Die Gebietsreform hat Oerlenbach nach vorne gebracht. Dieses Urteilt fällten alle Redner beim Festabend zu "50 Jahre Großgemeinde Oerleinbach". Die Gräben zwischen den Dörfern, die es zu Beginn deutlich spürbar gab, sind längst überwunden, sagte Altbürgermeister Siegfried Erhard.

Eine Liebesheirat sei der Zusammenschluss nie gewesen, erzählt Erhard aus vergangenen Jahren. Ebenhausen besaß aus früheren Zeiten sogar Stadtrechte und Rottershausen zierte sich lange, ehe es das "Kleeblatt" der vier Dörfer vervollständigte. Richtung Pfersdorf und Rannungen, so steht es in den Büchern, hatten sich Rottershäuser schon orientiert.

Fördern und fordern

Bürgermeister Karl Karch, damals noch Rathauschef in Eltingshausen, sei es zu verdanken, dass die Gemeinde zueinander fand. "Mal Vier" lautete sein Credo, nicht nur in der Anfangszeit der neuen Kommune. "Mal Vier" bedeutete für Karch auch, auf die Eigeninitiative der Vereine und Dörfer zu setzen, ein "Fördern und Fordern".

Karch war einer der vier Bürgermeister, die den Vertrag zur Einheitsgemeinde unterschrieben. Bis zur ersten Wahl im März 1972 hatte ein kommissarischer Rat die Plätze im Sitzungssaal eingenommen: Karch wurde am 19. März 1972 zum Bürgermeister von Groß-Oerlenbach gewählt und blieb dies bis zum Jahr 1990.

Auf Karl Karch folgte bis 2014 Siegfried Erhard. Sein Leitspruch: "Wo Oerlenbach ist, ist vorne". Seine freundliche und zupackende Art haben Generationen von Kommunalpolitikern kennen und schätzen gelernt. Nur kurz "regierte" Franz Kuhn; aus gesundheitlichen Gründen war er nicht bis zum Ende seiner Wahlperiode Chef im Oerlenbacher Rathaus.

Auf ihn folgte Nico Rogge, 35 Jahre alt und damit, wie er in seiner Rede bemerkte, jünger als seine Heimatgemeinde. Er freute sich, dass die Bürgerprojekte, der Wettbewerb um den "silbernen Wolf", bestens angenommen werden und zum Teil schon umgesetzt wurden. Ein Beispiel direkter Demokratie nannte das Rogges Stellvertreter Benedikt Keßler zum Abschluss des Abends.

Unter der Leitung eines sechsköpfigen Komitees mit Sven Schüller an der Spitze wurde 2022 des Jubiläums gedacht: Die Feuerwehren der vier Ortsteile luden zum Gemeindefeuerwehrtag nach Rottershausen, Kinder und Familien standen im Mittelpunkt des Familientages in Ebenhausen und den Sporttag der Großgemeinde in Eltingshausen nutzte die Rathausspitze, um Sportler und Funktionäre zu ehren. Unter freiem Himmel verlieh Nico Rogge dort auch den Kulturehrenbrief.

5. Element: Die Bundespolizei

Bei all den Erzählungen aus den vier Orten wurde das "fünfte Element" deutlich. Der Standort des Bundesgrenzschutzes und jetzige Ausbildungssitz der Bundespolizei veränderte die Gemeinde. Polizisten zogen nach Oerlenbach, blieben hier "hängen" und gründeten Familien. Und dann gelang es der Polizei noch 2014, das verriet der erste Hauptkommissar Helmut Müller mit einem Augenzwinkern, den ehemaligen Pressesprecher der Bundespolizei Nico Rogge als Bürgermeister zu platzieren. Die Bundespolizei gibt es schon seit 1962, 60 wird der Standort der früheren Grenzschützer in Oerlenbach in diesem Monaten.

Den Reigen der Gastredner eröffnete Sandro Kirchner, Staatssekretär im bayerischen Innenministerium. Er freute sich über die Videobotschaft von Dr. Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, die auch die Glückwünsche der bayerischen Regierung umfasste.

Doro Bärs Anekdote

Dorothee Bär, für den Wahlkreis in Berlin aktiv, erzählte eine Anekdote. Während des DFB-Pokalfinals, den der FC Bayern - Bärs Lieblingsverein - gegen Dortmund, dem von ihrem damaligen Chef Thomas de Maiziere favorisierten Club, gewann, jubelte die Abgeordnete beim Führungstreffer der Roten derart laut, dass der Innenminister sie erinnerte, dass beim nächsten Jubelschrei gegen seine Dortmunder der Standort der Bundespolizei in Gefahr geriet. Bayern schoss das zweite Tor, Dorothee Bär blieb ruhig sitzen und die Bundespolizei in Oerlenbach.

Emil Müller, er vertrat Landrat Thomas Bold, legte für den Landkreis Wert auf die Tatsache, dass Oerlenbach nicht wirklich überall vorne sei; Ludwig Nätscher betonte die besondere Situation der Oerlenbacher in der gemeinsamen Allianz Oberes Werntal: Alle anderen neun Gemeinden des Oberen Werntals gehören Schweinfurt an. Für den Bezirk gratulierte Karin Renner und eine Grußbotschaft aus der französischen Partnergemeinde Douvres-la-Delivrande verlas Verana Bohl.

Für die künstlerische Umrahmung hatte das Team von Sven Schüller Kreative aus der Großgemeinde verpflichten können.