Heavytones, die langjährige Begleitband aus Stefan Raabs legendärer "tv total"-Show lassen den Max-Littmann-Saal in einer mitreißenden Session geradezu erzittern.

Es war laut und es war gut. Höllisch schräge Akkorde und himmlische Sphärenklänge hatten die sieben Kölner Musiker im Gepäck. Ungläubiges Staunen: "Wow!" Was bei Stefan Raab nur in 20-Sekunden-Gigs zu hören war, konnten die "heavytones" im Max-Littmann-Saal lange Minuten variieren. Das Parkett traute seinen Ohren kaum. So traumwandlerisch sicher gespielt, lässt sich das eher sanftere Töne gewöhnte Kissinger Publikum auch für Jazz, Funk und Heavy-Rock begeistern. Unglaublich perfekt im Zusammenspiel, brillant solistisch. Fast waren die Musiker selbst erschrocken, wie das, was in anderen Sälen fetzig laut rüberkommt im holzvertäfelten Kissinger Kleinod wie ein furioser Höllenritt klang.

Posaunist Thorsten Skringer meinte: "Eine tolle Location für unseren Jahresabschluss." Die Könner am Mischpult, hatten den Klang spätestens beim dritten Stück auf immer noch phonstark, jetzt aber nur mitreißend laut herunter reguliert. Mit jeder weiteren Minute der zweistündigen Performance waren die Zuhörer mehr gefangen von den selten gehörten Klangbildern, die die Vollblutmusiker hinauf an die Kassettendecke schickten.

Ihre musikalische Klasse ist unbestritten. Die "heavytones" gehören zu den erfolgreichsten Bands im Fernsehen, aber noch werden sie - zu häufig wie sie selbst meinen - auf Stefan Raab reduziert. Freilich, sie waren in über 1000 Sendungen mit den kurzen Sequenzen zu den besonderen Gags des Moderators ein Markenzeichen der Show.

Mit Live-Auftritten bei Shows wie "Unser Star für..." haben sie ihre Extraklasse bewiesen. Sie haben David Garrett, Herbert Grönemeyer und Lena Meyer-Landrut und andere Stars begleitet, spielen einzeln in verschiedensten Formationen und haben ihre dritte CD herausgebracht. Mit "Songs That Didn´t Make it To The Show" wollen sie sich absetzen von den kurzen Gigs aus "tv total" aber dem Image, mit dem sie sich in der deutschen Musiklandschaft so einzigartig positioniert haben, treu bleiben. Die exzellenten Musiker um Drummer Herb Jösch, Posaunist Thorsten Skringer und Keyboarder Wolfgang Norman Dalheimer tourten 2016 sehr erfolgreich durch Deutschland und zeigen, dass sie mehr draufhaben als kurze Jazzgigs. Sie lassen mit gekonnt arrangierten Stücken aufhorchen, sich aber in keine bestimmte Schubladen stecken. Wie auch: Wer mit Joe Cocker, Lionel Richie, James Brown, oder Kylie Minogue musiziert, bringt auch den Max-Littmann-Saal von den Stühlen zum langanhaltenden, anerkennenden Applaus.


Hölle, Himmel und zurück

Man spürt, die Musik macht der Gruppe Spaß. Auch wenn sie schon 1000 Mal zusammen gespielt haben, begleitet Herb Jösch jeden Schlag seiner Drum Sticks mit einem Lächeln. Sie verbeugen sich vor James Brown, rufen dem eben verstorbenen George Michael mit dessen "Star People" ein letztes Lebewohl nach und überraschen mit einem Funk-Medley. Mit "Heaven" beenden sie ihr Programm, aber da ist nur der beeindruckende Percussion-Mittelteil himmlisch. Zu Beginn und zum furiosen Ende bieten sie nochmals alles auf, was in diesem Genre möglich ist. Mit rasiermesserscharfen Dissonanzen jagen sie die Trompete des Lorenzo Ludemann, Tobias Wembers Posaune und Thorsten Kringers Sax in höllische Schlünde, rast Keyboarder Wolfgang Norman Dalheimer über seine drei Manuale hinweg, befeuert die Gitarre des Werner Neumann das Inferno und klopft Klaus Fischers Bass satanischen Takt dazu, um wenig später zu verklingen. Jetzt führen die Percussions von Alfonso Garrido ganz leise in geradezu himmlische Sphären. Erst fallen einzelne Regentropfen auf ein Urwaldblätterdach, ahnt man Vogelgezwitscher. Mit einem guten Dutzend unterschiedlichster Rhythmusinstrumente lässt Garrido es virtuos rauschen, knistern, tropfen. Die anderen Musiker sind längst von der Bühne, als traumhafte Pianissimoklänge gen Himmel zu schweben scheinen, bevor es zurück auf die Erde oder noch tiefer hinunter geht, wenn die Drums wummern, die Gitarre im Kettensägenrhytmus schreit und die Bläser ihre wilde Stakkato-Jagd wieder beginnen. Ein Moment atemlose Stille und dann steht der ganze Regentenbau, erzwingt eine Zugabe. "Crazy Bad Kissingen" ruft Bandleader Dalheimer dem jubelnden Publikum zu. Ein fulminanter Abschluss des alten Jahres als Hinweis auf ein turbulentes neues?