Eine Hand greift zu einem Stück Ölkreide. Mit erhobener Augenbraue sieht die Künstlerin auf ihr Bild und streicht über das Papier. Aus dem Radio erklingt Vivaldi - die vier Jahreszeiten.

Dies ist nicht etwa eine Szene an einer Kunsthochschule, sondern die aus der dritten Klasse der Sinnberg-Grundschule. Die Kinder beschäftigen sich heute mit abstrakter Kunst.
Grund dafür ist ein Projekt der Initiative "KLARTEXT!" der Mediengruppe Oberfranken, der Bayernwerk AG und der Prospega GmbH. Zwei Dozenten der Jugendkunstschule Faber-Castell sind zu Besuch und geben den Kindern Anleitungen.

Das Abstrakte entdecken

"Ich male den Sommer, weil es da schön warm ist", sagt Schülerin Pauline (9). Das Thema des mehrstündigen Unterrichtsprojekts heißt schließlich "Vier Jahreszeiten". Doch die Schüler sollen sie nicht auf die gewöhnliche Weise auf das Papier bringen.

"Es geht darum, mit den Farben zu spielen", sagt Dozentin Ursula Beck, "also weniger um konkrete Formen, sondern um Farbempfindungen." Es brauche jedoch meistens etwas Zeit, sich vom Gegenständlichen zu lösen. "Die Kinder lösen das auf ihre Art", sagt Ursula Beck.

Manche würden Formen hinter den Farben verstecken. Zum Aufwärmen gibt es eine schwierige Aufgabe für die Schüler. Mit geschlossenen Augen folgen sie den Anweisungen von Ursula Beck. Ein kurzer Strich, ein mittellanger oder ein langer wird gemalt. Dazu wird die Richtung vorgegeben. Herauskommen soll eigentlich ein Männlein.

Das Ergebnis spielt aber keine entscheidende Rolle. Das Männlein dient nur als Vorlage für ein abstraktes Kunstwerk und soll ausgemalt werden.Im Mittelpunkt stehen aber Frühling, Sommer Herbst und Winter. Jeder darf seine Lieblingsjahreszeit malen. Wer genug Zeit hat, gerne auch alle hintereinander.

Das Projekt begeistert

Während des Arbeitens dürfen die Kinder sich frei bewegen und sogar ausnahmsweise über den Papierrand hinaus malen. Die Tische sind vorsorglich mit Packpapier abgedeckt. Die gelernte Designerin Ursula Beck empfiehlt im Stehen ans Werk zu gehen. "Da habt ihr mehr Power", sagt sie. Lebendigkeit sei ausdrücklich erwünscht. Die Kinder sollen sich von festen Formen lösen.

Die Drittklässler sind voll bei der Sache. Nach wenigen Minuten sind die ersten Bilder schon fertig. "Das wird eigentlich immer sehr gut aufgenommen, weil die Phantasie fließen kann und es kein richtig oder falsch gibt", sagt Ursula Beck.

Auch die Klassenlehrerin Erika Hable findet lobende Worte. "Man sieht, dass es den Kindern Spaß macht", sagt sie, "das ist eine andere Förderung als der Alltagsunterricht." So könnten sie mal mehrere Stunden am Stück an einer Sache arbeiten. Normalerweise ist Kunst ein 45-Minuten-Fach. "Es freut mich, dass wir dafür absolute Fachleute haben", sagt Erika Hable. Das sei eine riesige Chance.

Das Kunstprojekt unter fachkundiger Anleitung ist eines von insgesamt 21 Angeboten, für die sich Schulen bei der Bayernwerk AG anmelden können. Neben weiteren kreativen Workshops können unter anderem verschiedene Museen, Biogasanlagen und eine solarbetriebene Gondelbahn besucht werden. Bei den Ausflügen übernimmt das Bayernwerk zusätzlich Fahrtkosten bis 100 Euro.