Laden...
Hammelburg
Rock & Pop

Hammelburg: Popularmusik-Beautragter Peter Näder hört auf

Nicht Spitzen-, sondern Breitenförderung lautete das Motto des ersten fest angestellten Popularmusikbeauftragten in ganz Bayern.
Artikel drucken Artikel einbetten
Peter Neder probiert mit zwei Musikern einen neuen Song aus. Unser Foto entstand im Jahr 2011. Winfried Ehling
Peter Neder probiert mit zwei Musikern einen neuen Song aus. Unser Foto entstand im Jahr 2011. Winfried Ehling

Der Titel Popularmusik-Beautragter erschien ihm stets sperrig, zu wenig Rock'n Roll steckte darin. Das hat Peter Näder immer betont, allerdings ist ihm ein besserer Begriff für seine Tätigkeit auch nicht eingefallen. Fast 20 Jahre lang förderte Näder die Unterfränkische Musikszene, organisierte Workshops, Festivals, Konzerte und verlor dabei nie das Wichtigste aus den Augen: die Musik. Jetzt geht er in den wohlverdienten Ruhestand.

Nicht Spitzen-, sondern Breitenförderung lautete das Motto des ersten fest angestellten Popularmusikbeauftragten in ganz Bayern. Zu erzählen gibt es viel, von Begegnungen, Kuriositäten und auch manchem Frustmoment aus dieser langen Zeit. Als Geschenk bezeichnet Näder das Privileg, mit vielen hervorragenden Musikern und ebenso lieben Menschen zusammenarbeiten zu dürfen und erinnert sich besonders gerne an die ersten Dienstjahre.

Näder war zuvor an der Fachakademie für Soziales tätig. "Ich habe dort junge Erzieherinnen in Gitarre, Chor und Musikpädagogik unterrichtet", erinnert er sich. Als die Stelle des Popularmusik-Beautragten ausgeschrieben wurde, war für ihn eines klar: "Ich wollte den Job unbedingt haben. Es war damals allerdings eine Pioniergeschichte, ich war ja der erste in Bayern, anfangs nur halbtags angestellt. Zudem hatten wir im ersten Jahr keinerlei Budget, das wurde einfach vergessen."

Vieles war improvisiert, wirklich Beachtung schenkte auch der Bezirk seinem neuen Mitarbeiter nicht wirklich. In Näders Augen war das allerdings gar nicht so nachteilig für ihn. "In den ersten sieben Jahren agierte ich praktisch wie ein Selbstständiger. Das war auch einer der Gründe, warum wir zu neuen Ideen nie nein sagen konnten", blickt Näder zurück. Das Ergebnis sei eine unglaubliche Dynamik gewesen. Von Wettbewerben wie dem Main-Pop-Music-Award, die CD-Projekte Heimat und Visions & Voices oder Workshops für elektronische Musik und ein spezielles Lehrer Musikcamp an der Bayerischen Musikakademie Hammelburg beschreiben die Ideenvielfalt dieser "Gründerjahre".

Stets flossen die Erfahrungen Näders in die Workshops ein, allen voran in das noch heute jährlich stattfindende Band-Camp. Der Organisator, früher selbst professionell als Musiker unterwegs, betont stets und immer wieder, dass die Ausbildung professioneller Musiker nie sein Ziel war: "Bevor ich jemanden zu diesem Weg rate, muss ich schon lange, lange darüber nachdenken. Wenn man in diesem Geschäft seine Brötchen verdienen will, muss man sich schon sehr oft sehr verbiegen."

Am eigenen Leib erfuhr Näder dies mit seiner erfolgreichsten Band Relax. Ursprünglich als Rockband mit Namen Spy gegründet, war sehr schnell klar, dass Näder und Kollegen aufgrund der fehlenden Nachfrage musikalisch neue Wege gehen mussten. Heraus kam unter neuem Namen eine Bayerische Mundartrock-Combo. "Das hat schon Laune gemacht, und es war auch etwas verdient dabei. Aber, wenn wir uns unterhalten, dann erzählen wir eigentlich immer Geschichten aus der Rock-Zeit. Da haben wir einfach die Musik gemacht, die uns am Herzen lag und Fans gehabt, die für uns durch's Feuer gegangen wären", erinnert sich der damalige Sänger und Gitarrist.

Auch in der Entwicklung seiner Arbeit als Popularmusik-Beauftragter gab es so einige Veränderungen: "Viele Dinge, die wir gemacht haben, wären heute aus verschiedenen Gründen gar nicht mehr möglich. Aber die Wichtigen sind erhalten geblieben", beschreibt Näder und spielt damit auf sein ganz eigenes "Baby", das Band-Camp an. Dieses ist heute ein fester Termin im Kalender vieler junger Musiker und hat ebenso viele Nachahmer gefunden.

"Doch damals war das etwas völlig Neues. Ich kann mich noch erinnern, das erste Mal waren wir mit lediglich 16 Teilnehmern im Keller der Akademie. So mancher Dozent fragte mich noch Jahre später, ob er mit einem Zelt zum Camp kommen soll", erinnert sich Näder mit einem Lächeln. Junge Musiker werden mit zum Teil völlig unbekannten Mitmusikern zu neuen Bands zusammengeschlossen, am dritten Tag unter professioneller Anleitung werden zwei selbst geschriebene Songs vor Publikum präsentiert. Einem Durchgang für Anfänger folgt unmittelbar ein zweiter für Fortgeschrittene. Wichtiger Partner damals für Näder war der mittlerweile weltbekannte Schlagzeuger Benny Greb: "Er ist ein super Pädagoge und verlieh der Veranstaltung Seele, die zum Glück auch nach seinem Ausscheiden erhalten geblieben ist."

In Zukunft will sich Näder mehr auf andere Dinge konzentrieren. Beispielsweise die Leitung zweier Chöre und die damit zusammenhängenden Arrangements sorgen bei ihm für Beschäftigung. Auf die Frage, ob er die vergangenen knapp 20 Jahre als erfolgreich ansieht, antwortet er mit einem klaren "ja." Das sehe man nicht nur daran, dass andere Bezirke wie Oberbayern mittlerweile ebenfalls ähnliche Stellen geschaffen haben, sondern, dass seine eigene zur Vollzeit-Planstelle geworden ist.

Diese sieht er bei seinem Nachfolger Benjamin Haupt in guten Händen. Abschiedsschmerz verspürt er wenig, Näder sieht die vielen Begegnungen und daraus resultierenden Freundschaften als Geschenk an. Deutlich macht er dies mit einem Zitat: "Menschen treten in unser Leben und begleiten uns eine Weile. Einige bleiben für immer, denn sie hinterlassen ihre Spuren in unseren Herzen."