Die Deutsche Bahn investiert laufend in die Saaletalbahn zwischen Gemünden und Bad Kissingen: In den vergangenen Jahren wurden Gleis-Abschnitte neu verlegt und Bahnhöfe behindertengerecht ausgebaut. Im kommenden Jahr sollen nun drei mechanische durch elektronische Stellwerke ersetzt werden. Nach Angaben der Bahn muss deshalb auch die Sicherungstechnik der vier Bahnübergänge in Elfershausen-Trimberg, Westheim, Hammelburg und Gräfendorf angepasst werden. Wegen einer Änderung im Plan wurde die bereits 2018 beratene Lösung für die Bahnhofstraße nun erneut im Stadtrat diskutiert.

Planer Jakob Rogosch vom Büro "PlanIQ" erläuterte den Stadträten anhand von Plänen, dass die Einmündung der Straße "Am Bahnhof" zu eng für Busse und Lkw ist: Große Fahrzeuge würden in den Schrankenbereich kommen. In Abstimmung mit dem Eisenbahn-Bundesamt wurde vorgeschlagen, dass in Zukunft die Ein- und Ausfahrt in die Straße "Am Bahnhof" für alle Fahrzeuge über 6,89 Meter Länge verboten wird. Große Fahrzeuge, darunter auch ein möglicher Schienen-Ersatzverkehr müssen dann also über den "Weiten Weg" fahren.

Grunderwerb wurde geprüft

In der längeren Diskussion gab es einige Verwirrungen, was denn nun genau verboten werden soll: Nur das Abbiegen auf die Bundesstraße 27 nach Norden oder auch nach Süden in Richtung Innenstadt. "Ein Linienbus darf nicht rückwärts fahren", stellte CBB-Stadtrat Dominik Sitter klar. Deshalb müsse geprüft werden, ob der Schienenersatzverkehr oder auch Busse der Bundeswehr den Bahnhof in Zukunft anfahren können. Sein Fraktionskollege Reimar Glückler forderte, dass der Plan mit der Bundeswehr abgestimmt werde und dass noch einmal die Möglichkeit des Grunderwerbs an der Einmündung geklärt werde. "Das ist bereits geprüft", betonte Rogosch.

Kritik von mehreren Stadträten gab es an der künftigen Führung der Fußgängerwege: Während der östliche Gehsteig bleibt, wird der westliche verlegt, um die Länge der Schlagbäume auf zehn Meter zu begrenzen: Fußgänger aus der Fuldaer Straße biegen in Zukunft vor dem Bahnübergang ab und queren die Schienen an einem Überweg einige Meter weiter in Richtung Bahnhof. "Dieser erhält eine separate Fußwegschranke. Als akustisches Signal kündigt ein Klingelzeichen das Schrankenschließen an", berichtet ein Bahnsprecher auf Nachfrage der Redaktion.

Keine Kosten für die Stadt

3. Bürgermeister Christian Fenn gefällt diese Lösung nicht: "Auf dem Papier haben wir zwar eine sicherere Lösung, aber in der Praxis nicht", zweifelte er an, dass der Überweg genutzt wird. Auch andere Stadträte befürchteten, dass Fußgänger auf der Fahrbahn laufen. "Wir können kein Fehlverhalten planen, sondern müssen nach den Regeln der Technik bauen", betonte jedoch Projektleiter Martin Hofmann von der Bahn.

Befürchtungen gab es auch wegen der akustischen Signale an den neuen Übergängen. "Wir haben in der Siedlung eh schon Beschwerden wegen des Lärms vom Gewerbegebiet", befürchtet etwa Stadträtin Monika Horcher (Grüne) eine zusätzliche Belastung. Laut Bahn seien die Signale in der Nacht zwar leiser, müssten aber auf alle Fälle angeschaltet bleiben.

Der Westheimer Bahnübergang ist bisher nur mit Blinklicht gesichert. Dort hatte es auch bereits Unfälle gegeben. Die Westheimer Stadträte begrüßten, dass es in Zukunft Halbschranken und eine Lichtzeichenanlage geben soll. Verwundert waren sie jedoch, dass bislang in der Planung keine zusätzlichen Versorgungsleitungen für die Feuerwehr vorgesehen sind. Die seien für Löscharbeiten im Gewerbegebiet dringend erforderlich. Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) sicherte zu, dass die Rohre für die Feuerwehr in den Plan aufgenommen und der Begrüßungsstein am Ortseingang Westheim beim Versetzen aufgearbeitet wird.

Laut Pressesprecher der Bahn werden im Zuge der Modernisierung auch die vorhandenen Flügelsignale durch Lichtsignale ersetzt. Der Baubeginn sei für das Jahr 2021 geplant. Die Arbeiten sollen bis Jahresende 2021 abgeschlossen sein. Eine gute Nachricht gab es für die Kämmerer: Durch eine Änderung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes im März 2020 müssen sich die Kommunen doch nicht an den Kosten für die Bahnübergänge beteiligen.