von unserem Redaktionsmitglied 
Thomas Mäuser

Bad Kissingen — Irgendwie erinnern die Bilder auf dem Monitor an eine Darmspiegelung. Und so weit ist der Vergleich gar nicht hergeholt. Markus Schmied und Wladimir Maininger von der Firma Faekal befahren mit ihrer Kamera das Gedärm der Innenstadt - die Kanäle. Ihr besonderes Augenmerk gilt den Hausanschlüssen.
Die Kanalsanierung in der Altstadt steht bevor.
"Es nützt es uns nichts, wenn wir die Hauptkanäle sanieren und die Hausanschlüsse weiter undicht sind", sagt Baudirektor Hermann Schober. "Wenn das Kanalnetz erneuert wird, gehören auch die Grundstücksentwässerungsanlagen dazu." Deswegen hat die Stadt eine Firma beauftragt, deren gerät es ermöglicht, mit der Kamera auch die Hausanschlüsse zu befahren.

Der Leiter des Tiefbauamtes. Thomas Hornung, schwärmt von der modernen Technik. Das System, das die Firma Faekal verwendet, zeichnet nicht nur eventuelle Schäden auf sondern auch dreidimensionale Lagepläne. So wird genau festgehalten, wie tief ein Anschluss sitzt, wo und in welche Richtungen der Hausanschluss nach oben, nach unten oder zur Seite abknickt.


Kameral spült sich ein

"Das Kamerasystem spült sich selbst in die Anschlussleitungen ein", fährt Hornung fort. Man muss nicht schieben, um dann irgendwann stecken zu bleiben, wenn der Reibungswiderstand zu hoch wird.

Markus Schmied hat die kleine Kamera in der Hand und erklärt, wie das mit dem Einspülen funktioniert. Die Kamera wird mit einem nach hinten schießenden Wasserstrahl nach vorne bewegt. So ähnlich wie bei einem Tintenfisch, der sich ebenfalls eines Wasserstrahls zur Fortbewegung bedient.

Gerade sind die beiden Mitarbeiter der Firma Faekal in der Spargasse zu Gange. Schmieds Mitarbeiter Wladimir Maininger läst die Kamera vorsichtig in den vier Meter tiefen Schacht hinunter. Schmied sitzt in dem mit Technik vollgestopften Fahrzeug. An einem Steuerpult, umgeben von Monitoren. Er kann ebenso wie sein Kollege von draußen die Kamera steuern.

Beide sehen auf den Bildschirmen, wie der Kanal und Hausanschlüsse von innen aussehen. "Vier Augen sehen mehr als zwei", sagt Schmied. Die Technik hält nicht nur die Bilder der Kamera fest, sondern sie liefert gleich die Pläne mit dem exakten, dreidimensionalen Abbild des Anschlusses mit. Und natürlich werden eventuelle Schäden festgehalten.


Über 200 Hausanschlüsse

Gut 35 Hausanschlüsse müssen Schmied und Maininger in der Spargasse befahren. In der Altstadt gibt es rund 130 Anwesen, manche besitzen bis zu vier Anschlüsse. Über 200 sind es insgesamt, die zu prüfen sind.
Es ist keine schmutzige Arbeit. Selbst wenn Schmied und Maininger große Kanäle, in denen man stehen und laufen könnte, untersuchen, müssen sie nicht einsteigen. Dann wird die Kamera auf einen kleinen, fahrbaren Roboter montiert.

Außerdem werden die Kanäle vor der Kamerabefahrung gereinigt. Das ist der 1. Schritt der Untersuchungen, den eine andere Firma bereits erledigt hat. Anschließend werden der Hauptkanal auf Schäden untersucht und der Bestand der Hausanschlüsse vorsichtshalber noch einmal überprüft. Der 3. Schritt besteht aus dem Reinigen und Untersuchen der Hausanschlüsse, wie es Schmied und Maininger gerade tun. 4. Schritt schließlich ist die Erstellung des Schadensberichts.

"Es gibt nicht viele Firmen, die über eine solche Technik verfügen", sagt Thomas Hornung: Der Aufwand wäre ohne dieses System um ein Vielfaches höher." Dank der 3 D-Technik muss man schadhafte Leitungen nicht ewig suchen, das spart den Hauseigentümern Geld. Außerdem besteht keine Gefahr, dass ein Anschluss mit dem Bagger beschädigt wird. "In Baugruben Kanalrohre zu finden, ist eine anspruchsvolle Aufgabe, weil so viele verschiedenen Leitungen unter der Erde verlegt sind", ergänzt Hermann Schober.

Schober und Hornung sehen dank dieses neuen Untersuchungs- und Vermessungssystems aber auch die Möglichkeit, betroffene Bürger besser beraten zu können. Denn auf dem eigenen Grundstück muss der Eigentümer die Beseitigung eventueller Lecks selbst bezahlen. "Die Wässer aus der Grundstücksentwässerung müssen zuverlässig dem Kanal zugeführt werden, ohne dass das Grundwasser verunreinigt wird", sagt Schober. Das gilt allgemein, besonders aber in Bad Kissingen mit seinem Heilquellenschutzgebiet.

Am 12. Januar haben Markus Schmied und Wladimir Maininger mit ihrer Arbeit begonnen. Bis Ende Februar wird die Untersuchung noch dauern. Veranschlagt ist die Maßnahme mit 90000 Euro, die nicht auf die betroffenen Grundstückseigentümer umgelegt werden.

Einige Leckstellen haben die beiden Mitarbeiter der Firma Faekal schon entdeckt. Und auch sonst noch Allerlei: Ringe, Ohrringe, Ketten und Handys. "Alles, was so in die Toilette füllt", schmunzelt Markus Schmied.