Ein Schlüsselerlebnis führte die 18-jährige Elisa Dacho aus Arnshausen in den Helferkreis Reiterswiesen: Zwei Männer mit Springerstiefeln und Kurzhaarfrisur haben in Schweinfurt fremdländisch aussehende Kinder, die auf dem Gehsteig spielten, unter wüsten Beschimpfungen verjagt. Elisa wollte fortan nicht mehr zur schweigenden Mehrheit gehören, besuchte kurz darauf eine Informationsveranstaltung und engagiert sich seither für die "Fremden" am Ballinghain.

Ihr und allen Mitgliedern der Helferkreise galt der Dank des Oberbürgermeisters. Die Not mancher Flüchtlinge verglich Kay Blankenburg mit der Situation des Kissinger Ehrenbürgers Jack Steinberger, der das hiesige Gymnasium noch vor Schulabschluss aus Furcht vor dem NS-Terror verlassen musste, ohne seine Eltern in Amerika eine neue Heimat fand und dort zum Nobelpreisträger wurde. Nach heutigem Amtsdeutsch war er damals ein "UMF" ein "unbegleiteter minderjähriger Flüchtling".


Staat schafft es alleine nicht

Ohne die ehrenamtlichen Helfer wären die staatlichen Stellen nicht in der Lage, den Flüchtlingsstrom zu bewältigen, stellte Blankenburg fest. "Und das, was Sie tun, nämlich Menschlichkeit zu vermitteln, das kann der Staat schon gar nicht." Sein Lob für die Ehrenamtlichen fasste er in dem Satz zusammen: "Ich bin stolz auf die Hilfsbereitschaft unserer Stadt." Landrat Thomas Bold bezeichnete die kommunale Zusammenarbeit im Landkreis "in dieser für Alle neuen, schwierigen Situation" als vorbildlich. Dass es im Landkreis besonders gut gelinge, die Probleme zu bewältigen "wird auch überörtlich wahrgenommen", so der Landkreischef dessen Amt die staatlichen Aufgaben der Integration verantwortet. Den Helfern wünschte er einen langen Atem, denn "Integration ist ein langer, langer Weg".
Auch David Rybak, Jugend- und Sozialreferent, sieht "soziales Kapital der Stadt" und freut sich, dass sich die Helferkreise "mit Struktur und Verstand" engagieren: "Wahnsinnig, was in den drei Helferkreisen, Reiterswiesen, Garitz und Kernstadt geleistet wird."
Die pragmatische Ausrichtung ist das Erfolgsgeheimnis. Nicht alles kann 1a funktionieren, wichtig ist, dass überhaupt etwas geht, spornte er die Helfer an und überreichte einen druckfrischen Leitfaden der Stadt für ehrenamtliche Helfer bei der Unterstützung und Begleitung von Asylsuchenden, mit wichtigen Informationen und Adressen. Rybak warnte aber auch: "Aus Nähe entsteht Verbundenheit", die zur Belastung werden kann, wenn Abschiebung unvermeidlich ist." Er verwies dabei auf ein Angebot der Heiligenfeld Kliniken, wo eine Gesprächsgruppe unter therapeutischer Anleitung angeboten wird.


Mitstreiter in Kernstadt gesucht

Bei Häppchen und Getränken wurde die Möglichkeit zum informellen Austausch rege genutzt. Während die Helferkreise in Garitz und Reiterswiesen sich gut aufgestellt sehen, wünscht man sich für die Unterkunft in der Winkelser Straße noch mehr Mitstreiter. "Da dürfen sich gerne auch Männer angesprochen fühlen", meint Anna Magut vom Helferkreis Kernstadt und hofft auf zahlreiche Beteiligung bei einer weihnachtlichen Begegnung mit dem Nikolaus in der Unterkunft an der Winkelser Str. am Samstag um 16 Uhr. Dass die Hilfsbereitschaft ihr Leben bereichert, wird an einem der Stehtische diskutiert. Auch Elisa Dacho sieht das so: "Man kriegt viel zurück."