Eine Kornnatter auf der Hand halten, einen Leopardengecko streicheln, eine Schildkröte beobachten, wie sie schlüpft: Das ist den Schülern und Schülerinnen im "Vivarium" im Bad Kissinger Jack-Steinberger-Gymnasium möglich - einem Raum, in dem Terrarien und Aquarien stehen. In einem Wahlfach kümmern sich Kinder um die Tiere. In der näheren Umgebung ist das einzigartig: Die Schulen in Ingolstadt und Lohr sind die nächsten, die ähnliches anbieten.

Idee aus P-Seminar entwachsen

2010 hatte die Biologielehrerin Agnes Brath ein P-Seminar ins Leben gerufen, in dem sich 14 Schülerinnen und Schüler um je ein Tier gekümmert haben. Danach wurde es ein Wahlkurs. Elf Jahre später gibt es 34 verschiedene Arten - von der Kraushaar-Volgelspinne "Fräulein Flauschig" bis zum Ritteranolis-Pärchen, eine Echsenart. Doch Ende des vergangenen Schuljahres ging Agnes Barth in Rente.

Marcel Schäfer übernimmt

Glücklicherweise beginnt in diesem Schuljahr Marcel Schäfer an der Schule. Er hatte hier 2008 sein Abitur gemacht und war bis jetzt Biolehrer in Würzburg. Er wird die Arbeit von Agnes Brath übernehmen. Seine Motivation: Sich weiterzubilden, Neugier, und er das Projekt weiterleben lassen. Er mache das gerne, "weil es ein so tolles Projekt ist und die Schüler so begeistert sind."

Leidenschaft der Schülerinnen und Schüler

"Wir haben alle möglichen Altersstufen dabei", sagt Schäfer. "Die Jüngeren kümmern sich um die Tiere, die leichter zu pflegen sind." Wie etwa Leopardgeckos. Aber auch diese brauchen eine spezielle Umgebung, "das richtige Futter, immer frisches Wasser, die richtige Temperatur und Sauberkeit, sowie einen perfekten Untergrund", sagt Agnes Brath.

"Die Schüler machen das mit Leidenschaft", sagt Marcel Schäfer. Sogar in den Ferien kümmern sich die Kinder: Die zwölf Ferienwochen teilen sie sich so ein, dass eine Gruppe je drei Wochen im Jahr übernimmt. Dreimal wöchentlich sind sie dann zwei Stunden lang bei den Tieren.

Aus Experimenten lernen

Aber der Wahlkurs geht übers Kümmern hinaus: "Wir haben auch Experimente gemacht", sagt Agnes Brath. Beispielsweise mit verschiedenen Schrägen und Materialien herausgefunden, wie eine Schlange sich darauf fortbewegt. Oder Papierstreifen mit Aroma betröpfelt und verfolgt, welchen Geschmack die Schnecken gut oder schlecht finden.

Kinder näher an Natur bringen

Sie wollen, dass die Tiere hautnah erlebt werden: "Es ist etwas komplett anderes, ob ich einen Film zeige, oder die Schüler die Tiere selbst in die Hand nehmen." Das würde sie auch wieder näher an die Natur bringen. Das sei auch ihr Impuls gewesen: "Wenn ich die Tiere nicht kenne - wenn mir das alles nichts sagt - dann ist es für mich auch nicht so schlimm, wenn sie aussterben. Wenn ich den Wert der Tiere an sich bemerke, weil sie alle so besonders sind, weiß ich: Es wäre schlimm, wenn das fehlt."

Höhen und Tiefen aus elf Jahren

Natürlich hat die Ex-Lehrerin aus den elf Jahren einiges zu erzählen. Schönes, Trauriges, Ausbüchser. Schön war das Schlüpfen der Schildkröten, schrecklich die Axolotl-Pest: eine Pilzinfektion, die durch einen Menschen an die Tiere übertragen wurde - ein Tier starb. "Seitdem desinfizieren wir uns immer die Hände. Und es darf dort nicht gegessen oder getrunken werden", sagt Agnes Brath.

Ein eher heiteres Erlebnis hingegen war, als das Schildkrötenweibchen wie vom Erdboden verschluckt war. Als sie die Hoffnung schon aufgaben und das Aquarium für ein neues Tier herrichteten, fanden sie die Schildkröte: "Ich habe sie wohl bei ihrem Winterschlaf gestört und sie hat sich noch mal hingelegt", sagt Brath.

Nattern brechen gerne aus

"Kornnattern sind richtige Ausbruchskünstler. Im Laufe der Zeit sind die immer mal ausgebrochen." Auch den Hausmeister freut's: "Es ist zwar bald Weihnachten, aber wenn ich hier abends durch die Schule laufe, fühlt es sich an, als wäre es eine Sommernacht", habe er zu Brath gesagt. Was er meinte: Nachts zirpten Grillen im Haus - Futtertiere, die wohl beim Füttern ausgebüchst sind. Seitdem trimmte sie die Schülerinnen und Schüler darauf, dass das nicht noch einmal passiert.

Das Tiergrab am alten Apfelbaum

Natürlich sterben Tiere auch. Tränen seien zwar keine geflossen, aber eine Bindung haben die Jugendlichen dennoch zu ihnen. "Ich habe jedes Tier mit nach Hause genommen. Im Garten steht ein alter Apfelbaum, unter dem habe ich sie dann immer begraben", sagt Brath.

Vivariumtag am 3. Oktober

Am Sonntag, 3. Oktober, findet von 13 bis 18 Uhr der Vivariumtag am Jack-Steinberger-Gymnasium statt. Es gibt Kaffee und Kuchen in der Eingangshalle. Oben können Interessierte sich die Tiere ansehen. Das Thema ist Evolution.