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Hammelburg
Kreativität

Kunst aus der Natur

Holz, Stein, Farben aus Erde - Walter Graf arbeitet mit vielen Materialien. Obereschenbach ist der neue Ausgangspunkt für sein künstlerisches Schaffen.
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Der Werkraum von Walter Graf  ist derzeit ein Sammelsurium an Holzobjekten. Foto: Arkadius Guzy
Der Werkraum von Walter Graf ist derzeit ein Sammelsurium an Holzobjekten. Foto: Arkadius Guzy
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Es hat etwas von einem großen Holzbaukasten: Auf den Tischen und in Körben finden sich verschiedene Stücke und Teile von Ästen, Zweigen und Rinde sowie verschiedene Formen aus Holz. "Ich vertiefe mich phasenweise in die Sachen. Im Moment ist es Holz", sagt Walter Graf. Mit dem experimentiert er auch für einen Wettbewerb.

Er versuche die verschiedenen Eigenschaften des Holzes herauszuarbeiten, erklärt der Künstler. Es geht um Farben, Formen, die Oberflächenstruktur. Welche Muster offenbart zum Beispiel die Maserung, wenn eine dünne Scheibe aus einem Ast geschnitten wird?

Die Materialproben hat Graf zu einer Art Sammelkasten zusammengesetzt. Die Kollektion kann als Grundlage für jemanden dienen, der Naturschmuck herstellt, stellt Graf die Idee hinter seiner Arbeit vor. Diese hat er bei der Danner-Stiftung eingereicht. Die Stiftung richtet regelmäßig einen Wettbewerb fürs Kunsthandwerk aus.

Graf zieht keine scharfe Grenze zwischen Handwerk und Kunst. Für ihn ist angewandte Kunst eine ästhetische Form des Handwerks. Schöne Gegenstände seien wie Kunstobjekte. Handwerk hat ihn schließlich in Kindheit und Jugend stark geprägt.

Grafs im vergangenen Jahr verstorbener Vater war Schmied. "Die Vorfahren väterlicherseits waren alle Schmied", erzählt der Künstler. In der Familie spielte Handwerk eine große Rolle. Mit einem Unterschied: "Ich war aber mehr an der ästhetischen, weniger an der technischen Seite interessiert."

Die Holzarbeiten spannen noch auf eine andere Weise den Bogen bis in die Kindheit. Auf einem Podest steht ein Gefäß. Die Seitenwand ist aus der Rinde eines Nussbaums geformt. Sie stammt von einem der Nussbäume, die der 62-Jährige als Kind gepflanzt hat. Auch Eschenholz vermittelt eine Beziehung. Aus dem Material hat sein Vater einst Schlitten und Skier für ihn und seinen Bruder gebaut.

Die Werkstatt befindet sich in einem Anbau ans Elternhaus in Obereschenbach. In dem Gebäude, das Graf nach dem Tod seines Vaters nun renoviert und umgestaltet, finden sich weitere Kunstobjekte: Arbeiten aus Stein und Proben verschiedener Erden, die mit einem Bindemittel versetzt, zu Farben werden.

Vor einem Jahr zeigte eine große Ausstellung an mehreren Orten in der Stadt einen Querschnitt durch das bisherige künstlerische Lebenswerk von Graf. Jetzt gibt es dazu einen 100-seitigen Katalog, der zusammen mit weiteren Heftchen zu den einzelnen Werkbereichen über den Bunten Buchladen zu beziehen ist.

"Ich habe lange gebraucht, um den Mut zur Kunst zu finden", sagt Graf. Er machte erst eine Ausbildung als Erzieher. Ein Freund brachte ihn an die Holzschnitzschule in Bischofsheim. Von dort führte der Weg zum Studium der Bildhauerei an der Nürnberger Akademie.

Graf arbeitet als Kunsterzieher am BBZ in Münnerstadt. Nächstes Jahr, so kündigt er an, geht er aber in Altersteilzeit. Dann kann er mehr Zeit auf seine Kunst verlegen. Am Elternhaus wartet zum Beispiel eine Ackerfläche auf eine neue Gestaltung. Es soll eine Parklandschaft entstehen.

Graf will künftig außerdem Ideen für die Gestaltung von Plätzen einbringen. Aus Obereschenbach gebe es bereits eine Anfrage. Für diese kreative Arbeit dient ihm eine Sammlung verschieden geformter Holzelemente als Material zum Ausprobieren. Es sind Bausteine für die Fertigung von Gestaltungsmodellen.