So kalt wie in diesen Februartagen war es in unserer Region schon lange nicht mehr. Vor allem die Nächte sind dank der Polarluft sibirisch frostig, aber auch tagsüber bleibt das Thermometer in den Minusgraden. Die ungewohnte Winterkälte dürfte dem Wein jedoch nicht schaden. Davon sind befragte Winzer aus dem Landkreis Bad Kissingen überzeugt. Denn noch befinden sich die Reben in der Winterruhe. Anders als bei den Spätfrösten im April oder Mai sind Kälteeinbrüche im Winter in der Regel kein Problem.

"Ich denke nicht, dass etwas passiert", sagt Winzer Ewald Neder aus Ramsthal. Damit stimmt er mit seinen Weinbaukollegen Kurt Brand (Wirmsthal) und Ulrike Lange (Weingut Schloss Saaleck Hammelburg) überein. Obwohl der Februarfrost in diesen Tagen Temperaturen erreicht, die sehr selten sind, gehen die Weinbauern davon aus, dass ihre Weinstöcke das wegstecken können. Auch der Wein hat Mechanismen, um sich bei solchen Wetterlagen selbst zu helfen.

Schwieriger wäre es allerdings gewesen, wenn es zu einem abrupten Wettersturz von ungewöhnlich milden auf extrem kalte Wintertage gekommen wäre, meint Lorenz Neder. In solchen Fällen könnten die Reben dann tatsächlich geschädigt werden. Sein Vater Ewald Neder und Kurt Brand haben das schon einmal so erlebt. Irgendwann in den 1980er Jahren hatte ein sehr milder Januar die Weinstöcke bereits aus dem Winterschlaf geweckt, erzählt Ewald Neder. Danach folgte plötzlich strenger Frost. Die Schäden seien groß gewesen, erinnert sich Kurt Brand.

Obwohl alle seine Reben zwischenzeitlich schon geschnitten sind, glaubt Kurt Brand, dass sie dieses Wetter aushalten, solange das Thermometer nicht unter minus 20 Grad sinkt. Das ist die maximale Kälte, die die fränkischen Reben vertragen können, erklärt Ulrike Lange. Auf einem Dreiviertel Hektar ihrer Anbau-Fläche in den Hammelburger Weinlagen wächst eine Traubensorte, die sogar noch eisigere Temperaturen überstehen kann. "Perle" heißt diese alte Weinsorte, die heute kaum mehr zu finden ist. Die Langes hegen und pflegen diesen Bestand, weniger wegen der Temperaturverträglichkeit, sondern wegen der Besonderheit. Weil es nur noch ganz wenige Winzer gibt, die die "Perle" anbauen, kommen Liebhaber dieses Weins aus ganz Deutschland extra nach Hammelburg.

Die in den 1920er Jahren gezüchtete Kreuzung aus Traminer und Müller Thurgau soll Temperaturen bis minus 25 Grad aushalten, erzählt Ulrike Lange. Sie weiß, dass die Traube deshalb in früheren Zeiten, als die Winter noch strenger waren, gerne im Saaletal angebaut wurde. Weil solche Rekordwerte sehr selten geworden sind, brauchte man die Perle nicht mehr. Seit den 1980er Jahren sei ihre Anbaufläche deutschlandweit immer weiter zurückgegangen. Das liegt vor allem am Anspruch dieser Traube. "Die Perle ist unsere Diva", meint Ulrike Lange. So robust sie niedrigen Temperaturen gegenüber ist, so empfindlich ist sie im restlichen Wachstum und Ausbau.

Dem kalten, frostigen Wetter kann Ulrike Lange durchaus einiges abgewinnen. "Wir freuen uns über eine so richtig gscheite Kälte", sagt die Hammelburgerin. Sie hofft, dass dadurch Schädlinge etwas reduziert werden, die im Weinberg oftmals ein Ärgernis sein können, Mäuse beispielsweise.

Ewald und Lorenz Neder lassen sich trotz des frostigen Wetters nicht von der Arbeit im Weinberg abhalten. Sie wollen selbst bei diesen Temperaturen die Reben schneiden. Zwischen Januar und März wartet im Weinberg diese Arbeit auf die Winzer. "Mal gucken, wie lange es geht", meint Lorenz Neder. Mit der entsprechenden Kleidung sollte es aber kein Problem sein, findet der Ramsthaler.