Laientheater vom Feinsten gab es im Feuerwehrhaus Wartmannsroth, dessen Premiere traditionell am zweiten Weihnachtsfeiertag stattfindet. Auch nach 21 Jahren Vereinsleben der Theatergruppe Wartmannsroth hat dieses jährliche Ereignis an Anziehungskraft nicht verloren. Allerdings sei das Laientheater dort schon in den 1970er Jahren entstanden, erinnerte Moderator Andreas Tröger.

So war denn auch heuer wieder jeder Zuschauerplatz restlos ausgebucht. Wer nicht unterkam, der hat noch die Chance für die Wiederholungsauftritte am 30. Dezember und 5. Januar, jeweils um 19 Uhr. Kartenvorbestellung unter Tel.: 09737/ 82 85 95 oder per Facebook unter #TheatergruppeWartmannsroth oder WhatsApp unter 0151 - 43 16 81 36.

Ja, die Spielfreude kam voll rüber - sowohl bei den Erwachsenen mit ihrem Schwank "Baby wider Willen", als auch bei der Jugend mit dem Einakter "Erben und sterben". So eine Theateraufführung auf dem Dorf ist offenbar mehr als eine flüchtige Unterhaltung. Es ist zugleich auch ein Forum für Gespräche mit Besuchern aus den Nachbardörfern in den drei Spielpausen und Erholung vom Stress der weihnachtlichen Festtage. Solche Aufführungen sind aber auch der greifbare Beweis, dass das Thema Kultur auch auf dem Dorf gepflegt wird.

Deshalb ist der geneigte Zuhörer froh über ein wenig Lokalkolorit, wenn zum Beispiel der Satz zu hören ist: "Opa kam zeitlebens aus seinem Dorf Schwärzelbach nicht raus". Die Lacher auf ihrer Seite hatten die Jugendlichen, wenn echt wirkende Ohrfeigen erschallten oder Leute vom Stuhl flogen, um Platz zu schaffen. Der Streit um das Testament in dem Jugendstück sät Unfrieden unter den Erben. Aber bevor die Situation aus dem Ufer zu laufen droht, kommt doch noch eine einigende Wendung. Mehr wird hier nicht verraten.

Ihre erfolgreiche Theater-Feuertaufe hatte Katharina Hoos auf der Erwachsenenbühne bestanden. Als Ehegattin des Bürgermeisters, gespielt von Jochen Koberstein, bewegte sich die Neueinsteigerin gekonnt auf den Bühnenbrettern. Hoos nach dem Spielende erleichtert und glücklich zur Zeitung: "Ich hatte zuvor ein wenig Lampenfieber, aber als ich auf der Bühne stand, war das weg". Im Fasching wird Hoos heuer in der Schärzelbacher Bütt zu bewundern sein. Spielfreude herrschte unter den Darstellern, die gern ihre Texte mit entsprechenden Gebärden unterstützten. Sie ließen sich von ihrem Lieblingsautor Bernd Gumbold, der den Dreiakter "Baby wider Willen" verfasste, wahrhaft Flügel wachsen und schwebten in der Welt von Rathausbüro und Dorfleben.

Hängt die Karriere des Bürgermeisters als zukünftiger Landrat wirklich vom Einweihungstermin für einen neuen Fahrradständer ab? Oder sollte sich der Bürgermeister doch besser um seine in Not geratene Frau und das verwechselte Baby kümmern? Immerhin bot der Dreiakter der Erwachsenen genug Spielraum für weitere Rollen als Landstreicher, Sekretärin, Polizistin, Tratschweib, Bürgermeistermutter und Straßenkehrer. Diese Theateraufführung ist die geeignete Gelegenheit, alle Talente der Laienschauspieler auf den Plan zu rufen, wie der herzliche Schlussapplaus dankbar bestätigte.