt wurde. Der bayerische Durchschnitt lag heuer bei 33 gesichteten Vögeln pro Garten.

229 Teilnehmer aus dem Landkreis hatten Anfang Januar ihre Zählergebnisse dem LBV gemeldet. Sie hatten dazu eine Stunde lang Zeit genommen und die Vögel gezählt, die sie in diesen 60 Minuten entdecken konnten. Die Ergebnisse stammen aus 175 Gärten. Die Vogelbeobachter und -beobachterinnen meldeten insgesamt 7026 Vögel. Die Teilnehmerzahl war 2022 niedriger als 2021. Im Vorjahr hatte vermutlich der Lockdown für eine Rekordzahl von 337 Teilnehmern in 253 Gärten gesorgt. Bayernweit beteiligten sich im Januar rund 34 400 Menschen an der Aktion.

Die typischen Wintervögel 2022 in Bayern sind Kohlmeise, Blaumeise und Amsel. Sie kommen in mehr als dreiviertel der Gärten vor, Haus- oder Feldsperlinge in der Hälfte. Diese Aussage des LBV trifft auch auf den Landkreis zu. Spitzenreiter in der Häufigkeit seines Vorkommens ist die Kohlmeise, die in 97 Prozent der beteiligten Gärten des Landkreises gezählt wurde.

Am zweithäufigsten war die Amsel anzutreffen (90,3 Prozent), gefolgt von der Blaumeise, die in 88,6 Prozent der Gärten gesichet wurde. Interessant ist, dass der zweitplazierte Haussperling nur in 63,4 Prozent der Gärten anzutreffen war. Doch wo er vorkommt, tritt er in der Regel in Gruppen auf.

Erfreulich ist für Martina Faber, die Vorsitzende des LBV im Landkreis Bad Kissingen, dass wieder mehr Amseln in den Gärten gemeldet wurden. Dies deckt sich auch mit ihrer Beobachtung. "Die Amsel kommt fast täglich zu mir in den Garten." Im Bad Bockleter Kurgarten fallen ihr ebenfalls wieder mehr Amseln auf. Laut LBV-Pressemeldung scheint sich der Bestand dieser Vogelart seit dem Bestandseinbruch 2018 durch eine Viruserkrankung erholt zu haben. Auch die Blaumeise sei im Vergleich zum Vorjahr wieder in der üblichen Anzahl in den Gärten gemeldet worden. Dieser Trend bestätigt sich ebenfalls für den Landkreis.

Rotkehlchen erstmals nicht unter den Top Ten

Während im Landkreis bei Kohl- und Blaumeisen, Amseln und Grünfinken, Stare und Kleiber ein leicht positiver Trend vermeldet wird, wurden Feldsperlinge, Buchfinken und Elstern sowie Rotkehlchen im Januar 2022 weniger häufig beobachtet als im Vorjahr. Erstmals seit 2019 hat es das Rotkehlchen nicht mehr unter die Top Ten in den Landkreisgärten geschafft.

Überraschend war für die Vogelschützer des LBV, dass es heuer bayernweit viele Meldungen von Buntspechten gab. Fast in jedem zweiten Garten in Bayern wurde während der Zählung diese Art gesichtet, (Landkreis: 45 Prozent) Eigentlich sind die Buntspechte Waldvögel. Es könnte am attraktiven Nahrungsangebot in den Futterhäuschen liegen oder aber am Nahrungsmangel im Wald, vermutet man beim LBV.

Ein attraktives Futterangebot finden Vögel in naturnahen Gärten. Naturnah bedeutet für Martina Faber, dass es dort durchaus etwas unordentlich wirken darf. Wer Vögeln Lebensraum bieten will, müsse dafür sorgen, dass es dort beispielsweise auch Insekten gibt. Die fühlen sich beispielsweise in einem kleinen Stapel mit Totholz wohl, sagt Martina Faber. Gut sei auch, wenn im Herbst nicht alle Blumenstauden abgeschnitten werden. "Dies sind Minihabitate für die Tiere".

Wichtig seien heimische Hecken und Sträucher. Die bieten sowohl Nahrung für Vögel, als auch für Insekten. Die Vogelschützerin nennt als Beispiele Pfaffenhütchen, Vogelbeere oder Kornelkirsche. Thuja oder der Kirschlorbeer seien gerade für heimische Insekten keine gute Alternative, denn es handelt sich um eingeführte Pflanzen. "Was ein Insekt nicht kennt, frisst es aber nicht", stellt Martina Faber fest.

Gerade in Trockenzeiten könne man flache Wassergefäße aufstellen, um den Tieren Flüssigkeit anzubieten. Auch das sei wichtig für einen lebendigen Garten.

Die LBV-Kreisgruppe möchte das Interesse an solchen naturnahen, vogelfreundlichen Gärten wecken. Deshalb will man heuer Gartenbesitzern die Möglichkeit geben, ihr Grundstück als vogelfreundlichen Garten zertifizieren zu lassen, berichtet Martina Faber. Wer sich darum bewirbt, erhält Besuch von einer Jury, die den Garten auf seine Vogelfreundlichkeit bewertet. Wenn das der Fall ist, erhält der Bewerber die Plakette "Vogelfreundlicher Garten". Gerade bereitet sich die Kreisgruppe auf diese Aktion vor. Wann es los geht, wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Für Juryarbeit sucht der LBV noch Interessierte, die sich zum Gartenbewerter schulen lassen. Dazu gibt es im April in Unterfranken eine eintägige Schulung. Wer Gartenbewerter werden möchte, sollte Freude am Thema naturnaher Garten und Basiswissen dazu haben, ebenso über die wichtigsten Gartenvögel. Für die Tätigkeit als Gartenjuror soll dann in den Sommermonaten auch etwas Zeit mit gebracht werden. Informationen zu den Schulungen gibt es auf der Homepage des LBV. Dort findet sich ebenso das Anmeldeformular für die Schulung unter: https://www.lbv.de/mitmachen/fuer-einsteiger/projekt-vogelfreundlicher-garten/lbv-gartenjury-beitreten/

Top Ten im Landkreis

1. Kohlmeise

2. Haussperling

3. Blaumeise

4. Amsel

5. Feldsperling

6. Buchfink

7. Grünfink

8. Elster

9. Star

10. Kleiber

Mehr Infos

www.lbv.de/stunde-der-wintervoegel/live-ergebnisse

Gartenvögel

Wer sich an der nächsten Vogelzählung beteiligen will, muss nicht bis zum Januar 2023 warten. Bereits im Mai 2022 folgt eine Aktion. Zwischen 13. und 15 läuft die "Stunde der Gartenvögel". Dabei werden die Brutvögel in Gärten und Parks gezählt.