Gleich zwei Mal warb Karin Wengerter, Leiterin der Hammelburger Stadtbibliothek, in den vergangenen Wochen in Hauptausschuss und Stadtrat um Unterstützung für die Bücherei: Mit ihrem Team arbeitete sie ein Konzept für die künftigen Räume im Bürgerhaus aus. Rund 450 Quadratmeter sollen der Stadtbibliothek im umgebauten ehemaligen Kaufhaus zur Verfügung stehen. "Die Bibliothek ist für Menschen da, nicht für Medien", betonte Wengerter. Und die Stadträte stimmten ihr zu, dass die Stadtbibliothek in Zukunft das "Herzstück des Bürgerhauses" werden soll.

235 Quadratmeter weniger

Wengerters Konzept sieht einen "lebendigen, zentralen Ort für Kommunikation und Kultur" vor. Aktuell stehen der Bücherei im Roten Schloss laut Stadtverwaltung rund 685 Quadratmeter zur Verfügung. Im Bürgerhaus sollten es ursprünglich rund 550 Quadratmeter sein, nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid wurden weitere hundert Quadratmeter gestrichen. Weniger Platz, gesellschaftliche und bildungspolitische Herausforderungen sowie veränderte Mediengewohnheiten waren der Ausgangspunkt für das Konzept, das Arbeitsgrundlage für mindestens fünf Jahre sein soll.

Laut Wengerter hat die Stadtbibliothek als überregionale Einrichtung überdurchschnittlich hohe Besucherzahlen: Im vergangenen Jahr kamen rund 52 000 Besucher zum Lesen, Spielen, Lernen oder zu Veranstaltungen und Ausstellungen. Wengerter stellte für die Zukunft vor allem drei Aufgaben heraus: Die Stadtbibliothek sei zum ersten Veranstaltungsort und "Kulturmacherin". Im Bürgerhaus könne das Team aus ihrer Sicht sogar eine "Plattform für bürgerschaftliches Engagement" schaffen. Trotzdem solle die Bücherei zum zweiten ein Bildungsraum bleiben, der weiterhin vor allem Sprechen und Lesen bei Kindern und Erwachsenen fördere.

Wengerter stellt sich schließlich für das künftige Bürgerhaus eine "Erlebnisbibliothek" vor: Das Bürgerhaus soll insgesamt auf vier Geschossen eine Raumfläche von rund 1900 Quadratmeter haben. Jeweils rund ein Viertel davon sind für den öffentlichen Bereich der Bibliothek sowie für Besprechungszimmer und Räume der Volkshochschule vorgesehen. Rund ein Drittel belegen die Tourist-Info und Büros der Verwaltung, den Rest nehmen Archiv, Technik und Verkehrsflächen ein.

Die Stadtbibliothek verteilt sich in Zukunft auf drei Etagen, aber bereits das Erdgeschoss solle "Lust auf mehr machen", forderte Wengerter. Deshalb solle an der Gestaltung eine Innenarchitektin beteiligt werden: "Das muss einen richtig hoch ziehen", forderte die Leiterin der Stadtbibliothek. Während die Bibliothek als Ort der Begegnung an Bedeutung gewinne, ist Wengerter klar, dass die Zahl der Medien durch die geringere Fläche reduziert werden muss: Musik-CDs etwa sollen gar nicht mehr mit umziehen, weil Streaming-Dienste ihnen den Rang ablaufen, das gelte vermutlich auch für DVDs.

25 Prozent weniger Medien

Insgesamt soll der Medien-Bestand um rund 25 Prozent schrumpfen, vor allem bei den Sachbüchern. Aber: "Bücher stehen nach wie vor im Mittelpunkt", stellte Wengerter klar, und: "Bibliotheken sind schon lange keine Büchersammlungen und reinen Ausleih-Orte mehr, sondern Treffpunkte für Menschen jeden Alters." Neben Medien gebe es Internet, Arbeitsplätze, Computer, Wärme, Gemütlichkeit und Stille. Wengerter regte für die Belebung des Bürgerhauses auch eine Bürgerbeteiligung mit Umfrage und Arbeitsgruppen an.

Als technische Voraussetzung für mehr Flexibilität stellte Wengerter im Stadtrat die Selbstverbuchung vor: Kunden können selber ihre Medien ausleihen und an einem Automaten in der Fassade zurückgeben. Ermöglicht wird das durch einen Chip in jedem Buch. Weil ihr Team corona-bedingt aktuell mehr Zeit habe und Zuschüsse für die Einführung winken, regte Wengerter einen ersten Schritt bereits jetzt an: Rund 24 000 Euro würde diese erste Phase kosten, die Förderung stehe noch nicht genau fest, könne aber bis zu 75 Prozent betragen. Mit dem Umzug ins Bürgerhaus, also frühestens im Jahr 2022, würden dann auch der Rückgabe-Automat mit Erkennung der Bücher und die Schleusen zum Schutz vor Diebstahl an den Türen ergänzt. Wengerter rechnet dafür mit weiteren rund 40 000 Euro, für die es ebenfalls Förderung gebe. "Das Personal, das wir damit einsparen, können wir auf den drei Etagen im Bürgerhaus gut gebrauchen", sagte Wengerter. Zudem sei damit das Konzept einer offenen Bücherei umsetzbar, in dem auch einmal die Tourist-Info die Ausleihe betreuen könne.

Wengerter sieht die neue Technik als Voraussetzung, um die Öffnungszeiten mit den bestehenden fünf Mitarbeitern zu verlängern. So könnten unter anderem Ganztagsschüler sowie Ein- und Auspendler besser bedient werden - auch am Wochenende: "Was nützt ein teures, attraktive Haus, das aber dann geschlossen hat, wenn die Bürger Zeit hätten?" Dieser Punkt stieß jedoch auf Widerstand, weil die Baugenehmigung die Öffnungszeiten für die Bibliothek auf werktags 9 bis 19 Uhr beschränkt. "Wir haben uns an die Vorgaben der Baugenehmigung zu halten", dämpfte Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) die Erwartungen.