Dies ist der Hammelburger Teil der Serie "Hereinspaziert" über die Gastronomie. Münnerstadt, Bad Brückenau und Bad Kissingen finden Sie hier.

Das hat sich Geschäftsführer Christoph Hoenig alles ganz anders vorgestellt, als er im Dezember 2019 die Leitung des Romantikhotels "Neumühle" zwischen Morlesau und Diebach übernahm: "Ich habe das Hotel in meiner Zeit jetzt leider öfter geschlossen als geöffnet erlebt", sagt er mit bitterem Lächeln unter der FFP2-Maske.

Umso erfreuter ist er, dass es ab heute wieder richtig los geht. "Wir sind für die kommenden drei Wochenenden ausgebucht, nur unter der Woche haben wir noch ein paar freie Plätze", fasst er die Buchungen aus den vergangenen Tagen zusammen. Denn erst nach Söders Ankündigung am 4. Mai, dass die Hotels zu Pfingsten wieder öffnen dürfen, legten Hoenig und sein Team los.

"Wir fühlen uns ganz schön überrumpelt, aber es wird reichen", erklärt Hoenig kurz vor der Eröffnung. Unter der Woche war der Parkplatz des Hotels zwar voll, aber nicht mit den Fahrzeugen von Gästen: Nicht nur die Mitarbeiter wurden aus der Kurzarbeit geholt, auch bis zu zehn Handwerker gleichzeitig waren auf der Anlage. "Wir haben uns erst vor wenigen Wochen entschieden, vier Suiten zu sanieren", sagt der Geschäftsführer. Damals sei noch nicht absehbar gewesen, dass heute schon geöffnet werden kann. Deshalb musste jetzt alles ganz schnell gehen.

Bis zuletzt seien noch nicht alle Regeln klar gewesen: "Für die Gastronomie stehen die Bedingungen fest, wir können unseren Gästen leider noch nichts sagen", übt Hoenig Kritik an den Vorgaben aus der Politik und von Behörden. "Da sind noch viele Fragen offen." Etwa, wie oft die Gäste getestet werden müssen oder ob der große Spa-Bereich des Hotels öffnen darf. Außerdem habe er wegen der Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis lange zittern müssen: "Das erste, was ich jeden Morgen mache, ist, mir die Zahlen vom Robert-Koch-Institut anzuschauen", berichtet Hoenig.

Elf Zimmer umgebaut

Vor zwei Wochen habe er die 58 Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt. Das Hotel war seit 1. November geschlossen, ein To-go-Angebot wäre aus Hoenigs Sicht wegen der abgelegenen Lage und dem fehlenden Publikumsverkehr nicht sinnvoll gewesen. Elf der 30 Zimmer wurden in den vergangenen Monaten umgebaut, 62 Betten stehen in dem 1983 eröffneten Hotel zur Verfügung.

Leider hätten sich während der Kurzarbeit einzelne Mitarbeiter anders orientiert. Alle anderen würden sich auf Gäste freuen und halfen in den Tagen vor der Eröffnung mit: Der Empfang nahm die vielen kurzfristigen Anfragen entgegen, der Portier mähte Rasen, die Haustechniker waren überall. Geschäftsführer Christoph Hoenig ist nun "nicht entspannt, aber zuversichtlich."

Im Gegensatz zur Neumühle hielt sich der Gasthof "Zum Adler" in Langendorf wie viele andere in den vergangenen Monaten mit dem To-go-Geschäft über Wasser. "Wir freuen uns, dass es am Sonntag die Schweinshaxe auch wieder zum Hieressen gibt", sagt Koch Volker Partsch. Zum Glück sei das Stamm-Personal "bei der Stange geblieben". Offen war bis zuletzt, ob lediglich der Biergarten oder auch der Freisitz geöffnet werden darf. "Wir warten noch auf die Mitarbeiter des Landratsamtes."

Den Gästen ist das egal: "Es kommen täglich Anrufe und Nachfragen, wie und wann wir öffnen", sagt Partsch. Vielen fehle einfach der abendliche Stammtisch-besuch. Vorerst werde von Donnerstag bis Dienstag ab 17 Uhr, sonntags bereits ab 11 Uhr geöffnet.

