Das Radwegenetz in der Kernstadt und in den Stadtteilen soll optimiert werden. Es gilt, wichtige Wegbeziehungen für den Radverkehr, Mängel und Lücken aufzudecken und zu beseitigen. Das hat der Stadtrat beschlossen. Zur Erarbeitung eines Radwege-Konzepts engagierte die Stadt das Planungsbüro Wegner (Veitshöchheim), das mittels eines Bürger-Workshops eine Defizitanalyse erstellt.

Wie Planer Bertram Wegner und seine Mitarbeiterin Eva Liebich eingangs feststellten, hat das touristische Radwegenetz bereits eine hohe Dichte und Qualität. Zu realisieren ist also ein bedürfnisgerechtes Netz-Werk für den "Alltagsverkehr" radelnder Bürger, die Liebich in fünf Kategorien teilte, von Kleinkindern über Grundschüler und Teenager bis hin zu älteren Senioren.

Gefahrenbereiche im Alltag

Den Workshop in der Aula der Grundschule besuchten rund 50 Bürgerinnen und Bürger. Er diente dem Sammeln von Defiziten, weniger der Diskussion, die am Ende der zweieinhalbstündigen Veranstaltung noch zu ihrem Recht kam. Frauen und Männer sollten aus ihrem eigenen Erfahrungsbereich auf Mängel und Gefahren hinweisen, die das Büro Wegner in den folgenden Monaten bearbeitet. Dazu wurden Ortskarten erstellt, in denen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit eingeklebten Papier-Strips fehlende Anbindungen oder subtile Punkte markieren konnten - die Grundlage für das Planungskonzept.

Im Ortsteil Obereschenbach sieht Stadtrat Thomas Reuter als Hauptproblem die fehlende Radverbindung in den Main-Spessart-Kreis. Zwar wurde ein Radweg über die Fischteiche und die "Hainbuche" schon ins Auge gefasst, aber bis dato nicht umgesetzt. Auch der Weg nach Diebach ist für ihn ein Unfall-Schwerpunkt, nicht nur wegen der Querung der Bundesstraße 27, sondern weil Kraftfahrer diesen Weg gerne als "Abkürzung" nutzten. Da der Weg schmal ist, bleibt den Radlern nur das Bankett.

Der Radweg in Westheim ist nach Aussage von Monika Horcher bei Hochwasser nicht mehr befahrbar. Probleme sieht die Kreispolitikerin vor allem für den dortigen Kindergarten, den konzeptionsbedingt Kinder aus der ganzen Region besuchen. Horcher wunderte sich zudem, dass das Gewerbegebiet im Stadtteil vom Planer nicht als Zielgruppe erfasst ist.

Verschiedene Zuständige

Im entferntesten Stadtteil Gauaschach beklagt Stadtrat Edmund Schaupp die fehlende Radweganbindung in die Kernstadt. Bis zur Kaserne - also ungefähr die halbe Strecke - ist eine solche Verbindung geschaffen, doch weiter ging es nicht. Der Grund: Der Ortsteil hat keine gemeinsame Grenze mit der Stadt. Ein Radweg vom Lager Hammelburg nach Gauaschach würde durch Fuchsstädter Gemarkung, Bundeswehrgebiet und Staatsareal führen. Würden diese mit einsteigen, wäre eine Wege-Komplettierung denkbar. Denn die Kosten für diese Trasse sind erheblich. "Die Stadt kann das nicht aus eigener Kraft schaffen", vermutete er. Als passionierter Fahrradfahrer nimmt Schaupp eine Erkenntnis mit: Je näher solche Vorhaben an einer Landkreisgrenze liegen, desto schwieriger wird es für den Fahrradfahrer.

Zuwenig Raum für Radler

Anhand der markierten Karten zogen die Planer Bilanz und bestätigten Probleme bei der Querung viel befahrener Straßen, schlechte Wege und fehlende Anbindungen. Komplexer ist die Situation im Stadtbereich. Der Konflikt Fahrrad- Auto existiert schon länger. Sperrungen in der Altstadt, zu wenig Bewegungsraum für Radler, konfliktträchtige Kreuzungen und die Unfallgefahr durch die Straßengestaltung bedürfen nach Dafürhalten der Stadtbauarchitekten einer ausgewogenen Lösung. Hinzu käme die Anbindung der Bahnhöfe und des neuen Schulcampus an das Radwegenetz.

Konzept soll bis Jahresende fertig sein

Für Bürgermeister Armin Warmuth ergibt sich die Frage, welche Akteure an dem Projekt mitziehen und wie dies finanzierbar ist. "Innerstädtisch müssen wir sehen, von welchem Volumen wir sprechen. Alle Maßnahmen gleich umzusetzen, geht nicht", so Warmuth. Auf Anfrage von Stefan Seufert, zu welchem Zeitpunkt ein Handlungskonzept vorliege, schätzte Wegner die Vorlage eines Konzepts bis zum Jahresende. Ortsrundgänge sind dabei ins Auge gefasst.