Noch vor wenigen Wochen schienen die Positionen von Gemeinde Hofbieber und Landkreis Fulda sowie der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) unverrückbar. Die HGON klagt gegen den Abriss und Neubau der Milseburghütte. Doch jetzt stimmt sie einer Mediation, einem Verfahren zur Beilegung eines Konfliktes, zu.

Das Verwaltungsgericht Kassel, bei dem die Klage eingereicht wurde, hat eine Mediation vorgeschlagen. Die HGON ließ durch ihren Anwalt dem Gericht mitteilen, dass sie diesen Vorschlag unterstützt.

"Wir befürworten diese Mediation, um eine Konfliktlösung mit der Gemeinde Hofbieber und dem Regierungspräsidium Kassel zu erreichen. Wir hoffen auf die Mediationszusage der Gemeinde", erklärt Reinhard Kolb für die HGON. Ob Gemeinde und Landkreis einer Mediation zustimmen, lassen sie noch offen. Der Kreis sagt nur so viel: "Wir sind weiterhin gesprächsbereit."

Nachdem die Obere Naturschutzbehörde die Erlaubnis für den Abriss und den Neubau der Hütte erteilt hatte, reichte die HGON Klage beim Verwaltungsgericht Kassel ein. Die Befürchtung der Naturschützer: Dass mit dem Neubau dort oben ein touristischer Magnet entsteht und in einem zweiten Abschnitt die Hütte zentral ver- und entsorgt wird, wenn mittels einer Bohrung unterirdische Leitungen für Wasser und Abwasser durch das Gestein verlegt werden.

Berg lockt, nicht die Hütte

Diese Vorwürfe konkretisierte Reinhard Kolb vom HGON, als er der Gemeinde Hofbieber als Bauherrin vorwarf, sie habe ihr Wort gebrochen und strebe eine Kapazitätserweiterung und Vollerschließung an. Auf diese Vorwürfe reagieren Landkreis und Gemeinde Hofbieber. "Der Vorwurf, die Gemeinde Hofbieber als Eigentümerin und der Landkreis Fulda als Unterstützer würden mit dem Ersatzneubau der maroden Hütte einen Kapazitätsausbau anstreben und mehr Gäste auf die Milseburg locken wollen, entbehrt jeder Grundlage", erklärt Landrat Bernd Woide (CDU) auf Anfrage. "Seit Jahrzehnten haben wir dort eine Vielzahl von Menschen, die den Berg aus unterschiedlichsten Motiven erklimmen. Diese Zahl wird nicht massiv ansteigen, nur weil wir dort eine baufällige Hütte ersetzen wollen", stellte der Landrat dazu ergänzend fest. "Der Berg lockt die Menschen, nicht die Hütte."

Standards erfüllen

Bereits im August 2018 hatte der Landkreis in einem Schreiben an die HGON unmissverständlich versichert, "dass der Landkreis Fulda keine Maßnahmen plant oder künftig in Erwägung zieht, die die Milseburg infrastrukturell über das bisherige Maß hinaus für Besucher zugänglich macht."

Auch für Hofbiebers Bürgermeister Markus Röder (parteilos) liegt die Entscheidung auf der Hand: "Wenn wir weiterhin eine Bewirtschaftung auf der Milseburg haben wollen, dann müssen wir die Standards dafür auch im Hinblick auf Hygiene und Brandschutz erfüllen. Das gelingt nicht, indem wir lediglich einige Bretter austauschen." Mit Verwunderung reagiert Röder auf den Hinweis der HGON, man habe sich noch am Tag der Klageeinreichung bemüht, einen Rechtsstreit zu vermeiden - und dies sei abgelehnt worden: "Tatsächlich gab es an diesem Tag einen Anruf des Anwalts der HGON bei mir. Dieses Gespräch allerdings als Bemühung zu interpretieren, ein Einvernehmen herzustellen, bedarf meiner Ansicht nach einer großen Portion Kreativität."

Gesprächsbereit

Während im Februar 2019 die HGON noch schriftlich der Gemeinde und anderen Beteiligten erklärt hatte, "die Sanierung der Milseburghütte mit dezentralen Ver- und Entsorgungstechniken wird ausdrücklich unterstützt", habe man jetzt mittlerweile den Eindruck, die HGON lehne jegliche Form einer Hütte auf der Milseburg ab, sagt Röder. Die Bereitschaft für Gespräche sichere man aber zu. Rainer Ickler