Auch "Finbarr's Irish Pub" in der Hammelburger Weihertorstraße hat ab heute seinen Biergarten wieder täglich ab 17 Uhr geöffnet. Vor zwei Wochen startete Geschäftsführerin Katja Helm bereits mit einem To-go-Verkauf bei schönem Wetter. "Es ist einfach genial, wir freuen uns, dass wir unsere Gäste wieder sehen", freut sich Katja Helm. Auch von vielen Gästen habe sie die Rückmeldung, dass sie es kaum erwarten könnten. Zum Glück seien auch ihre Mitarbeiter alle noch verfügbar.

Zur Anwesenheitskontrolle setzt der Pub auf die App "Darf ich rein". Der Vorteil für die Gäste: Sie brauchen auf ihrem Handy keine App, sondern müssen nur einen QR-Code einscannen. Für Stammgäste gebe es eine vereinfachte Identifikation, und wer wolle, könne nach wie vor seine Kontaktdaten auf Papier hinterlassen.

Zurückhaltend mit Buchungen

Gleich am Mittwoch legte das Hotel Kaiser mit der Außen-gastronomie los. Inhaberin Sandra Kaiser und ihr Sohn Dylan waren auch in den vergangenen Monaten durchgehend mit ihrem rund 15-köpfigen Team für die Gäste da: Mit Essen to go im Hotel und an der Weinberghütte Vinica. Zumindest Geschäftsreisende durften auch übernachten, allerdings seien es weniger als früher gewesen. "Selbst die Bundeswehr hat ihre Dienstreisen eingeschränkt", nennt Sandra Kaiser als Beispiel.

In den vergangenen Tagen habe es zwar sehr viele Anfragen gegeben, aber mit Buchungen würden sich viele noch zurückhalten. Noch sei nur ein Teil der 49 Betten über Pfingsten belegt. Für die Hausgäste sei bereits im Innenbereich gedeckt, welche Vorgaben es genau gebe, sei zum Teil noch offen. Die Anfragen seien bunt gemischt, von Familien bis Durchreisende, die von der Autobahn abfahren und in Hammelburg einen Zwischenstopp einlegen.

Diese Regeln gelten im Landkreis Bad Kissingen für die Gastronomie

Voraussetzungen sind vorherige Anmeldung und Dokumentation der Kontaktdaten. Die Öffnungszeiten enden um 22 Uhr. Sitzen mehrere Hausstände am Tisch, müssen sie ein negatives Test-Ergebnis vorlegen. Dabei ist ein Schnell-, Selbst- oder PCR-Test möglich, der maximal 24 Stunden alt ist.

Die jeweiligen Kontaktbeschränkungen gelten. Derzeit: Maximal fünf Personen aus zwei Hausständen, Kinder unter 14 Jahren werden nicht mitgezählt, sind aber ab 6 Jahren testpflichtig. Geimpfte und Genesene werden ebenfalls nicht mitgezählt und sind nicht testpflichtig.

Diese Regeln gelten im Landkreis Bad Kissingen für Beherbergungsbetriebe

Als Beherbergungsbetriebe zählen beispielsweise Hotels, Ferienwohnungen, Pensionen, Jugendherbergen und Campingplätze. Eine Öffnung für Touristen ist ab dem Pfingstwochenende möglich. Die Anreise ist ab Freitag, 21. Mai, möglich.

Die Testpflicht gilt: Es braucht einen vor höchstens 48 Stunden vorgenommenen PCR-Test, einen vor höchstens 24 Stunden vorgenommenen POC-Antigentest oder ein en Selbsttest unter Aufsicht. Dies ist für den Aufenthalt alle 48 Stunden nötig.

Beherbergungsbetriebe dürfen die Innengastronomie nur für ihre Gäste anbieten. Um 22 Uhr muss sie schließen. Die Betriebe dürfen Kur-, Therapie- und Wellnessangebote machen - also Schwimmbäder, Fitnessräume, Solarien öffnen.