Es ist ein lebendiges Stück Heimatgeschichte, das Anwesen von Susanne und Willi Diez in der Hauptstraße. Das Gehöft mit dem zweigeschossigen Fachwerkbau, datiert auf 1548, wurde unter Auflagen des Denkmalschutzes aufwändig restauriert und erstrahlt in neuem Glanz.

Auch die Bauherren strahlen jetzt, nachdem sie sich im Anwesen, das einige Zeit leer stand, häuslich einrichten konnten. Zwischendurch jedoch gab es Momente, die ziemlich kräftezehrend waren. "Uns war klar, wenn wir dieses Projekt umsetzen, dass wir einerseits trotz Zuschüssen hohe Kosten haben und andererseits mit einer langen Umbauphase rechnen mussten, um den Anforderungen an den Denkmalschutz gerecht zu werden. Und wir mussten davon ausgehen, dass mit voranschreitenden Arbeiten Dinge an das Tageslicht kommen würden, die nicht im Voraus geplant werden konnten. Doch insgesamt hat es sich gelohnt. Wir sind froh, dass wir nach zweieinhalb Jahren Umbauzeit hier in meinem Elternhaus leben und gleichzeitig ein Stück Heimatgeschichte bewahren können", erklärt Willi Diez.

Die Hauptlast bei der Finanzierung lag bei den Bauherren. Unterstützung gab es von verschiedenen öffentlichen Stellen und vorrangig vom Denkmalamt, das solche Projekte mit bezuschusst - allerdings nur genau die Arbeiten, die den Denkmalschutz betreffen.

Drei Objekte unter Denkmalschutz

Gleich drei denkmalgeschützte Objekte galt es im Anwesen zu bewahren, allen voran das Bauernhaus, ein zweigeschossiger, giebelständiger Fachwerkbau mit massivem Sockel- und Erdgeschoss inklusive Satteldach. Dann gibt es die Hoftoranlage, ein Muschelkalkquadermauerwerk, wo sich in einer Nische ein Bildstockaufsatz mit Muttergottesfigur aus Sandstein aus dem 18. Jahrhundert befindet - ebenfalls denkmalgeschützt.

Um das Fachwerkhaus fachgerecht zu renovieren, mussten sich die Besitzer mit dem Aufbau genauestens auseinander setzten. Es steht auf einem Gewölbekeller, bestehend aus Muschelkalk, der mit Lehm verfugt wurde. Auf den Fundamenten wurde in Ständerbauweise ein Fachwerk aus Eichenbalken errichtet. In den sogenannten "Gefachen", die Felder zwischen den Balken, wurde eine Konstruktion aus senkrechten oder waagrechten Stakhölzern errichtet, die mit Ästen umflochten und mit einem Stroh-Lehm-Gemisch umwickelt wurden. So entstanden Erd- und ein zweites Geschoss. Darüber befinden sich noch zwei Dachgeschosse.

"Liegender" Dachstuhl

Der Stil entspricht dem fränkischen Baustil, was man an der Konstruktion des Dachstuhls erkennt. Das Besondere am Dachstuhl: Es ist ein sogenannter "liegender Stuhl" - hier gibt es keine Stützen. Die Statik des Dachstuhls wurde bereits bei der Sparrenkonstruktion berücksichtigt. Diese Konstruktion ließ das Denkmalamt hellhörig werden, da diese Art des Bauens in der damaligen Zeit auf dem Land unüblich war. So wird vermutet, dass hier ein Baumeister aus einer anderen Region oder Stadt tätig war, in der der Baustil bereits verfeinert war.

"In der Zeit, als dieses Haus entstand, war die Überplattungsbauweise hier in der Region üblich. Dieses Haus wurde bereits gezapft, also Balken mittels Zapfenloch und einem Zapfen zusammengefügt.

Eigene Einfriedung

Das Gebäude hatte zur damaligen Zeit ein Alleinstellungsmerkmal mit einer eigenen Einfriedung", so der Hausherr. Erst 40 Jahre später wurde der gesamte Ort von einer Dorfmauer umschlossen. Auch das Anwesen von Familie Diez wurde mit eingefriedet. Dem Haus wurde dann noch ein Torhaus vorgebaut, das "Untere Torhaus".

Das Wohnhaus stammt aus 1548, was durch eine Untersuchung der Eichenbalken im Haus belegt werden konnte, einer sogenannten dendro-chronologischen Untersuchung. Auch im Haus gab es zahlreiche Hinweise, wie in Balken eingeschnitzte Jahreszahlen. "Der Gewölbekeller selbst ist vermutlich noch älter", bemerkt Willi Diez.

Zur Geschichte

Zur Geschichte des Hauses weiß der Hausherr: "Grundsätzlich ist dieses Haus kein Bauernhaus gewesen. Das erkennt man daran, dass sich in der Giebelfassade Richtung Osten Verzierungen befinden. Auch die Räume sind wesentlich höher gestaltet als in einem Bauernhaus. Wir gehen davon aus, dass dieses Haus eine Art Schultheiß-Gebäude war, in dem Gericht gehalten wurde. Hier haben auch vermutlich die Bauern ihren Zehnt abgeliefert. Dafür spricht ein weiteres, am Haupthaus angegliedertes Gebäude. Dieser Anbau war jedoch baufällig und konnte nicht mehr erhalten werden. Vermutlich gab es auch auf diesem Gehöft Stallungen oder Gesindehäuser, was allerdings nicht belegt ist", so der Sulzthaler.

Heute ist das Haus ein Hingucker am Eingang der Marktgemeinde. Aber nicht nur von außen. Auch innen strahlen aufgearbeitete Eichenböden und -balken eine behagliche Atmosphäre aus. Fachwerkwände und besonders der Treppenaufgang, der vermutlich aus dem 17 Jahrhundert stammt, konnten ebenfalls restauriert werden und sind optische Highlights. Nicht exakt gerade Wände und sogar ein extrem krummer Dielenboden mussten so auch erhalten werden, so die Auflagen des Denkmalamtes . Diese Besonderheiten geben eine Ahnung davon, wie alt das Haus schon sein muss.

Hell und freundlich

Die hohen Räume sind hell und freundlich, lassen keinen finsteren Gedanken mehr an ihre Entstehungszeit, dem Ausgang des späten Mittelalters und des Beginns der Neuzeit, zu. Zahlreiche Spezialfirmen, die eine spezielle Zulassung vom Denkmalamt haben mussten, waren mit den Arbeiten betraut. "Die Zusammenarbeit mit den Firmen verlief äußerst positiv ", sagt Willi Diez. Außerdem sei extrem viel Eigenleistung eingebracht worden. Und: "Viele Helfer haben uns unterstützt, wofür wir überaus dankbar sind. Anders hätten wir die Finanzierung nicht stemmen können", so Willi Diez, der sich mit seiner Frau Susanne im neu restaurierten Haus wohl fühlt und meint: "Alle Arbeit war es wert, dieses besondere Haus zu erhalten."

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